Düren - Grüngürtelschule: „Hipp, hipp, hurra auf die Köchin!“

Grüngürtelschule: „Hipp, hipp, hurra auf die Köchin!“

Von: Sandra Kinkel
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Köche mit Leib und Seele: Lothar Häuser, Türkan Sen und Gisela Penugaow (von links) bereiten jeden Mittag das Essen für die 50 Kinder der Offenen Ganztagsschule im Dürener Grüngürtel frisch zu. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Knapp 1000 Essen bereiten Lothar Häuser, Türkan Sen und Gisela Penugaow im Schnitt jeden Monat zu. Tomatensuppe mit Käsewürfeln und Sahnehäubchen, Wirsing mit Gnocchi, Kassler und Pfannkuchen stehen genauso auf dem Speiseplan wie Gemüsesuppe und Backfisch.

Lothar Häuser, Türkan Sen und Gisela Penugaow kochen für die rund 50 Kinder der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Dürener Grüngürtelschule. Und das jeden Mittag frisch.

Die OGS der Grüngürtelschule ist in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) – wie 24 andere Offene Ganztagsgrundschulen im Kreis Düren auch. „Die Grüngürtelschule“, sagt SkF-Fachberater Thomas Kroth, „ist die einzige OGS bei uns, in der immer frisch gekocht wird.“ Der Grund ist schnell erklärt: Allein die räumlichen Voraussetzungen, die eine OGS zum Selberkochen mitbringen muss, sind sehr hoch. Kroth: „Die Schule muss beispielsweise eine Küche mit Industriespülmaschine haben. Und das ist natürlich längst nicht überall der Fall.“

Unglücklich mit dem Caterer

An der Grüngürtelschule gibt es so eine Küche, vor allem gibt es aber mit Gisela Penugaow, die auch die Leiterin der OGS ist, und ihrem Team engagierte Leute, denen die gesunde Ernährung der Grundschüler sehr am Herzen liegt. „Wir haben anfangs das Schulessen auch von verschiedenen Caterern bekommen“, sagt Gisela Penugaow, „Zum einen waren wir damit nicht wirklich glücklich, zum anderen war es uns immer schon sehr wichtig, möglichst frisches und gesundes Essen zu servieren. Deswegen haben wir uns entschieden, selbst zu kochen.“

„Das war ein sehr mutiger Schritt“, sagt die kommissarische Schulleiterin Ingrid Rehbach-Louk. Nicht zuletzt, weil viele Auflagen zu erfüllen waren. „Die Mitarbeiter“, sagt Rehbach-Louk, „sind natürlich geschult worden. Es hat Hygienefortbildungen gegeben, aber auch Fortbildungen mit einer Ernährungsberaterin.“ Außerdem führt das Veterinäramt des Kreises regelmäßig Lebensmittelkontrollen durch. Klar, dass Gisela Penugaow, Lothar Häuser und Türkan Sen viele eigene Erfahrungen machen mussten.

Ehemaliger Schüler kocht mit

Lothar Häuser, der übrigens im Dürener Grüngürtel groß geworden und selbst die Grüngürtelschule besuchte, hat jahrelang in der Gastronomie gearbeitet, ist aber kein ausgebildeter Koch. Und Türkan Sen hat die angefangene Ausbildung zur Hotelfachfrau nicht abgeschlossen. „Wir kannten uns anfangs mit den Mengen überhaupt nicht aus“, erzählt Häuser. „Mittlerweile wissen wir aber, dass wir beispielsweise fünf Kilogramm Nudeln brauchen, aber nur vier Kilogramm Reis.“ Neben dem warmen Mittagessen bekommen die Grüngürtel-Schüler zwischendurch frisches Obst und Gemüse, außerdem gibt es kostenloses Mineralwasser.

