Hanta-Virus grassiert in der Region

Von: Stephan Mohne
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„Puumala“: Das ist eine europäische Variante des Hanta-Virus, hier unterm Elektronenmikroskop. In der Städteregion Aachen haben sich dieses Jahr schon zehn Menschen damit infiziert. Foto: Hans R. Gelderblom/RKI
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Kleine Maus, große Wirkung: Die Rötelmaus überträgt das Hanta-Virus über ihre Ausscheidungen. In Jahren mit vielen Rötelmäusen gibt es auch viele Erkrankungen – so wie 2010, 2012 und jetzt auch 2017. Foto: dpa

Aachen/Düren/Heinsberg. Die 54-Jährige ist eine passionierte Freizeitsportlerin. Joggen, Mountainbiken – täglich ist sie im Aachener Wald unterwegs. Auch der Gesundheit wegen, versteht sich. Doch genau das hat für sie jetzt höchst ungesunde Folgen gehabt.

Denn offenbar hat sie sich bei ihren Freizeitaktivitäten mit dem gefährlichen Hanta-Virus infiziert. Die Nieren hat es in Folge der Erkrankung schwer erwischt. Das ist bei der europäischen Variante dieses Erregers namens „Puumala“ oft so. Mittlerweile, so sagt ihr Freund, ist sie nach der Behandlung im Aachener Uniklinikum auf dem Weg der Besserung. Und sie war nicht die einzige, die jüngst dort mit einer Hanta-Erkrankung eingeliefert wurde. Bei dieser handelt sich um ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber, früher „blutbrechendes Fieber“ genannt, bei dem die Blutgerinnung beeinflusst wird und es zu Blutungen kommen kann.

Das haben Hanta- mit den noch gefährlicheren Ebolaviren gemein, die anders als Hanta auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Bei Hanta spielt eine kleine Maus die Hauptrolle, deren Ausscheidungen und Speichel das Virus enthalten können. Es ist die Rötelmaus, die sich insbesondere da wohl fühlt, wo es Buchen gibt. Weil sie Bucheckern zum Knabbern bevorzugt. Bucheckern gibt es derzeit enorm viele – und auch Rötelmäuse und mithin Hanta-Viren.

Schutzkleidung beim Fegen

Mit ihnen infiziert man sich beim Einatmen von virenlastigem Staub oder wenn dieser auf Schleimhäute trifft. Seltener ist ein Biss der Grund. Und selten ist auch die Ansteckungsart, die der 54-jährigen Aachenerin widerfahren ist. Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion Aachen kann sich nur an einen ähnlichen Fall vor Jahren erinnern: „Da hatte sich jemand bei Liegestützen im Wald infiziert.“ Dass es der Frau doch passiert ist, kann an der diesjährigen Trockenheit liegen. Auch im Wald und am Waldrand sind die Böden staubig.

Normalerweise, so Benend, infizieren sich Betroffene beim Auskehren der Garage oder des Schuppens, insbesondere an Gebäuden in Waldnähe. Weswegen es hier klare Verhaltenstipps gibt: Bei solchen Tätigkeiten sollte man grundsätzlich einen Mundschutz und eine Brille als Schutz für die Augenschleimhäute sowie Schutzhandschuhe tragen. Das Robert-Koch-Institut rät auch, die Flächen vor dem Reinigen zu befeuchten, um das Aufwirbeln des Staubs zu verringern.

Ein ständiges Auf und Ab

Vor allem dieses Jahr sollte man diese Ratschläge beherzigen. Denn 2017 sind dem städteregionalen Gesundheitsamt bis jetzt schon zehn Mal mehr Fälle gemeldet worden als im gesamten Vorjahr – zehn gegenüber einem. 2015 waren es fünf. Im Kreis Düren hingegen sieht die Lage anders aus, da gab es bislang nur zwei Meldungen. Das liegt im normalen Bereich, denn im Schnitt werden dort fünf Fälle pro Jahr gemeldet. Der Kreis Heinsberg ist bislang gar „hantafreie Zone“. Holger Benend erläutert, dass es immer mal wieder Jahre mit vielen Hanta-Infektionen gibt. 2012 (2824 Fälle bundesweit), 2010 (2016 Fälle) und 2007 (1688) waren solche. Dann gibt es wieder Jahre, in denen sich Hanta dünne macht. 2006 zum Beispiel gab es gerade einmal 72 Meldungen. Das hat eben auch mit den Bucheckern und der Menge der Rötelmäuse zu tun, die ebenfalls zyklisch ab- und zunimmt.

Der in Deutschland vorkommende Ableger des Virus führt nur selten zum Tod – nur in etwa einem Prozent der Fälle. Zum Vergleich: Bei den amerikanischen Hanta-Erkrankungen, in deren Verlauf es zu schweren Lungenschädigungen kommen kann, beträgt die Todesrate mehr als 30 Prozent.

Akutes Nierenversagen möglich

Bekannt geworden ist Hanta allerdings vor allem in der asiatischen Version, die man auch „Korea- Fieber“ nennt. Der Name Hanta ist an den südkoreanischen Fluss Hantan angelehnt. Im Koreakrieg in den 50ern erkrankten 3000 US-Soldaten an hohem Fieber, häufig mit anschließendem Nierenversagen. Das dafür zuständige Virus wurde allerdings erst 1977 entdeckt.

Zu spaßen ist indes auch mit der seit 2001 meldepflichtigen Hanta-Erkrankung in Deutschland nicht. Auch sie kann zu akutem Nierenversagen führen, was ohne Behandlung dann auch lebensbedrohlich ist. Symptome der Krankheit sind oft plötzliches hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, absackender Blutdruck und nervliche Symptome wie Sehstörungen sowie Veränderungen des Blutbilds. Behandelt werden sollte Hanta in jedem Fall in einem Krankenhaus.

Die Erkrankung heilt dann jedoch meist ohne weitere Folgen aus.

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