Herr Hoitz baut eine Skisprungschanze in die Eifel

Von: Christopher Gerards
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Erst mal eine Kinderschanze: George Hoitz, Vorsitzender des Skiclub Bonn, hat am Hasenberg in Hollerath diese Skisprungschanze initiiert, am Samstag wird sie eröffnet. Und es sollen weitere Schanzen entstehen, vielleicht sogar ein ganzes Trainingszentrum. Foto: Christopher Gerards

Hellenthal. Dem Mann, der eine Skisprungschanze in die Eifel gebaut hat, ging es schon besser als in diesen Tagen, eine Grippe hat ihn erwischt und hält sich seit zwei Wochen, ausgerechnet jetzt. George Hoitz spricht leise und langsam, aber er hält durch, er muss ja. Das Fernsehen kommt vorbei, am Samstag dann wird die Schanze eröffnet; und gute Presse, sagt Hoitz, sei wichtig.

Hoitz, 71, weißer Siebentagebart, Baskenmütze, Rundbrille, hat „ein Konzept“ entwickelt, so sagt er das, und ein Teil dieses Konzepts war, in Hellenthal-Hollerath in der Eifel eine Skisprungschanze zu bauen. Weiße Matten, 16 Meter An-, 25 Meter Auslauf, die Sprünge sollen bei zehn Metern enden, nichts Großes. „Bernhard 1“ heißt die Schanze, ist ausgelegt für Kinder von sechs bis zwölf und konform mit den Regeln des Welt-Skiverbandes. Und Hoitz hat Pläne, das „Konzept“; er will zwei weitere und größere Schanzen in Hollerath bauen, irgendwann.

Er klettert den Hang hinauf und betrachtet sein Werk. Seit 2008 ist Hoitz der Vorsitzende des Skiclub Bonn, gegründet 1907. Im Wald bei Hollerath, ganz im Südwesten Nordrhein-Westfalens auf 640 Metern Höhe gelegen, unterhält der Verein ein Clubhaus, gleich daneben steht die Schanze – die einzige in der ganzen Eifel, wie eine Sprecherin des Tourismusverbandes sagt.

Also, Herr Hoitz, wie kam das? Er sitzt in der Club-Hütte, versinkt in einem Sessel neben dem Kamin und muss ein bisschen ausholen. In seiner Jugend war George Hoitz ein guter Langläufer, „ein Leistungsträger“, sagt er, 32 Minuten auf zehn Kilometer, keine schlechte Zeit. Wenn sie ihn im Club gebraucht haben, ist Hoitz auch von Schanzen gesprungen, aber nur sehr mittelmäßig, die Bestweite 44 Meter, aufgestellt 1961, in Winterberg. Zwei Mal in seinem Leben ist Hoitz auch in Hollerath gesprungen, die Arme voraus und die Beine parallel, so machte man das in den 60ern, irgendwo zwischen 18 und 20 Metern ist er gelandet. Das war 1962, als in Hollerath noch die alte Schanze stand.

Die alte Schanze in Hollerath stand auf der anderen Seite des Ortes, 1932 war sie erbaut worden und hatte zwischenzeitlich „Adolf-Hitler-Schanze“ geheißen, kein schöner Name. 1936 trainierte der Norweger Birger Ruud auf der Schanze, kurz danach gewann er Gold bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen von der Großschanze, so erzählt es George Hoitz, und er erzählt es gern. Abgerissen haben sie die alte Schanze in Hollerath Mitte der 60er Jahre. Jetzt baut Hoitz eine neue, und das kam so:

Der Skiclub war gerade 100 geworden, da rief ihn sein alter Freund Pitti an. „Schorsch, warum lässt Du zu, dass der Verein kaputt geht“, habe der Pitti am Telefon gesagt, 23 Mitglieder hatte der Skiclub nur noch. Natürlich machte Hoitz sich Gedanken, als er das hörte, und am Ende beschloss er, selbst der Vorsitzende des Skiclubs zu werden. Am 20. Februar 2008 war die Wahl, drei Monate später hatte der Verein 67 Mitglieder, heute 350. Und er soll weiter wachsen, Hoitz sagt: „Ich weiß, wo die Trends hingehen. Die Kids wollen springen.“

Ohne Geld und Subventionen

Hoitz arbeitet als Architekt und Ingenieur, für seine Kunden baut er „Geschäftshäuser und so weiter“. Als Schanzenbauer war Hoitz nicht in Erscheinung getreten, zumindest bislang. Nach seiner Wahl hatte er zunächst eine größere Schanze in Hollerath bauen wollen, aber dem Verein fehlte das Geld, und Subventionen bekam er nicht. Also hat Hoitz sich überlegt, eine Kinderschanze zu bauen; das ist günstiger, und so wie er es sieht, zeigt es, dass er auch eine größere bauen kann. Gute Presse gibt’s obendrein.

„Ich bin ja kein Dummkopf“, sagt Hoitz. Vor sieben Monaten hat er mit einem Handwerker zu bauen begonnen, „am 4. April“, sagt Hoitz, so viel Genauigkeit muss sein.

Wenn sich die Dinge in seinem Sinne fügen, wird in Hellenthal-Hollerath mal ein nordisches Trainingszentrum entstehen, mit einer Jugendschanze und einer großen Schanze, gleich hinter der Club-Hütte, auf einem Hang namens Hasenberg. Hoitz hat schon Pläne gezeichnet, bis zu 18 und 37 Meter weit sollen die Sprünge gehen. Er weiß nur noch nicht, wann er bauen will. Er sagt: „Es gibt einen Spruch im Rheinland: Man kann nur so hoch pinkeln, wie man Druck hat. Schreiben Sie das.“

Neulich hat sich ein Journalist die Schanze angesehen und Hoitz gefragt, ob demnächst ein Sieger der Vierschanzentournee aus der Eifel kommen werde. Hoitz hat geantwortet, dass das schon möglich sei, und wenn man ihn fragt, ob er das wirklich glaubt, dann sagt Hoitz: „In 16 Jahren wird ein Mitglied des Olympia-Teams aus Hellenthal kommen. Ist doch klar.“

Vermutlich kann man derlei Dinge auch dann noch sagen, wenn man Realist geblieben ist; Hoitz weiß ja, dass solche Sätze Geld und Sponsoren bringen, möglicherweise.

Am Samstag wird die Skisprungschanze in Hellenthal-Hollerath eröffnet, um 13.30 Uhr. George Hoitz sagt, dass 30 Kinder springen wollen.

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