Halbzeit bei der Internationalen Bauausstellung Parkstad

Von: Andrea Zuleger
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De Woontuin Das Gebiet, in dem diese ehemalige Grundschule liegt, ist ein schwieriges Viertel im Norden von Hoensbroek. Es ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und den damit einhergehenden Problemen. In der Anlage sind zehn Wohnstudios entstanden, dazu ein Tagespflegehaus, in dem die Bewohner und Menschen aus der Nachbarschaft preiswerte Mahlzeiten einnehmen können und auch Pflege in Anspruch nehmen können. Die zehn Wohnungen werden an Menschen mit und ohne Pflegebedarf vermietet. Das großzügige Gartengelände der ehemaligen Schule wird neu gestaltet. Dort können sich Menschen des Viertels treffen und auch gemeinsam im Garten arbeiten. „Das Konzept – eine Kombination aus Pflege, eigenständiger Beschäftigung und Gemeinschaft – ist in den Niederlanden einzigartig“, wie Jo Coenen beschreibt.
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De Woontuin Das Gebiet, in dem diese ehemalige Grundschule liegt, ist ein schwieriges Viertel im Norden von Hoensbroek. Es ist geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und den damit einhergehenden Problemen. In der Anlage sind zehn Wohnstudios entstanden, dazu ein Tagespflegehaus, in dem die Bewohner und Menschen aus der Nachbarschaft preiswerte Mahlzeiten einnehmen können und auch Pflege in Anspruch nehmen können. Die zehn Wohnungen werden an Menschen mit und ohne Pflegebedarf vermietet. Das großzügige Gartengelände der ehemaligen Schule wird neu gestaltet. Dort können sich Menschen des Viertels treffen und auch gemeinsam im Garten arbeiten. „Das Konzept – eine Kombination aus Pflege, eigenständiger Beschäftigung und Gemeinschaft – ist in den Niederlanden einzigartig“, wie Jo Coenen beschreibt.
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Die vier Wohntürme Heerlerbaan werden unter dem Motto „Higher Heerlerbaan“ renoviert. Es ist das größte Wohnbauprojekt der IBA. „Higher Heerlerbaan“ heißt es, weil das Wohnen darin hochwertiger sein soll. Die 500 Wohnungen werden nicht nur saniert, besser isoliert und freundlicher gestaltet, sondern auch nach sozialen Aspekten umgebaut. So sollen in den Häusern Treffpunkte und Service-Center für die Bewohner eingerichtet werden, die der Anonymität der Bauten entgegenwirken sollen. Außerdem werden die Gebäude auf die Bedürfnisse von älteren Menschen ausgerichtet und bezahlbar bleiben. Ein weiteres Hochhausbauprojekt befindet sich in Bleijerheide. Hier werden die Türme abgerissen, aber das Material so recycelt, dass daraus im Anschluss neue Wohnungen entstehen.
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Visionen im Blick: Architekt Jo Coenen, wenn er über das Konzept der IBA Parkstad spricht. Zupackend: Als neue Direktorin will Kelly Regterschot einen Teil der Visionen in die Realität überführen. Foto: Harald Krömer (2)

Region. Mit großen Struktur-Projekten ist es so eine Sache: Sie sind oft schwer zu fassen und dementsprechend dem Bürger schwer begreifbar zu machen.

Die IBA Parkstad ist so ein Konstrukt. Die Internationale Bauausstellung nach deutschem Vorbild ist die erste Bauausstellung in den Niederlanden und soll der strukturschwachen, ländlichen Region in niederländisch Limburg um das städtische Zentrum Heerlen mit kleinen und großen Bauprojekten zu neuem Aufschwung verhelfen. „Ich glaube, dass wir die schlimmsten Zeiten hinter uns haben“, ist sich Kurator Jo Coenen nach dreieinhalb Jahren IBA sicher. „Es beginnt zu wirken, Heerlen verändert sich merklich. Es sind wieder mehr Geschäfte vermietet.“

Das sieht auch Kelly Regterschot so. Sie ist seit Ende März neue Direktorin der IBA, eine Verwaltungsfrau, die die Ausführung der Projekte überwachen und die Regie übernehmen und dabei Bewohner und Verwaltung der Parkstad verbinden soll. „Wir müssen das jetzt konkret alle zusammen anpacken und auch in Den Haag zeigen, dass die Region es wert ist, dass man in sie investiert“, sagt die bodenständige 41-jährige Planerin voller Zuversicht.

