Guido Cantz feiert „Blondiläum“: 25 Jahre Comedy

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
12954078.jpg
Er kann‘s kaum fassen: Seit 25 Jahren ist Guido Cantz blond und ebenso lange als Comedian unterwegs. Foto: imago/Sven Simon

Region. Wenn alles so gekommen wäre wie geplant, würde er heute Produktionen leiten und Kalkulationen für Filme und Fernsehformate erstellen. Aber die Bühne lag Guido Cantz (45) doch zu sehr im Blut. Über Auftritte im Karneval kam er zur Comedy und war ab Ende der 1990er Jahre auf allen Bildschirm-Kanälen zu Hause.

Die Krönung der TV-Karriere: die Übernahme der Moderation von „Verstehen Sie Spaß?“. Zudem kann er als Autor und mit Comedy-Soloprogrammen, die ihn bis nach Berlin, Braunschweig oder Belgien führen, punkten. Auch in Aachen, wo der Unicef-Botschafter immer wieder zu Gast ist. Warum er gerade zu dieser Stadt eine besondere Verbindung hat, wie es kam, dass er „erblondete“ und woher er seine Ideen nimmt, verrät der sympathische Rheinländer im Interview.

Wohnen Sie immer noch in Porz?

Guido Cantz: Ja. Ich lebe da weiterhin. Ich habe nie woanders gewohnt, ich will da auch nicht weg. Und ich versuche immer, im Rahmen meiner Möglichkeiten, die Porzer Flagge hochzuhalten. Da, wo ich groß geworden bin, in Porz-Lind, an der Grenze zum Rhein-Sieg-Kreis, hatte ich eine wohlbehütete Kindheit. Auf unserer Straße – „Im Wendekreis“ – da wohnten viele Familien mit kleinen Kindern, da hat man gegenseitig auf den Nachwuchs aufgepasst.

Waren Ihre komödiantischen Fähigkeiten da schon erkennbar?

Cantz: Ich hatte schon als Kind den Drang, mich darzustellen. Im Kindergarten habe ich gerne den Kasper gemacht, später in der Schule habe ich dann Lehrer nachgeahmt und, als so eine Art Moderator, unseren Jahrgang mit Gags und Gesang durch unseren letzten Schultag geführt. Das war beim Abi 1990. Ich habe schon sehr früh gelernt, dass man mit Humor, wenn man ihn richtig dosiert einsetzt, viel bewirken kann.

Um dann trotzdem später sowas Seriöses wie BWL zu studieren…

Cantz: Ich hatte hin- und her überlegt, was ich studieren sollte. Geschichte und Politik? Lehrer werden? Archivar? Ach – BWL! Klingt gut – hat mein Vater (Anm. d. Red.: von Beruf Kaufmann) auch gemacht. Nach sechs Semestern hab´ ich das Ganze dann aber doch hingeschmissen.

Worauf Sie eine Ausbildung zum „Staatlich Geprüften Kaufmännischen Medienassistenten“ absolvierten. Was kann man damit anfangen?

Cantz: Zum Beispiel in der Produktionsleitung arbeiten und Kalkulationen für Filme oder Fernsehformate erstellen.

Wie und wann kamen Sie dazu, im Karneval aktiv zu werden?

Cantz: Mein Papa ist Schwabe und ist da, wo er herkommt, früher im Karneval aufgetreten. Das hat er dann auch im Rheinland weitergemacht. Als ich 16 war, bin ich das erste Mal mitgegangen. Im Oktober 1991 hatte ich meinen ersten großen Auftritt, im Saaltheater Geulen, im Aachener Stadtteil Eilendorf, vor 1000 Leuten, später war ich da noch oft. Der alte Herr Geulen, der das Theater betrieben hat, war eine Legende. Der Udo Jürgens, der fuhr da immer hin.

Wie war diese Feuertaufe?

Cantz: Ganz süß. Aus der Rückschau würde ich sagen: „Ich war wahnsinnig cool“ – obwohl ich das wahrscheinlich gar nicht war. Ich hatte einen Text über Jecke zusammengestellt, Leute nachgemacht und parodiert…

Hatten Sie Lampenfieber?

Cantz: Ein Conférencier hat mir einen alten Trick verraten. Man muss sich auf die Zunge beißen. Samstags, sonntags bin ich dann in Köln im Sartory vor 3400 Zuschauern aufgetreten – und dachte: „Hey, das ist ja einfach, das ist ja toll – die mögen mich!“ Bis heute spüre ich vor einem neuen Programm eine gewisse Anspannung, aber ich gehöre nicht zu denen, die vor Lampenfieber sterben. Mit den Jahren entwickelt sich ein Gespür, ein Stück weit ist das Handwerk, Sachen so zu schreiben, dass sie ankommen, und das weiß man.

Wo kommen die Ideen dafür her?

