Haftbedingungen ändern sich

Von: Wolfgang Schumacher
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Neu in der JVA-Leitung: Charlotte Adams-Dolfen Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Strafvollzug in der Aachener Haftanstalt ist seit Januar fest in Frauenhand. Nach dem Wechsel von Stellvertreter Karl Schwers nach Geldern trat jetzt an der Seite von Anstaltsleiterin Reina Blikslager die Kölnerin Charlotte Adams-Dolfen den Dienst in der Aachener Soers an. Die Oberregierungsrätin verbrachte das vergangene Jahr im Düsseldorfer Justizministerium, und das tat sie gerne, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung bekundete.

Aber, so sagte Charlotte Adams-Dolfen am Mittwoch, sie sei eine Frau der Praxis. Deshalb habe sie den Ruf nach Aachen sofort angenommen. Die 53-Jährige ist Mutter zweier (erwachsener) Kinder und arbeitete in verschiedenen NRW-Anstalten wie unter anderem in Wuppertal und Remscheid. Im Ministerium hat sich die Juristin insbesondere um die Ausführungsbestimmungen, die im Nachgang des Bundesverfassungsgerichtsurteils zur Neuordnung der Sicherungsverwahrung (SV) ausgearbeitet werden mussten, gekümmert.

Denn die Unterbringung der wegen schwerer Gewalt- und Sexualdelikte in Sicherungsverwahrung einsitzender Täter – es sind etwas mehr als 50 in Aachen – muss ab 1. Juni nach anderen Maßstäben vorgenommen werden, sie sind unter anderem in den neuen NRW-Leitlinien zum Strafvollzug (wir berichteten) formuliert. So passte es, dass die stellvertretende Anstaltsleiterin in der ­Aachener JVA jetzt in Hafthaus III für die Vorbereitung angehender Sicherungsverwahrter zuständig ist. Hier soll etwa Straftätern, denen über kurz oder lang nach ihrer Haftverbüßung weitere Verwahrung droht, mit genau zugeschnittenen Programmen vorbereitet werden. Sozialtherapien und auch Berufsausbildungsmöglichkeiten auch in anderen Anstalten sollen, wie JVA-Leiterin Blikslager ergänzend betonte, verstärkt angeboten und schmackhaft gemacht werden.

Das alles sei ein Nebeneffekt des Verfassungsgerichtsurteils, das nach dem 31. Mai 2013 greifen wird. Großes Ziel dabei könne es sein, dass im Idealfall überhaupt ein Antritt der Sicherungsverwahrung vermieden werde, sagte Adams-Dolfen. Dafür bereitet man im Haus III inzwischen drei Wohngruppen vor, die mit etwa 17 Personen belegt werden sollen.

Die in Aachen bereits einsitzenden SV-ler, darunter noch fünf sogenannte Altfälle, sollen ebenso ein inhaltlich breit gefächertes Therapie-Angebot bekommen. Denn nach den Auflagen des obersten deutschen Gerichts muss sich die Sicherungsverwahrung ab dann deutlich von einer Haftverbüßung unterscheiden. Um auch räumlich eine Zäsur zu schaffen, wird in der westfälischen Haftanstalt Werl eine komplett neue Einrichtung für alle NRW-Sicherungsverwahrte errichtet, das Haus soll jedoch erst 2016 fertig werden.

Bis dahin müssen die Sicherungsverwahrten in der JVA-Aachen bleiben. Dabei wird es hier keine baulichen Änderungen geben. Doch die Unterbringung der SV-ler werde anders gestaltet, versicherte Blikslager. Man werde dafür sorgen, dass es mehr Behandlungsangbote als früher geben wird. Im Übrigen habe die Diskussion um die Sicherungsverwahrung dazu geführt, dass sich mehr Verwahrte wieder für eine Therapie öffnen, meinte Blikslager.

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