Heckhoffs Freundin klagt den Aachener Vollzug an

Von: Wolfgang Schumacher
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Bei seiner Festnahme erleichtert, dass alles vorbei war: Der Aachener JVA-Ausbrecher Michael Heckhoff Foto: Polizei

Aachen. Claudia M. (49) war 14, als sie sich in den 16-jährigen Michael Heckhoff verliebte. Vor 35 Jahren in Mülheim/Ruhr war das, in jener Stadt, in die es den Serienausbrecher, Bankräuber und Geiselgangster nach seinem „Entweichen” mit Kumpel Peter Paul Michalski aus der Aachener JVA nach dem 26. November wie magisch zog.

„Der war meine erste große Liebe”, berichtete sie am Donnerstag fest und energisch den Richtern. Es schwang noch große Zuneigung mit, obwohl sie sich zwischendurch Jahre von ihrem ewig im Knast steckenden Michael abgewandt hatte.

Jetzt haben sie sich trotz Mauern wieder. Denn seit etwa einem Jahr, gestand die kernige Ruhrpott-Frau beinahe verlegen, ist sie wieder solo. „Den Blacky”, wie man ihn in den Gefängnissen nennt, hat sie wegen seiner gewalttätigen Eskapaden, wegen seiner bis Anfang der 90er Jahre brutalen Kriminalität immer verdammt. Im Stich gelassen aber hat sie ihn nie. Zweimal waren sie verlobt. Und was war mit Heiraten? Sie lachte: „Nein, Gott sei Dank, dann hätte ich ja heute diesen Namen!”

Der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, Hans Günter Görgen, hatte die Zeugin geladen, um Einblicke hinter die Fassade des anscheinend gut gelauntenund schlagfertigen Heckhoff zu bekommen. Görgen bekam sie von einer Frau, die nach langer leidvoller Erfahrung mit dem Justizapparat ebenso umzugehen weiß wie mit Anwälten, Richtern oder der Polizei. Sogar Schwerverbrecher bekommen in kürzester Zeit Manschetten vor ihr.

Warum das so ist? „Blacky wusste immer, dass ich ihn auf der Stelle verrate”, erklärte sie ungerührt - und der schmunzelt dabei wissend auf der Anklagebank, schaute sinnend bis fasziniert zu seiner Ex-Verlobten im Zeugenstand. Denn sie hatte es wirklich sofort getan, als Blacky vor 20 Jahren seinen Ausbruch aus der JVA-Werl bei ihr ankündigte. Postwendend rief sie den JVA-Leiter an. Der glaubte ihr allerdings kein Wort - und das war ein großer Fehler.

Hinter all dem steckt bitterer Ernst und eine völlig gescheiterte Vollzugsgeschichte. „Der Michael hat sich nach Werl gedreht”, sagt sie. Überhaupt, bei ihr sei er liebenswert und höflich, nie gewalttätig.

Das SEK schoss damals auf ihn, er lag drei Monate im Koma. Im Kölner Vollzug sei es dann gut gewesen, sehr gut, da hatte er Perspektiven, doch er musste weg nach Aachen. „Er wollte nicht, da wird alles weniger”, habe er befürchtet. So war es.

Sie schilderte die Personalnot wegen hoher Krankenstände in Aachen, Ergebnis: „Er wurde wieder unruhig, so wie früher”. Und dann kam am 26. November das erneute Desaster, die Flucht.

Wie die so leicht gelingen konnte, ergab sich aus den Aussagen der Vollzugsbeamten Herbert K. (55) und Heinz G. (61) aus der Video-Überwachungszentrale. Kollege Michael K. auf der Anklagebank, der die Türen aufschloss, hörte still zu.

Die Diensthabenden hatten nicht wahrhaben wollen, dass die zwei auf den Monitoren doch keine Sportbeamten auf dem Nachhauseweg waren. Aus Angst vor dem Irrtum hielten sie den Alarm zurück, sie warteten ab.

Das interne Zeitprotokoll, so wurde am Donnerstag offenbar, wurde sogar nachträglich korrigiert, die Alarmzeit war mit Filzstift dick übermalt und vordatiert. Der Prozess geht Dienstag weiter.
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