Jo Coenen ist einer der bekanntesten Architekten und Städteplaner der Niederlande. Zwischen 2000 und 2004 war er Reichsbaumeister des Landes, zahlreiche Großprojekte wie die neue Bibliothek in Amsterdam oder die Planung ganzer Stadtviertel wie das Centre Céramique in Maastricht oder das Hafenviertel im Osten Amsterdams hat er betreut. Die IBA ist für den 67-Jährigen, der aus Heerlen stammt, eine ganz andere Baustelle: kleinteilig, unübersichtlich, geografisch auf einer extrem großen Fläche zwischen Sittard und Aachen angesiedelt.

250.000 Menschen wohnen hier in einer Mischregion aus Land und Stadt (Heerlen mit knapp 90.000 Einwohnern), aus Industrie, Dienstleistung und Landwirtschaft. Die Schließung der Zechen im ehemaligen Kohlegebiet hat Probleme gebracht: Arbeitslosigkeit, dadurch auch Vergreisung und Armut.

Da braucht es schon einen großen Fisch. Den hat Jo Coenen schon am Anfang der IBA gezeichnet: ein Modell vom Kopf bis zum Schwanz unterteilt in die Jahre 2013 bis 2020, bis dahin sollen die IBA-Projekte in trockenen Tüchern sein.

Der Wendepunkt

Jetzt ist Halbzeit: Manche Projekte sind realisiert, aber die meisten befinden sich noch in der Phase vor dem Bau, einige auch noch in einer Planungsphase: „Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn die Phase der Realisierung ist natürlich die letzte“, sagt Coenen und zeigt auf seinen Fisch. In dessen Mitte, genau da, wo der Bauch am dicksten ist, ist 2017. Das Wort „Wendepunkt“ steht dran. Der Punkt, an dem Visionen Wirklichkeit werden sollen.

Jetzt muss die IBA also Fahrt aufnehmen. Ingesamt 50 Projekte gilt es zu realisieren. Rund 300 Ideen sind eingereicht worden, von Spielplätzen in Dörfern bis zu Geschäftsideen, Pop-up-Hotels, die durch die Region touren oder Sanierungen von Hochhausbauten.

Das absolute Leuchtturmprojekt ist die Umgestaltung des Wilhelminabergs bei Landgraaf. Hier soll sozusagen die Ikone der gesamten Bauausstellung entstehen. Am Kopf der Treppenanlage soll eine Aussichtsplattform in Form einer begehbaren Acht entstehen, die fast 40 Meter in die Höhe reicht und einen Ausblick auf die Region bieten soll. Es soll der touristische Anziehungspunkt der IBA werden. Aber ganz sicher, ob diese Ikone verwirklicht wird, ist sich noch nicht einmal Jo Coenen: „Was ist schon ganz sicher?“, antwortet der Kreativkopf der IBA eher philosophisch.

Kelly Regterschot muss da widersprechen: „Der Wilhelminaberg soll gebaut werden!“, betont die 41-Jährige. Dass man an genügend Investoren und Unterstützer komme, daran hat sie keinen Zweifel. „Hier passiert gerade so viel in der Region“, sagt die Direktorin, die ansonsten eine Verfechterin der kleineren IBA-Projekte ist. „Manche kleine Projekte, wie ein Geschäft in einem Dorf, können große Wirkung haben. Und wenn der Motor dann angelaufen ist, kommen auch die Menschen – und damit die Investoren“, ist sie sicher.

Viele Projekte der IBA sind in der Tat auf die sozialen Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet. Bezahlbarer Wohnraum, Freizeit, Kultur, Naherholung, Wohnen der älteren Generation und Platz für Kinder und Familien sind wiederkehrende Themen. Dazu gibt es Projekte verschiedener Kategorien: Viele von ihnen beschäftigen sich mit der Umnutzung von Gebäuden wie Kirchen, Klöster, Schulen oder auch Hochhäuser. In den Städten geht es um die Sichtbarkeit von kulturellem Erbe und Geschichte. Das Stadtzentrum von Heerlen soll mit fünf Parks grüner werden.

Coenens Fischzeichnung endet nicht mit der Schwanzflosse, die das Jahr 2020 markiert, sondern mit den Wellenbewegungen, die der Fisch produziert. 2020 sei die IBA zwar zu Ende, aber die Auswirkungen werde man eigentlich erst dann spüren können, so Coenen.

Stellvertretend zeigen wir auf dieser Seite sechs Projekte.

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