Hambacher Forst: Rodungen hinter der „Roten Linie“

Von: Marlon Gego
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Foto: Henning Kaiser/dpa
Hambacher
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Tagebau Hambach
Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Montag Rodungsarbeiten im Hambacher Forst begonnen. Foto: Polizei
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Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Montag Rodungsarbeiten im Hambacher Forst begonnen. Foto: Carsten Rose
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Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Montag Rodungsarbeiten im Hambacher Forst begonnen. Foto: Carsten Rose
Hambacher Forst
Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Montag Rodungsarbeiten im Hambacher Forst begonnen. Foto: Polizei
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Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben am Montag Rodungsarbeiten im Hambacher Forst begonnen. Foto: Carsten Rose

Merzenich/Aachen. Die ersten Befürchtungen von einer erneuten Gewalteskalation im Hambacher Forst bestätigten sich nicht, die Polizei war am Montagmorgen nur gekommen, um die Rodungsarbeiten von RWE zu schützen. Die Polizei räumte Barrikaden aus dem Weg, schüttete Gräben zu und sorgte dafür, dass die Waldarbeiter ihrer Arbeit nachgehen konnten. Sonst passierte bis zum Montagabend im Hambacher Forst nicht viel.

Das Problem der am Morgen bei Merzenich-Morschenich begonnenen Rodungsarbeiten ist, dass sie vom Tagebau Hambach aus gesehen jenseits der alten A4-Trasse stattfanden, die Umweltaktivisten und viele Sympathisanten aus allen Teilen der Gesellschaft als „Rote Linie“ bezeichnen. Bis zur alten Trasse würde man Rodungen und das Betreiben des Tagebaus akzeptieren, hieß es. Das Gelände dahinter, auf dem auch die Reste des Hambacher Forsts stehen, sollte RWE zunächst nicht antasten.

Seit Monaten wird in vielen Gesprächen zwischen Aktivisten, ihren Sympathisanten, RWE und manchmal auch der Polizei darüber diskutiert, ob es nicht einen Kompromiss geben kann, der am Ende zum Erhalt von Resten des Hambacher Forsts führen soll. Und vor allem dazu, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen einigen der Aktivisten und RWE-Mitarbeitern endlich aufhören.

Die Aktivisten und Initiativen wie „Buirer für Buir“ begreifen das Überschreiten der alten Autobahntrasse als Provokation. „Für mich gefährdet RWE mit diesen Rodungen wissentlich und bewusst die derzeit laufenden Friedensgespräche und setzt auf Vernichtung statt auf Schlichtung“, sagte am Montag „Buirer für Buir“-Sprecherin Antje Grothus.

Sie räumte allerdings ein, dass dies in gleichem Maß für die gewaltsamen Aktionen gilt, die in den vergangenen Wochen aus dem Hambacher Forst heraus begangen wurden. Erst am Wochenende waren von Unbekannten vier Brände rund um den Tagebau Hambach gelegt worden, unter anderem an Trafoanlagen.

Wer sind die Straftäter?

Wer genau die Straftäter unter den Aktivisten sind, weiß die Polizei nicht oder jedenfalls nicht genau. Doch nach Recherchen unserer Zeitung gilt mittlerweile als sicher, dass immer wieder Gruppen aus dem regionalen linksautonomen Spektrum in den Hambacher Forst reisen und dort zum Beispiel Steine auf Polizisten und RWE-Mitarbeiter werfen. Möglich auch, dass in diesen linksautonomen Gruppen die Täter zu suchen sind, die im April Anschläge auf die Stromversorgung der Tagebaue Inden und Hambach verübt hatten.

Sowohl die Polizei als auch Antje Grothus bestätigten am Montag, dass die Gewalttaten selbst im Wiesencamp am Hambacher Forst umstritten sind, in dem seit 2012 Braunkohleaktivisten leben. Trotzdem geht Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach davon aus, dass nach wie vor „ein militanter Kern von Aktivisten im Wiesencamp“ lebt.

Dass die vielen Gespräche, die auch die Aachener Polizei mit den Aktivisten geführt haben, die Gewalt bislang nicht beenden konnten, kommt für Weinspach nicht überraschend. „Ich habe mich keinen Illusionen hingegeben, ich habe lediglich gehofft.“ Immerhin: Die Zahl der Straftaten rund um den Tagebau Hambach hat zwischen August und Oktober 2016 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres um zwei Drittel abgenommen.

Am Abend schließlich zog die Polizei eine positive Bilanz des Tages: Die Barrikaden auf den Zufahrtswegen südlich der ehemaligen A4 seien erfolgreich durch Sonderfahrzeuge beseitigt worden. Die Rodungsarbeiten der RWE hätten wie vorgeplant stattgefunden. Vorkommnisse habe es nicht gegeben.

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