Henke hängt Ulla Schmidt deutlich ab

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Wahlsieger Rudolf Henke (CDU) und Parteivorsitzender Armin Laschet gönnen sich im Kreis von Parteifreunden ein spontanes Bier in der Aula Carolina. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Feiern bis der Arzt kommt: Der heißt Rudolf Henke und betritt am Sonntagabend schon um 19.23 Uhr mit dem designierten OB Marcel Philipp sowie 50.703 Stimmen im Rücken die Aula Carolina.

Vor vier Jahren hatte Philipp als Bundestagskandidat hauchdünn gegen Ulla Schmidt verloren. Doch diesmal gibt es für beide vom CDU-Lager Bier und frenetischen Applaus.

Schmidt ist vernichtend geschlagen, zum Schluss liegt die SPD-Politikerin mit 38.523 Stimmen 9,47 Prozent hinter ihrem CDU-Herausforderer. Damit verliert sie im Vergleich zur vorigen Bundestagswahl mehr als 10 Prozent - eine außergewöhnlich kräftiger Aderlass für die Bundesgesundheitsministerin.

Henke holt nach 15 Jahren erstmals wieder das Direktmandat für die Union in Aachen. „Ich bin sehr erleichtert, das ist der Lohn für den härtesten Wahlkampf meines Lebens”, sagt er. Und vergisst dabei auch die Unterlegenen nicht, von denen fast alle trotzdem neben ihm im Parlament sitzen werden: „Wir sind jetzt vier Aachener in Berlin. Und man weiß ja von der Alemannia, wie wichtig der 12. Mann ist, um das Team nach vorne zu bringen”, hofft Henke auf mehr Einfluss aus dem Westzipfel. Nur das bundesweite Abschneiden der Christdemokraten verhindert überschäumende Freude: „Aachen ist toll, hier bin ich sehr zufrieden. Aber unser Bundesergebnis finde ich nicht so überragend.”

Der Stimmung bei der CDU-Wahlparty im Tonnengewölbe des Rathauses schadet das aber später angesichts der schwarz-gelben Mehrheit nicht. „Das Aachener Ergebnis zeigt, dass die CDU auch wieder in Großstädten gewinnen kann”, strahlt der Aachener CDU-Chef Armin Laschet.

Katerstimmung dagegen bei der SPD: Schmidt zieht zwar über ihren Listenplatz 4 ins Parlament ein, ist aber angesichts der Stimmenverluste geradezu entsetzt: „Für mich persönlich wie alle in der SPD ist das ein Schock”, sagt sie am Abend. Nur 22,43 Prozent der Wähler gaben den Sozialdemokraten ihre Zweitstimme - ein historischer Tiefstand und ein Minus von 10,71 Prozent. Nicht ihre aufgebauschte „Dienstwagen-Affäre”, sondern unpopuläre Reformpolitik und die katastrophale Wahlbeteiligung von gerade mal 73,61 Prozent hätten den Ausschlag gegeben, erklärt sie.

Von den 176.885 Aachener Wahlberechtigten finden noch einmal fünf Prozent weniger als vor vier Jahren den Weg in die Wahlkabinen. „Es ist wirklich schlimm, dass viele, die uns sonst wählen, offenbar ins Lager der Nicht-Wähler abgerutscht sind”, beklagt Schmidt. Besonders niedrig ist die Teilnahme am Urnengang in ehemaligen SPD-Hochburgen wie Panneschopp (50,16 Prozent), überdurchschnittlich hoch in bürgerlichen Außenbezirken wie Laurensberg (83,34 Prozent). Nur ein positives Fazit zieht Schmidt: „Die NPD hat nicht einmal ein Prozent geholt. Die Rechten bleiben draußen, und das ist gut so.”

Im Stimmungshoch sonnt sich am Sonntag indes FDP-Politikerin Petra Müller. Sie kassiert zwar erwartungsgemäß nur knapp 9 Prozent der Erststimmen, löst aber über ihren Listenplatz 14 das Berlin-Ticket. Die Liberalen kommen in Aachen auf stattliche 15,09 Prozent der Zweitstimmen - und verdoppeln damit fast ihr Kommunalwahlergebnis. Vierter Bundestagsparlamentarier aus Aachen wird Andrej Hunko (Erstimmen: 7,4 Prozent; Listenplatz 6). Seine Linke gewinnt in der Kaiserstadt 2,52 Prozent dazu und landet bei 8,46 Prozent.

Keine Überraschung bei den Grünen: Jochen Luczak bleibt mit 13,4 Prozent der Erststimmen Ratsherr in Aachen. Sein Listenplatz 20 reicht nicht für den Einzug in den Bundestag. Das Zweitstimmen-Resultat der Grünen von 16,09 Prozent wertet er als solide Entwicklung. „Und wir glauben, dass wir bei den nächsten Wahlen beweisen, dass wir eine Wachstumspartei sind”, sagt er. Das dürfte auch die Piratenpartei in Aachen so sehen. Schmerzmittel benötigten sie jedenfalls nicht. Bei der Kommunalwahl hatten die Piraten erstmals einen Ratssitz geholt, am Sonntag sammelten sie mit 4819 Kreuzchen 3,47 Prozent - auch ein Grund zum Feiern.
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