Pro Tag und Kind darf die Verpflegung nicht mehr als drei Euro kosten. Das ist das, was die Eltern für das Schulessen zahlen. „Natürlich ist das eine Mischkalkulation“, sagt Gisela Penugaow. „Aber eine, die funktioniert.“ Auch deshalb, weil die OGS-Leiterin haltbare Lebensmittel immer dann kauft, wenn es Sonderangebote gibt, und darüber hinaus sehr stark auf regionale und saisonale Produkte setzt. „Wir kaufen eigentlich jeden Tag ein“, sagt Gisela Penugaow. „Das ermöglicht uns auch, den Speiseplan kurzfristig zu ändern.“ Zum Beispiel, wenn es plötzlich heiß ist und Gemüsesuppe einfach nicht passt.

Grundsätzlich haben auch die OGS-Schüler Mitspracherecht, was ihren Speiseplan angeht. „Es gibt Kinderkonferenzen“, sagt Lothar Häuser, „bei denen wir mit den Kindern auch über das Schulessen sprechen. Und es kommt immer wieder vor, dass Kinder zu uns kommen und sagen, was sie gerne noch einmal essen würden.“

Klar, gibt es auch in der OGS manchmal Sachen, die bei den Schülern nicht so gut ankommen. „Fisch ist zum Beispiel nicht so beliebt“, sagt Ingrid Rehbach-Louk. „Trotzdem gibt es regelmäßig welchen. Unser Ziel ist ja auch, den Geschmack der Kinder zu schulen und zu erweitern.“ Viele würden das Essen in Gemeinschaft mit den anderen Kindern genießen. „Und weil alles in Schüsseln auf den Tisch kommt, kann man sich ja von den Sachen, die man lieber mag, ein bisschen mehr nehmen.“

Ab und zu dürfen die OGS-Kinder auch beim Kochen helfen oder bei der Einkaufstour zum Dürener Wochenmarkt dabei sein. Lothar Häuser: „Wir haben mit den Kindern einmal Pommes frites selbst gemacht. Ein Mädchen war ganz erstaunt, dass die aus Kartoffeln sind und nicht in Plastiktüten in der Tiefkühltruhe entstehen.“

Thomas Kroth ist überzeugt, dass das gemeinsame Kochen bei den Kindern sehr viel bewirkt. „Wenn ich Kinder in den anderen Offenen Ganztagsschulen nach ihrem Lieblingsessen frage, höre ich ganz oft ‚Nudeln‛ und ‚Pizza‛. Hier ist das nicht so. Hier essen die Kinder auch sehr gern Gemüse und Salat.“

Einziger Nachteil zum Caterer: In der Grüngürtelschule gibt es mittags nur ein Gericht, eine wirkliche Auswahl haben die Jungen und Mädchen nicht. Gisela Penugaow: „Wir kochen zwar immer ein vegetarisches Essen und nehmen auch auf unsere muslimischen Kinder Rücksicht, wenn Schweinefleisch auf dem Speiseplan steht. Aber in der Regel gibt es nur ein Gericht. Alles andere könnten wir nicht bewältigen. Das Kochen ist auch so für uns schon eine riesige Herausforderung.“

„Das ist hier mein Viertel“

Aber eine, die Spaß macht. Und darauf legen Türkan Sen, Lothar Häuser und Gisela Penugaow besonderen Wert. „Um jeden Mittag für so viele Kinder kochen zu können, braucht es jede Menge Herzblut“, sagt Lothar Häuser. „Aber das ist hier mein Viertel. Mit den Großeltern der meisten Kinder bin ich früher zur Schule gegangen. Für mich ist das hier in der OGS wirklich ein Traumjob.“

Vielleicht auch deshalb, weil von den kleinen Essern unglaublich viel Dank zurückkommt. Türkan Sen: „Vor ein paar Tagen habe ich Pellkartoffeln mit Quark und zum ersten Mal zusätzlich mit selbst gemachter Kräuterbutter gemacht. Das hat den Kindern so gut geschmeckt, dass ich ein lautes ‚Hipp, hipp, hurra! auf die Köchin‘ bekommen habe. Das ist einfach schön.“

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