Heerlen kann auf neuen Campus bauen

Von: Thorsten Karbach
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Die Vision wird Wirklichkeit: In Heerlen entsteht der Smart-Service-Campus. In zehn Jahren werden 100 Millionen Euro investiert, 2500 Jobs sollen entstehen. Grafik: Maastricht University

Maastricht/Heerlen. In Heerlen werden in den nächsten zehn Jahren 100 Millionen Euro in einen Campus ein Entwicklungszentrum für digitale Dienstleistungen, den sogenannten Smart-Services-Campus investiert.

Dahinter steckt ein Bündnis aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die gemeinsam agieren und finanzieren werden. 2000, vielleicht 2500 neue Jobs sollen mit diesem Campus in Dutzenden Start-ups, Spin-offs und größeren Firmen entstehen. Zunächst sollen es mindestens 400 sein. Der Rest folge nach und nach. Die Arbeiten werden umgehend beginnen, wenn die Provinz am 31. Oktober das entsprechende Signal gibt. Und das wird sie geben.

In einem ersten Schritt werden 40 Millionen Euro ausgegeben, Ende 2015 soll der Komplex auf dem Gelände der ABP Pensioenfonds (Rentenkasse) in Heerlen bezogen werden können. Datencenter und Labore sollen am 1. Januar 2016 die Arbeit aufnehmen. Der Zeitplan ist ambitioniert, das Tempo hoch. Die Niederländer sprechen in so einem Fall von einem „vliegenden Start“.

Es ist nicht einfach zu erklären, was „Smart Services“, die da in Heerlen weiter entwickelt werden sollen, eigentlich sind. Denn es gibt keine einheitliche Definition. Im Grunde geht es um technische Systeme und um IT-Einsatz in Service und Produktion, also um eine Art digitale Dienstleistung innerhalb einer Firma ebenso wie im Dialog mit Kunden und Partnern.

Maßgebliche Treiber hinter diesem Projekt sind die Limburger Hochschulen. Die Maastricht University, das Maastricht University Medical Center und die Zuyd University of Applied Sciences wollen eine führende Rolle in der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung spielen, betont Martin Paul, Präsident der Maastricht University. Neben dem Smart-Service-Campus in Heerlen wird in Venlo ein zweiter Campus entstehen, der Greenport-Campus, der sich mit Fragen der Landwirtschaft und Ernährung auseinander setzt. Und in Geleen (Chemelot) und Maastricht (Health) gibt es bereits zwei ähnliche Projekte, die sich mit Chemie und Gesundheit beschäftigen.

Es gibt viele gute Gründe, das Thema „Smart Services“ in der Provinz Limburg zu forcieren. Es gibt Institutionen wie die Dutch Tax and Customs Administration (Steuerbehörde) und Geldinstitute wie Rabobank, die sich mit Finanzen, Verwaltung und Daten auseinandersetzen. Große Unternehmen wie Medtronic, DocMorris und BostonScientific haben dort ihre Call-Center und Verwaltungssitze eingerichtet, rund 65.000 Menschen in Limburg arbeiten im erweiterten Dienstleistungssektor. Und die technischen Fortschritte werden diesen verändern, alles wird elektronischer, auch mobiler. Die Trends sollen fortan direkt vor der Haustür entwickelt werden.

Es geht um Innovation, aber auch darum, die jungen Menschen, insbesondere Hochschulabsolventen, eine berufliche Perspektive in der Provinz zu bieten. Denn Limburg hat damit zu kämpfen, dass viele nach Amsterdam, Utrecht oder e_SSSqs-Hertogenbosch abwandern, weil sie keine entsprechenden Jobs in der Heimat finden. In Aachen kennt man dieses Problem. Auch da gibt es den Campus, der unter anderem dies ändern soll.

„Wir können einen wirklichen Beitrag zum Fortschritt der Limburger Wissenswirtschaft leisten“, betont Universitätspräsident Paul. Der Berliner kennt ein paar gute Beispiele, wo Wirtschaft, Wissenschaft und mit Hilfe der Regierungen, also der Politik, erfolgreiche Projekte gestartet haben: den Wissenschafts- und Technologiepark Berlin Adlershof, also in seiner alten Heimat, den Eindhoven High Tech Campus, den University of Warwick Science Park in England und die Leuven Science Parks and Business Centres in Belgien.

Profitieren wollen am Ende auch die Universitäten von diesem riesigen Campus-Projekt. „Diese Initiative passt perfekt zu unseren Ambitionen zur Stärkung und Ausweitung unserer Lehre und Forschung in unseren strategisch bedeutsamen Schlüsselthemen“, erklärt Paul. Und darüber hinaus sagt er: „Die Campus-Projekte sind ein Schwungrad, das Wissenschaftler anzieht, die Bevölkerung vital hält und das Wirtschaftswachstum Limburgs fördert.“

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