Haftstrafen für betrügerisches Quartett

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Der Prozess vor der 1. Großen Wirtschaftsstrafkammer wegen Anlagebetruges in Höhe von vier Millionen Euro aus der Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA) heraus ist Freitag nach mehr als 30 Verhandlungstagen zu Ende gegangen.

Laut Vorsitzendem Richter Harald Brandt war es „eine große zeitliche Belastung” für alle Beteiligten. Das Urteil, das die Kammer am frühen Freitagabend fällte, hätte durchaus eher gesprochen werden können. Denn zu offensichtlich blieben die Argumente, die Staatsanwaltschaft und Verteidigung austauschten, im wesentlichen die gleichen. Der Urteilsspruch gegen den ehemaligen Anwalt und bis kürzlich in Sicherungsverwahrung einsitzenden Ludger W. (56) lautet auf sechs Jahre und sechs Monate Haft wegen gewerbsmäßigen Betruges in rund 800 Fällen.

W. hatte in seinem Schlusswort eingestanden, in „alte Verhaltensweisen” zurückgefallen zu sein. Die mit hohen Gewinnversprechen zwischen Ende 2007 bis Anfang 2009 in der JVA kreierten Anlagegeschäfte bezeichnete Richter Brandt als ein von Beginn an geplantes betrügerisches „Schneeballsystem”, das nie auf eine Gewinnerzielung aus gewesen sei. Vielmehr habe es sich durch die immer wieder nachfließenden Geldeinlagen neuer „Kunden” finanziert.

W. habe in der Zelle die Werbeflyer entworfen, auf denen den Anlegern horrende Gewinnerwartungen von zwei Prozent banktäglich versprochen wurden. Im Laufe der Zeit reduzierte man das Zins- und Zinseszinsversprechen auf „nur” ein Prozent. „Auch damit wäre man in fünf Jahren in der Forbes-Liste der Reichsten”, bemerkte Brandt schmunzelnd.

Als Helfer aus der JVA heraus hatte W. den Aachener Anwalt Michael P. (50). Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren wegen bandenmäßigen Betruges verurteilt. P. hatte sich sehr schnell aus der Kasse bedient und etwa seine Aufwendungen als Karnevalsprinz 2008 davon bestritten. Kürzlich gab er freiwillig seine Anwaltszulassung zum Ende dieses Jahres zurück und hoffte mit der Geste auf eine Bewährungsstrafe - ein Irrtum.

Für die Akquise von Neukunden war in dem Quartett das Brüderpaar Roland und André S. (45/35) aus dem Süddeutschen zuständig, die das Geschäft 2008 in die Schweiz verlegten. Wegen Betruges handelten sie sich Haftstrafen von drei und zweieinhalb Jahren ein. Der im Prozess mitangeklagte Aachener Anwalt Rainer D. (48) wurde vom Vorwurf, Vollmachten für Besuche in der JVA gefälscht zu haben, freigesprochen. Eine Verurteilung wegen „leichtfertiger Geldwäsche” musste D. hinnehmen. Das Gericht sprach eine Geldstrafe von 120 mal 80 Euro aus. Er hatte von Ludger W., der sein langjähriger Mandant war, Geld entgegengenommen.
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