„Habitat Euregio“: Wildkatze in Aachen angekommen

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
5691409.jpg
All diese Tiere gibt es in der Region.

Aachen. Es war so etwas wie echte Grundlagenforschung. Und das in Biologie – im Aachener Wald. Manfred Aletsee von der Aachener Naturschutzstation des Naturschutzbundes in Deutschland (Nabu) hat die Specht- und Fledermaus-Population im Aachener Stadtwald erfasst: Fünf Specht- und neun Fledermausarten hat er gefunden. Einige davon sind gefährdet – oder zumindest selten.

Vieles, was Aletsee und seine Mitstreiter herausfanden, war vorher nicht bekannt – dass es in Mitteleuropa noch möglich ist, eine Tierart zu finden, von der keiner wusste, dass sie an dieser Stelle existiert, ist für ihn etwas absolut Außergewöhnliches. So war es zum Beispiel bei der Großen Bartfledermaus: „Wir haben erstmals festgestellt, dass sie sich hier vermehrt“, sagt der Leiter der Nabu-Naturschutzstation. Festgestellt haben die Forscher zum Beispiel auch, wie viele Mittelspechte es dort gibt. Die kann man zwar nicht an einer Hand abzählen, aber selten sind sie allemal: 20 bis 30 Paare gibt es im Öcher Bösch.

13 Partner aus drei Ländern

Das sind nur einige der Ergebnisse des nun auslaufenden Interreg-Projekts „Habitat Euregio“. Insgesamt gab es 13 Partner aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Es ging darum, Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu vernetzen und zu erhalten. Das heißt, dass etwa naturnahe Waldgebiete, die Tieren einen Lebensraum bieten, in der gesamten Region miteinander verbunden werden sollen.

Eine Art, die nur isoliert, in einem kleinen Bereich vorkomme, sei stark vom Aussterben bedroht. Solche Wege von einem ökologischen Rückzugsort zum nächsten habe die Wildkatze bereits genutzt, erklärt Aletsee. Aus dem Nationalpark Eifel wanderte sie über die eigens angelegte Grünbrücke über die Autobahn 44, bis in den Aachener Süden. Heute existiere sie beispielsweise wieder in Wäldern bei Lichtenbusch. Geht man nach der „Waldstruktur“, könne die Wildkatze auch im Aachener Stadtwald leben, sagt Aletsee. Sie muss nur dort hinkommen.

Solche „biotopvernetzenden Maßnahmen“ sind aber nicht nur für große Tiere wichtig. Auch Hecken oder Böschungen in Feldern könne für Tiere Wege von einem Lebensraum zum nächsten sein, besonders in großen Monokulturen, seien für viele Tier- und Pflanzenarten enorm wichtig. „Grüne Verbindungen“ nennt Aletsee diese ökologischen Wanderwege. „Und zwischen der Bebauung brauchen wir auch offene Flächen, damit Igel oder Hasen nicht isoliert werden“, sagt Aletsee.

Im Projekt „Euregio Habitat“ stehen aber nicht nur Tiere und Pflanzen im Mittelpunkt. Man will auch hinein in das Bewusstsein der Bevölkerung: „Die vier Millionen Menschen in der Euregio sollen erkenn, dass wir in einer vielfältigen Naturlandschaft leben. Das ist nicht selbstverständlich. Wir müssen etwas dafür tun, dass das so bleibt“, sagt Aletsee.

Dafür müssen die Menschen hinaus in die Natur – aber es müsse dabei Grenzen geben. Beispielsweise könne es sinnvoll sein Spaziergänger nur in bestimmte „Korridore“ hineinzuführen. Andere Bereiche sollten als Rückzugsorte für Tiere für Menschen tabu bleiben. Und auch in den Bereichen, die für Besucher zugänglich sind, müsse man sich an bestimmte Regeln halten. Dazu zählt: Den Müll mitnehmen. Eigentlich für jeden Wanderer selbstverständlich. Dass dazu auch Apfel- und Bananenschalen zählen, sehe aber nicht jeder Naturfreund ein, sagt Aletsee. Auch einen Hundehaufen sollte man einpacken und in den nächsten Mülleimer werfen. Denn biologische Rückstände – wie Hundekot – veränderten das Ökosystem, sagt Aletsee.

Und Hunde würden von Vögeln und Hasen generell als Raubtiere wahrgenommen. Gerade in Gebieten, in denen es viele bodenbrütende Vögel gibt, sollten Hunde also an die Leine. Das bietet eine Menge Konfliktpotenzial zwischen Naturschützern und Naturfreunden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert