Hand in Hand gegen die Rissreaktoren

Von: Madeleine Gullert
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Dass das umstrittene belgische Atomkraftwerk nur Luftlinie 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt, bereitet vielen Sorgen: Im Juni ist eine große Protestaktion geplant. Foto: imago/Reporters
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Er will zehntausende Menschen mobilisieren: Jörg Schellenberg. Foto: Steindl

Aachen. Hand in Hand sollen Menschen aus der Grenzregion gegen die belgischen Meiler Tihange 2 und Doel 3 kämpfen, die wegen Tausender Risse im Reaktordruckbehälter umstritten sind. Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie plant die Aktion mit.

Herr Schellenberg, wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine 90 Kilometer lange Menschenkette gegen den betrieb von Tihange 2 zu initiieren?

Schellenberg: Eine befreundete Anti-Atomkraftorganisation aus Hamburg hat uns auf die Idee gebracht. Die haben schon 60 und 120 Kilometer lange Menschenketten gegen Atomkraftwerke in Deutschland organisiert. Die ganze Anti-AKW-Szene in Deutschland schaut im Moment auf Aachen. Weil die Dynamik hier so groß ist, viele Menschen gegen Tihange aktiv sind, gab es den Vorschlag, auch hier eine Menschenkette zu starten.

Wie viele Menschen braucht man denn für eine 90 Kilometer lange Menschenkette?

Schellenberg: Wenn sich alle an der Hand halten, benötigen wir 60.000 Menschen. Die Kette soll von Tihange über Lüttich und Maastricht nach Aachen verlaufen. Die Frage ist natürlich, ob man das so hinbekommt. 20.000 Teilnehmer reichen theoretisch aber auch, um die Strecke zu füllen. Dann würden sich nicht überall Menschen an den Händen halten, sondern man würde das mit Hilfe von Bändern überbrücken.

Sind Sie optimistisch, dass es auch ohne Bänder gehen wird?

Schellenberg: Also wenn sich der Klage von Städteregionsrat Helmut Etschenberg 90 Gemeinden angeschlossen haben, dann sollte das mit der Menschenkette doch auch klappen. Das Ärgernis, das Atomkraftwerk, ist schließlich auch noch da. Bei der bislang größten Aktion hier am Europaplatz haben 4000 Menschen teilgenommen.

Beim Anti-Tihange-Spiel von Alemannia Aachen waren 21.000 Zuschauer. Aber natürlich ist es eine große Herausforderung. Wir brauchen jeden Menschen aus der Region, der die beiden Atomkraftwerke stoppen will. Die Aktion ist so groß, dass wie drei Büros einrichten, in denen alles vorbereitet wird: Gruppen müssen aktiviert werden, die Behörden informiert, Werbung gemacht werden. Das schafft man nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen.

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Was kostet das Ganze denn?

Schellenberg: Ähnliche Aktionen haben 100.000 Euro gekostet. Deswegen sind wir auch auf Spenden angewiesen.

Wie sehen Sie die jüngsten Entwicklungen in der Sache? Dass beispielsweise die Bundesregierung das Gutachten der Städteregion Aachen bezüglich der Auswirkungen eines Super-GAU als „ungeeignet“ bezeichnet hat?

Schellenberg: Ich bin über die Bundesregierung verärgert, schließlich haben die Minister einen Eid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuhalten. Dem Protest schadet das nicht, wohl aber ist es sicherlich nicht hilfreich, was die Klage der Städteregion gegen den Betrieb von Tihange 2 angeht. Außerdem kann ich das Urteil der Bundesregierung nicht nachvollziehen.

Nach Fukushima ist die Atomwolke auf den Pazifik geweht, unsere Region ist aber leider quasi der Pazifik von Tihange. Dass sich die niederländische Atomaufsicht aber der negativen Auslegung der Bundesregierung anschließt, überrascht mich nicht besonders. Wenn man bedenkt, dass die ein AKW 60 Jahre laufen lassen wollen, das nur auf eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt ist, zeigt das doch die fachliche Qualifikation der Behörde. Man kann den Atombehörden nicht trauen. Dass Belgien die Dinger vielleicht noch länger am Netz halten will, ist auch erschreckend.

Protestieren Sie in zehn Jahren dann vielleicht immer noch gegen Atomkraft?

Schellenberg: Ich hoffe nicht, dass wir das in zehn Jahren noch müssen. Wir leben in einer neuen Ära der Unsicherheit. In Frankreich, Belgien, den Niederlanden und in osteuropäischen Ländern rechnet man sich die Laufzeiten der Meiler schön. Wenn das so weitergeht, ist ein Super-GAU in Europa programmiert.

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