Aachen - Hans Kahlen ist immer noch frei

Hans Kahlen ist immer noch frei

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
Weiterhin „nicht haftfähig”
Weiterhin „nicht haftfähig”: Prof. Hans Kahlen. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Das Tauziehen um den Haftantritt des schillernden Aachener Investors und Architekten Professor Hans Kahlen hält auch im 15. Monat nach dem Urteil an.

Das Landgericht Duisburg hatte den 59-jährigen einstigen Millionenjongleur Ende Mai 2011 unter anderem wegen mehrfacher Steuerhinterziehung und Betrug zu vier Jahren verurteilt (Aktenzeichen 34 KLs-141 Js 143/06-26/08).

Der Bundesgerichtshof (BGH) wies Kahlens Revision im April dieses Jahres ab. Damit war das Duisburger Urteil rechtskräftig. Unverzüglich erhielt der Vater des Skandals um die nicht gebaute Aachener Kaiserplatz-Galerie „die Ladung zum Haftantritt”, wie Duisburgs Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch unserer Zeitung bestätigt. „Doch über seinen Anwalt und entsprechende Atteste berief sich der Verurteilte auf Haftunfähigkeit”, so der Ankläger, der die Akten dem Gesundheitsamt der Städteregion Aachen zur amtsärztlichen Begutachtung zuleitete. Inzwischen seit vielen Wochen brütet die Behörde über eine Entscheidung, dem weitgereisten Lebemann die Freiheit zu nehmen.

Nach eigenen Angaben erlitt Kahlen - nicht zum ersten Mal - im Frühjahr dieses Jahres einen Herzinfarkt mit schweren Folgen. Unsere Zeitung erreichte ihn jetzt telefonisch. Befragt, wie es ihm gehe, antwortete Kahlen zunächst etwas verwirrt: „Im Grunde hat man zu tragen, was man zu tragen hat.” Und weiter: „Ich habe in letzter Zeit gelitten ohne Ende, möchte jedoch keine weiteren Kommentare abgeben.” Nein, auch nicht zum geplatzten Traum der Kaiserplatz-Galerie.

Für ein Gesundheitsamt ist die Klärung der Haftfähigkeit von Patienten ein Routinevorgang, bei dem „sehr strenge Maßstäbe” herrschen, so eine Verfahrensbeteiligte. Was die Behörde zu beachten hat: Jede JVA verfügt über einen Arzt oder kann ihn sofort rufen. Manche Anstalt hat sogar ein eigenes Krankenhaus - wie etwa die in Fröndenberg (NRW). Aufgabe des Amtes der Städteregion Aachen ist es, anhand der Krankengeschichte, Befunde und Gutachten die Zumutbarkeit der Haft zu prüfen. Wie lange das dauert, ist völlig offen.

Doch die Auseinandersetzung der Behörde mit Kahlens Münchener Star-Anwalt Professor Ulrich Ziegert scheint es in sich zu haben. „Ein guter Anwalt hat alle Möglichkeiten, Zeit zu schinden”, sagt ein Amtsarzt gegenüber unserer Zeitung. Zusatzgutachten, Widersprüche und Säen von Zweifeln würden „Zeit ohne Ende kosten”. Manche Verurteilte würden auch mit Selbstmord für den Fall des Haftantritts drohen: „Darauf muss eine Behörde reagieren und einen Psychiater einschalten.” Immerhin sei zu bedenken, dass „der Gang ins Gefängnis für viele Menschen eine enorme Kränkung und Scham auslöst”.

Die Duisburger Richter bezeichneten Kahlen „aufgrund seines Alters” und der „mit dem Vollzug der Haftstrafe verbundenen Trennung von seiner Familie, insbesondere seinen Kindern” als „besonders haftempfindlich”. Der Investor hat aus erster Ehe seiner 2004 verstorbenen Frau einen erwachsenen Sohn, aus zweiter Ehe mit einer Düsseldorferin drei Kinder im Alter von acht bis 16 Jahre, zudem ist er Stiefvater einer siebenjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin, einer Rechtsanwältin.

Im Zusammenhang mit der Baumaßnahme eines Bürokomplexes an der Düsseldorfer Hansaallee hatte Hans Kahlen, wie das Landgericht Duisburg in seinem Urteil auf 79 Seiten feststellte, „systematisch und mit erheblicher krimineller Energie die Verschleierung seiner Einkünfte betrieben, um Steuern zu hinterziehen, damit er seinen aufwendigen Lebensstil fortsetzen konnte”.

Die Richter warfen ihm „systematisches Vorgehen bei der Verschleierung der Zahlungsflüsse” vor.
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