Cantz: Man liest was und hat eine lustige Assoziation dazu, viele Sachen habe ich auch selbst erlebt – und das bewirkt, glaube ich, dass die Trefferquote bei den Sachen, die ich bespaße, relativ hoch ist. Der Karneval hatte ja auch den Vorteil, dass es da Veranstaltungen gibt, wo nur Frauen sitzen und welche, in denen nur Männer sind. Da weiß man, welches Geschlecht wie tickt. Es ist immer wichtig, zu wissen, wer vor einem sitzt. Und dass man weiß, wo man auftritt. Ich bereite mich immer für jeden Ort extra vor und versuche, das mit aktuellen Ereignissen aufzufüllen. Seit 13 Jahren arbeite ich auch mit einem sehr guten Autor zusammen.

Und was ist sonst noch wichtig, um gute Gags zu bringen?

Cantz: Man muss nachvollziehbar und glaubhaft bleiben. Ich zum Beispiel bin ein Mann über 40 – und da kann ich selber über Ü40 Gags lachen. Man muss nah bei den Menschen sein, muss wissen, worüber sich Deutschland gerade aufregt. Man kann auch mal böse sein und mal richtig frech – aber nicht den ganzen Abend.

Haben Sie als Comedian Vorbilder?

Cantz: Da gibt es so viele tolle Kollegen. Als Kind stand ich total auf den Otto Waalkes – der war ganz groß. Ich hatte auch eine Platte von Jürgen von Manger und den Heinz Erhardt, den fand ich auch klasse.

Als Sie im Karneval als „Der Mann für alle Fälle“ unterwegs waren, hatten Sie noch rote Haare…

Cantz: Dass die so aussehen, wie sie jetzt aussehen, geht auf eine Wette zurück. Vor einem Skiurlaub saßen wir mit sechs, sieben Jungs zusammen und haben beschlossen, uns alle blond zu färben: „Damit fallen wir im Skiurlaub bestimmt auf.“ Das war so zu der Zeit, als das mit dem Fernsehen bei mir gerade losging. Und dann wurde das zu meinem Markenzeichen – „Da ist so´ n blonder Typ, der über Porz redet“. Jetzt renne ich alle vier Wochen zum Friseur, … Lustigerweise ist mein Sohn von Natur aus strohblond.

Wie kam es, dass Sie Nachfolger von Frank Elstner bei „Verstehen Sie Spaß?“ wurden?

Cantz: Als die Frage aufkam, hab´ ich gesagt: „Also ich würd´s machen!“ „Nee“, kam die Antwort, „dafür bist du nicht der Richtige!“ Und dann die Frage, warum ich glaube, dass ich der Richtige bin. „Weil ich die Sendung kenne, weil ich live-fit bin und einer bin, der sich mit Humor beschäftigt“. Als der Anruf kam, dass ich´Telefonmachen soll, hab´ ich es trotzdem erst mal nicht glauben können.

Da war natürlich eine Menge Ehrfurcht mit im Spiel, ich hab´ das als Kind geguckt. Da war ich dann doch sehr nervös. Ich hab´ trotzdem versucht, was Neues einzubringen, Sachen anders zu machen. Wir haben ein Sofa ins Studio reingestellt, neue Rubriken eingeführt. Inzwischen, im 7. Jahr, schauen das sehr, sehr viele junge Leute.

Verraten Sie uns vorab etwas über ihr „Blondiläum“-Programm? Wird das ein „Best Of“ aus allen Ihren bisherigen Programmen? Oder eher eine Art Bilanz?

Cantz: Sowohl als auch. Ein paar Nummern aus den bisherigen Programmen werden dabei sein – aber die waren auch echt lustig (grinst). Aber auch jede Menge neue Nummern, die davon handeln, was sich in den letzten 25 Jahren verändert hat. Sachen, die man früher drinnen gemacht hat – trinken oder telefonieren – die macht man jetzt draußen.

Und kein Mensch benutzt mehr Falkpläne, um den Weg zu finden. Es wird auch persönliche Bezüge geben, bei denen es um Veränderungen geht. Wenn du ein Kind hast, hast du eine ganz andere Haltung. Mein Sohn geht jetzt zur Schule, da werden andere Dinge wichtiger.

War das schwierig für Sie, vom Karnevalsredner zum Solo-Comedian zu werden?

Cantz: Als ich mit den Soloprogrammen angefangen habe, wusste ich anfangs gar nicht, wie man das macht. Und dann habe ich gemerkt, wie toll das ist, einen ganzen Abend zusammen mit Leuten was zu erleben. Es gibt Menschen, die ich seit 25 Jahren aus dem Karneval kenne – die kommen hinterher zu mir und sagen: „Mensch, Guido, ich wusste ja gar nicht, dass du Klavier spielst.“

Am 23. November treten Sie in Rothe Erde auf. Kommen Sie noch oft nach Aachen?

Cantz: Da bin ich regelmäßig. Die Aachener sind ein Publikum, das gut zuhört, da ist die Aufmerksamkeit sehr hoch. Das ist ganz anders als anderswo. Im Januar war ich bei der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ als Gast eingeladen. Da kommen dann Karneval und Comedy wieder zusammen. Im Juli habe ich an der Eröffnungsveranstaltung des CHIO teilgenommen und als Repräsentant von Unicef einen Scheck des Aachener Zeitungsverlags entgegen genommen. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert