Harald Schmidt spricht beim Dürener „Stadtgespräch“ über Politik

Von: Stephan Johnen
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„Offenbar geht es allen Menschen gut und alle sind zufrieden“: Anders ist für Harald Schmidt nicht zu erklären, warum immer weniger Deutsche an Wahlen teilnehmen. Am Montag wird er auch darüber in Düren sprechen. Foto: stock/Norbert Schmidt

Düren. Was haben sich TV-Star Harald Schmidt und Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), beim Thema Politik zu sagen? Hoffentlich eine Menge, denn schließlich setzen die Organisatoren des neuen Dürener Vereins „Stadtgespräch“ zur Eröffnung ihrer Talk-Reihe für einen guten Zweck auf diese beiden Hochkaräter.

„Ein Jahr Große Koalition – Aufbruch oder Tiefschlaf für Deutschland?“ ist die Veranstaltung am kommenden Montag, 29. September, in der Festhalle Düren-Birkesdorf überschrieben. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Schmidt augenzwinkernd, warum er mit Politik nicht viel am Hut hat – und genau aus diesem Grund wählen geht.

Herr Schmidt, sind Sie schon einmal an Düren vorbeigefahren?

Schmidt: Aber sicher. Mehrfach sogar, mit dem Zug und über die Autobahn. Am Montag werde ich dann zum ersten Mal dort zu Gast sein.

Im Dürener Stadtrat regiert eine rot-rot-grün-gelbe Koalition. Lässt sich das noch mit Playmobil-Figuren nachstellen?

Schmidt: Mit Sicherheit. Mit Playmobil lässt sich alles nachstellen. Aber Politik interessiert mich eigentlich nicht so sehr. Deswegen gehe ich ja auch zur Wahl. Ich gebe meine Stimme Leuten, die Ahnung von der Materie haben und dann für die Bürger arbeiten. Die haben das Know-how, die machen das dann. Mir fehlt die Kompetenz.

Dann trifft es sich ja gut, dass Sie nach den Vorstellungen der Gastgeber mit Herrn Grillo über die Arbeit der Großen Koalition in Berlin reden.

Schmidt: Ich bin ja vor allem auf seine Meinung gespannt. Ich erhoffe mir viele neue Einblicke aus einer anderen Perspektive.

Dennoch: Wie ist denn Ihre Meinung zur Großen Koalition? Aufbruchstimmung oder Dämmerzustand?

Schmidt: Ich glaube, die leisten gute Arbeit. Als Schulnote vergebe ich eine glatte „Zwei“. Nach allem, was man mitbekommt, läuft die Wirtschaft ja rund.

Worüber würden Sie gerne mit dem Wirtschaftsmann Ulrich Grillo reden?

Schmidt: Über Geld. Über ziemlich viel Geld. Damit wären wir beschäftigt. Ich bin ja nur Gast, ein ganz normaler Bürger. Worüber wir am Montag reden, hängt maßgeblich davon ab, wonach wir vom Moderator Ulrich Stockheim gefragt werden.

Nicht viele ganz normale Bürger haben jahrelang als Talkmaster eine eigene TV-Show gehabt...

Schmidt: Wir waren ja nie tagesaktuell und auch kein politisches Kabarett.

Welche politischen Fragen gehen Ihnen denn als Bürger aktuell so durch den Kopf?

Schmidt: Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Die Gäste dürfen sich also auf einen philosophischen Abend freuen?

Schmidt: Das sind die Fragen, die alles entscheiden, und über die es sich lohnt nachzudenken.

Viele Menschen denken offenbar, dass es sich nicht lohnt zur Wahl zu gehen. Haben Sie als bekennender Wähler eine Erklärung dafür?

Schmidt: Ich gehe auch wählen, weil sonst die anderen für mich eine Wahl treffen. Woran es liegt, kann ich nur vermuten. Offenbar geht es allen Menschen gut und alle sind zufrieden. Auf die Straße geht jedenfalls niemand.

Trifft das Wort Politikverdrossenheit den Kern der Sache?

Schmidt: Die Medien spielen dabei eine große Rolle. Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es einen großen Wirbel, herrscht Aufgeregtheit. Es ist beinahe so, als warte man darauf und ist dankbar, wenn es etwas Neues gibt.

Wie definieren Sie die Aufgabe der Politik?

Schmidt: Die Aufgabe der Politik ist es, eine solide Verwaltung zu organisieren. Eine viel größere Rolle spielen Einzelinitiativen.

Sie sehen die Bürger stärker in der Verantwortung?

Schmidt: Wer entscheidet in der Politik was an welcher Stelle? Viele Menschen haben davon keine Ahnung. Aber jeder kann sich in seinem privaten Bereich dafür einsetzen, etwas sinnvoll zu gestalten.

Unterstützen Sie deswegen die Initiative des Dürener Vereins „Stadtgespräch“, der Spenden für Bildungsprojekte sammeln möchte?

Schmidt: Das ist eine sinnvolle Aktion.

Welches Bildungsprojekt würden Sie als besonders sinnvoll erachten?

Schmidt: Ich rufe allen Jugendlichen zu: Geht‘ doch mal regelmäßig zur Schule. Danach Lehre und Studium durchhalten und nicht mit 35 wieder zu Mutti zurückziehen, wenn einmal etwas nicht so klappt wie geplant.

Jammern wir eigentlich gerne und zu schnell?

Schmidt: Bei allem, was wir im Leben tun, müssen wir auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Mein zweiter Rat lautet: Augen auf bei der Berufswahl.

Was sollte Ihrer Meinung nach den Ausschlag bei einer Berufswahl geben?

Schmidt: Die Begeisterung für ein Fach, nicht das Streben nach Stabilität und Planbarkeit. Die Pläne ändern sich nun mal maximal alle fünf Jahre, ohne das wir selbst großen Einfluss darauf hätten. Jeder Mensch braucht ein auskömmliches Einkommen. Aber die Freude an einer Tätigkeit ist es, die einen durch das Berufsleben trägt.

Apropos Freude am Beruf: Hätten Sie Lust, es noch einmal mit einer Sendung zu versuchen? Wie sehen Ihre Pläne aus?

Schmidt: Ich freue mich darauf, den Herbst zu genießen, mich am Farbenspiel der Natur und am Lauf der Zeit zu erfreuen.

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