Hambacher Forst: Aktivisten kommen, um lange zu bleiben

Von: Sarah Maria Berners
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„Wir machen weiter“: Das ist die klare Botschaft, die die Umweltaktivisten aussenden. Gestern, zwei Tage nach der Räumung des Camps im Hambacher Forst, haben die Aktivisten auf einem Acker am Waldrand bei Merzenich ihre Zelte aufgeschlagen. Foto: Sarah Maria Berners
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Brot für ein paar Tage haben die Aktivisten von einem Unterstützer bekommen.

Niederzier/Merzenich. Es hat ein bisschen etwas von Pfadfinderausflug: Mit Rucksäcken und Isomatten bepackt wandern ein paar Umweltaktivisten vom Bahnhof in Kerpen-Buir in Richtung Hambacher Forst. Auf dem Feldweg folgt ihnen ein rotes Auto. Der Fahrer stoppt, steigt aus und wirft den Männern einen großen Beutel mit Brot und Gebäck zu. „Damit werden wir einige Zeit satt“, sagen die jungen Männer und bedanken sich höflich. „Ihr könnt Euch jederzeit melden, wenn Ihr Hunger habt“, ruft der Fahrer und saust wieder davon.

Die Aktivisten wandern weiter zu dem brachliegenden Acker, auf dem sie zwei Tage nach der Räumung ihres Camps erneut die Zelte aufschlagen. Ihre ersten Mitstreiter sind schon da, ein Zelt und ein Campingbus stehen bereit. Im Wald sollen darüber hinaus die ersten Vorarbeiten für neue Baumhäuser laufen. Einer der Männer trägt einen Klettergurt. Sein Motto und das seiner Mitstreiter lautet: „Für jedes geräumte Camp entstehen zwei neue.“

Langer Atem

„Wir wissen noch immer viele Menschen hinter uns, die unser Anliegen auf ihre Weise unterstützen“, sagt einer der jungen Leute. Sie kündigen an, dass sie in ihrem Kampf gegen den „Klimakiller Braunkohle“ einen langen Atem haben werden. Den werden sie auch brauchen: Der nun besetzte Acker in der Nähe von Merzenich-Morschenich – wenige Kilometer vom ersten Camp entfernt – wird ebenso wie der Ort frühestens in zehn Jahren dem Tagebau Hambach weichen. Nach Angaben der Umweltschützer ist ihre neue Heimat, die nordöstlich von Düren liegt, in Privatbesitz. „Hier wird man uns so schnell nicht los“, sagt Aktivist Thomas. RWE Power würde ein Camp auf seinem eigenen Gelände auch kein zweites Mal dulden, sagte ein Unternehmenssprecher. Das erste Camp hatte der Energiekonzern als Meinungsäußerung sieben Monate lang geduldet. Die Polizei beobachtet das Geschehen nach eigener Aussage in Ruhe. Ein Sprecher gab jedoch das Signal, zum Beispiel bei Erdarbeiten frühzeitig einschreiten zu wollen.

Auf dem Acker bei Morschenich hilft Anwohner Michael Blum aus Kerpen-Buir den Aktivisten derweil dabei, ein weiteres Zelt aufzubauen. Wegen der Verschwenkung der A4 wird die Autobahn deutlich näher an sein Zuhause heranrücken. Gut findet er das nicht. Auch Thomas Feld und sein Sohn Moritz aus Kerpen-Manheim – einem Ort, der ebenfalls abgebaggert wird – sind da, um Unterstützung zu signalisieren.

„Wir können mit Material und Lebensmitteln helfen“, sagt Thomas Feld. Er findet es gut, dass die Aktivisten sich auflehnen und die Zerstörung der Natur und das Abbaggern von Dörfern nicht hinnehmen würden. Michael Blum fügt hinzu: „Ich habe eine Familie und damit auch Verpflichtungen. Aber wenn ich schon nicht selbst hier demonstrieren kann, so kann ich wenigstens einen kleinen Beitrag leisten.“

Ebenso, wie es Unterstützer der Aktivisten gibt, gibt es auch Kritiker. Unter anderem werden die Besetzer wegen der Kosten, die die Räumung verursacht hat, kritisiert. Dem entgegnet Aktivist Thomas: „In Anbetracht der Kosten, die der Abbau und die Verstromung von Kohle für das Klima und damit die Zukunft verursachen, müssen wir diese in Kauf nehmen.“ Thomas unterstreicht, dass wegen des Klimawandels Arten aussterben und Landstriche überflutet würden, während die Verursacher des Klimawandels Profite machen würden.

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