Aachen - Häftling zur Anstalt: „In Aachen läuft einfach nichts”

Häftling zur Anstalt: „In Aachen läuft einfach nichts”

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Außen hui, innen pfui? Im Prozess um die beiden JVA-Ausbrecher Michalski und Heckhoff berichtete erneut ein Insasse von unhaltbaren Zuständen im Knast.

Aachen. Der Ausbrecher-Prozess um die Aachener Ex-Häftlinge Michael Heckhoff (51) und Peter Paul Michalski (46) macht immer deutlicher, dass das Aachener Gefängnis zwar außen, im Inneren jedoch absolut kein Schmuckkästchen ist. Einblicke ins Anstaltsleben gewährte am Mittwoch der Zeuge Moritz B. (48). Der ebenfalls wie ein am Verhandlungstag davor vernommener Häftling gehört er zu der Gruppe der Sicherungsverwahrten, die überwiegend in Haus I untergebracht sind.

„Ich kenne viele Anstalten. Aber so einen schlechten Knast hab’ ich noch nie gesehen.” Da werde niemand auf irgendetwas vorbereitet, ärgerte sich der Häftling in breitestem Ruhrgebiets-Slang und sagte „In Aachen läuft eigentlich gar nichts”. Außer Drogen, selbst gebranntem Alkohol und sonstigen Gütern, die ein Leben in der Anstalt gemütlicher machen, klärte er Richter Hans Günter Görgen, dem Vorsitzenden der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, in munterem Ton auf.

So sei es kein Geheimnis und allen Häftlingen bekannt, dass der mitangeklagte Beamte Michael K. „völlig depressiv seinen Dienst tat”. Er habe andauernd zwischen den Zuständen himmelhochjauchzend oder zutodebetrübt geschwankt, „von dem hab’ ich über einen anderen Häftling Pillen bekommen”, erklärte er.

Viele Beamte seien ob der Zustände, wegen der hohen Überstunden und der vielen Krankmeldungen, meist schlecht gelaunt und eben depressiv. „Das war in Werl anders”, bekräftigte er auf Nachfrage. Die gesamte Haftanstalt sei eine riesige Gerüchteküche, nach der Flucht von Heckhoff und Michalski mehr als vorher.

„Wenn ich vorher was gewusst hätte, wäre ich doch mit raus, Herr Richter!” konterte er Fragen nach einer eventuellen Mitwisserschaft. Er hatte der Polizei direkt nach der Flucht gesteckt, dass er noch viel mehr wisse - er wolle dafür das Spielgerät Playstation. Doch am Mittwoch gab er generös zu verstehen, „die Anstalt brodelt über vor Gerüchten”. Alle, die Heckhoff kannten - und das war bei ihm aus der Anstalt Werl - wurden von der Anstaltsleitung befragt.

Zum Start des 13. Verhandlungstages beschwerte sich der Angeklagte Heckhoff lauthals über den Prozessverlauf. Ein Ex-Mithäftling war völlig umsonst von weither vorgeführt worden, Verteidiger Thomas Gros hatte auf seiner Wiedervorführung bestanden - und am Mittwoch dann dankend abgewinkt. Der Prozess geht Montag weiter.
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