Herzogenrath/Kerkrade - Hauptsache Verbrechen vermeiden, egal wo

Hauptsache Verbrechen vermeiden, egal wo

Von: sarah Siemons
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Kollegen und Freunde: Hans Joachim Blenz (rechts) und Jac De Bruijn. Seit acht Jahren arbeiten sie gemeinsam im Eurode-Business-Center. Dabei sind sie wichtiger Ansprechpartner für die Menschen in der Grenzregion, aber auch für die Kollegen bei der Polizei. Foto: S. Siemons

Herzogenrath/Kerkrade. Die Kaffeemaschine brummt und dampft. Langsam tröpfelt das heiße Getränk in eine silberne Kanne mit der Aufschrift „Douwe Egberts”. Ein typisch niederländisches Modell, das so in vielen niederländischen Büros und Haushalten steht.

Doch gefüllt hat Jac De Bruijn den Filter mit Melitta-Pulver aus dem deutschen Supermarkt. In der Grenzregion ist es keine Besonderheit, deutsche wie niederländische Produkte im Schrank zu haben, und dennoch ist die dampfende Kaffeekombination ein Sinnbild für die Wirkungsstätte von Jac De Bruijn und Hans Joachim Blenz.

Die beiden arbeiten im Eurode-Business-Center. Ein niederländischer und ein deutscher Polizist in einem Büro. Wer ein Problem in der Grenzregion hat, kommt zur EBC-Anlaufstelle. Der Motorradfahrer, der in der Eifel geblitzt wurde, möchte wissen, ob das verhängte Fahrverbot auch in den Niederlanden gilt. Die Herzogenrather Kassiererin hat eine Geldbörse mit niederländischem Pass gefunden und sucht den Besitzer. Auch Polizeikollegen und Ämter suchen dort Rat und die Hilfe.

Vor 35 Jahren undenkbar

„Das hätte man sich früher nicht mal im Traum vorstellen können”, erinnert sich der 56-jährige Niederländer. In Sittard geboren und in Vaals aufgewachsen, hat er immer schon die Grenzregion geliebt. 1972 hat er seine Ausbildung begonnen, war lange im Außendienst und sammelte Erfahrungen bei der Kripo und in der Leitstelle. Nach 35 Dienstjahren trägt er die blaue Uniform immer noch mit Stolz. Die dunklen Augen sind wach, nur das grau melierte Haar verrät, dass er sie noch kennengelernt hat - die Zeit, als die Grenzen noch nicht geöffnet waren. „Es war uns strikt untersagt, in Uniform und mit Waffe das Land zu verlassen.

Erst das Schengener Abkommen hat unsere Arbeit in der Euregio merklich vereinfacht”, erklärt er. Jac De Bruijn spricht fließend deutsch, nur ein leichter Akzent schwingt mit. „Das kommt, weil ich total gerne deutsches Fernsehen sehe”, gesteht er. Seine blauen Schulterklappen zieren ein goldenes Zeichen: ein Schwert in einer Krone. Es zeigt seinen Dienstgrad an, Brigardier. In Deutschland wäre er Kommissar.

Auf den grünen Schulterklappen seines deutschen Kollegen sind drei silberne Sterne platziert. Hans Joachim Blenz ist Hauptkommissar. Der 52-Jährige hat 1975 die Ausbildung in Linnich begonnen und war 15 Jahre bei der Autobahnpolizei. „Schon damals haben wir ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn gehabt, immer wieder haben wir nach Fahrzeugen über die Grenze hinaus gefahndet. Uns damit immer in einem Graubereich befunden”, sagt der Herzogenrather. Das sei endlich geklärt. „Heute arbeiten wir Hand in Hand.”

Vor acht Jahren wurde ihr Büro ins Leben gerufen. „Damals wussten wir gar nicht so genau, was von uns erwartet wird”, verrät Blenz. Doch mit der Zeit habe sich herausgestellt, wie wichtig diese Partnerschaft ist. Vor 20 Jahren hat es Wochen gedauert, bis eine Personenfahndung auch im Nachbarland umgesetzt werden konnte - und durfte. „Unser letzter Erfolg? Es hat keine halbe Stunde gedauert, bis wir einen Tankbetrüger, der in Herzogenrath seine Rechnung nicht bezahlt hat, in Eygelshofen festgenommen haben”, sagt De Bruijn.

Sicher, Erfolge habe es auch früher schon gegeben. „Aber ich weiß, dass viele Niederländer sich lange nicht vorstellen konnten, überhaupt einen Deutschen ´Kollegen´ zu nennen”, sagt er. „Und umgekehrt”, ergänzt Blenz. „Aber wir sind die Nachkriegsgeneration und haben keine Probleme, oder?”, herausfordernd schaut der Ältere seinen blonden Kollegen an, beide lachen. Über die Jahre sind die beiden Freunde geworden. „Auch wenn Jac sich null für Fußball interessiert”, gibt Blenz lachend zu bedenken.

Auch ihre Lebensumstände sind sehr verschieden. De Bruijn ist verheiratet, trägt seinen Ehering links - eben typisch niederländisch. Blenz ist Vater von zwei Kindern und geschieden. Er liebt den Fußball, während de Bruijn lieber zum Tennisschläger greift. Trotzdem mangelt es ihnen nie an Gesprächsstoff. „Wir ticken gleich, suchen immer nach der idealen Lösung”, sagt de Bruijn. „Und uns ist vor allem eins wichtig: Verbrechen vermeiden, egal auf welcher Seite der Grenze”, sagt Blenz.

Sie sind ein eingespieltes Team. Das ist vor allem montags und donnerstags wichtig. Dann fahren sie gemeinsam Streife. Abwechselnd mit dem deutschen und dem niederländischen Wagen. Wer dann fährt? „Meist gilt die Regel: der Deutsche fährt mit dem deutschen und der Niederländer mit dem niederländischen Auto”, erklärt Blenz. Aber zur Not spielt das keine Rolle mehr. Dann kann auch Blenz mit de Bruijns Handschellen oder seinem Funkgerät umgehen - und umgekehrt. Mittlerweile dampft der schwarze Kaffee in zwei Tassen vor ihnen. Und dazu hat der Vaalser Öcher Printen besorgt. Eine wahrhaft grenzüberschreitende Zusammenarbeit also.

Die Anlaufstelle im Eurode-Business-Center (EBC) ist montags und mittwochs von 11 bis 13 Uhr, dienstags und freitags von 14 bis 17 Uhr und donnerstags von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Die Polizeibeamten klären alle Fragen der Bürger und sind gleichzeitig auch Ansprechpartner für die Kollegen. Gegründet wurde das Büro auf deutsch-niederländischem Boden vor acht Jahren, bezahlt zunächst aus EU-Mitteln. Seit vier Jahren teilen sich die deutsche und die niederländische Polizei die Kosten.
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