Kreuzau - Heinrich Bölls Haus ist ein Ort, an dem neue Leben beginnen

Heinrich Bölls Haus ist ein Ort, an dem neue Leben beginnen

Von: Gudrun Klinkhammer
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Mitte der 60er Jahre suchte Heinrich Böll ein Haus, um sich zurückzuziehen – und fand dieses Haus in Kreuzau-Langenbroich: Nach Bölls Tod wurde es in seinem Sinn umgewidmet und bietet seit 1990 politisch verfolgten Künstlern wie Khder Alaghaa einen Zufluchtsort. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Mitte der 60er Jahre suchte Heinrich Böll ein Haus, um sich zurückzuziehen – und fand dieses Haus in Kreuzau-Langenbroich. Nach Bölls Tod wurde es in seinem Sinn umgewidmet und bietet seit 1990 politisch verfolgten Künstlern einen Zufluchtsort. Foto: Gudrun Klinkhammer

Kreuzau. Den Walnussbaum im Garten seines Hauses in Kreuzau liebte Heinrich Böll besonders, unter den Blättern des Baumes hielt er gern und oft inne. Nachdem Böll, der Literaturnobelpreisträger, am 16. Juli 1985 in seinem Haus in der Rureifel gestorben war, ging auch der Walnussbaum ein.

Wenn Stefan Knodel, der jetzige Geschäftsführer des Heinrich-Böll-Hauses und Mitarbeiter des Dürener Kulturbetriebs, von dieser Zufälligkeit erzählt, senkt sich seine Stimme: Böll und sein Baum, schön. Freunde des Hauses pflanzten später dann an gleicher Stelle einen neuen Nussbaum, der inzwischen eine stattliche Krone gebildet hat, unter der sogar auch wieder Schriftsteller sitzen.

1990 nämlich wurde das komplette Anwesen zu einer Art Zufluchtsort umfunktioniert. Das Heinrich-Böll-Haus, einst Ferienhaus und Rückzugsort des großen deutschen Schriftstellers, bietet nun seit 24 Jahren politisch verfolgten oder aus Krisengebieten stammenden Künstlern Asyl.

Seit acht Monaten lebt Khder Alaghaa mit seiner Frau in diesen geschichtsträchtigen Mauern. Der Lyriker, Journalist und Literaturkritiker aus Damaskus wurde in seinem Heimatland Syrien verfolgt. Der ehemalige Chef-Herausgeber eines kritischen Kulturmagazins musste mehrfach seinen Wohnort wechseln, da die Geheimpolizei des Regimes ihm auf den Fersen war. Die Polizisten, die Menschen ohne Grund töteten, wie der Syrer berichtet, ließen nicht locker. Khder Alaghaa verlor seine Arbeit.

Durch eine Empfehlung kam der Kontakt zur Heinrich-Böll-Stiftung und damit in den Kreuzauer Gemeindeteil Langenbroich zustande, in dem das Haus steht. Eine Jury prüfte die Arbeiten des 45-Jährigen, daraufhin sprach die Stiftung eine Einladung aus und organisierte das Visum. Der Weg von Khder Alaghaa führte im vergangenen Jahr über Köln Richtung Düren. Seinen ersten Eindruck von Deutschland schilderte er in einem Gespräch im Wintergarten des Heinrich-Böll-Hauses: „Mir fiel nach der Ankunft hier die Freiheit und die Demokratie auf, zudem der Respekt für die Gesetze und die Menschenrechte. Auch beeindruckt mich nach wie vor die Kultur.“

Die Eingewöhnungsphase ist inzwischen vorbei, das zunächst viermonatige Stipendium wurde verlängert, denn in die politische Bedrohung wird kein Gast zurückgeschickt. Sobald in Syrien wieder Ruhe und Frieden herrscht, möchte Khder Alaghaa zurück in seine Heimat reisen. Schwierig ist für ihn und seine Frau, eine Journalistin, die deutsche Sprache, der sie nicht mächtig sind. So ist der Kontakt zu Menschen in der Nachbarschaft pro­blematisch. Khder Alaghaa sagt: „Die Nachbarn schenken uns ein Lächeln, das tut schon gut, und wir sagen ‚Guten Morgen‘ und ‚Guten Tag‘. Aber mehr Kontakt kommt wegen der Sprachbarriere leider nicht zustande.“

Zurück an den Schreibtisch

Nun entschloss sich Alaghaa allerdings, gezielt Deutsch zu lernen. Im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich führte es ihn auch wieder an den Schreibtisch. Er schrieb ein nicht veröffentlichtes Buch zu Ende, eine Studie über die Situation der Schriftsteller in Syrien. Er schrieb Gedichte, die er in einer Sammlung bündeln möchte. Khder Alaghaa ist dankbar für diese Chance, er sagt: „Dieser Ort bietet mir die Gelegenheit, ein neues Leben zu beginnen. Der Weg zurück zur Schriftstellerei wurde für mich frei, denn während des Krieges in Syrien konnte ich kein Wort mehr zu Papier bringen.“

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