Grünenthal trennt sich von Geschäftsführer Stock

Von: Marlon Gego
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Zurückgetreten: Harald Stock hat den Vorsitz der Konzerngeschäftsführung des Aachener Pharmakonzerns Grünenthal niedergelegt. Archivbild: dpa

Aachen. Der Aachener Pharmakonzern Grünenthal hat sich von seinem Geschäftsführer Harald Stock getrennt. Nach Informationen unserer Zeitung hat das Unternehmen auf Druck von Mitarbeitern und Beirat damit die Konsequenzen aus einer jahrelangen Führungskrise und einer wenig zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung gezogen.

Grünenthal selbst erklärte am Mittwoch lediglich, Stock sei zurückgetreten. Nach seinem Antritt 2009 hatte Stock prognostiziert, Grünenthal werde bis 2015 etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich umsetzen. Von diesem Ziel ist der im Eigentum der Stolberger Familie Wirtz befindliche Konzern derzeit weit entfernt. Mitte Mai hatte Grünenthal bekanntgegeben, 2012 rund 973 Millionen Euro umgesetzt zu haben.

Stock ist der erste Grünenthal-Geschäftsführer, der nicht aus dem Kreis der Eigentümer stammt, über seinen Stil haben sich viele Mitarbeiter von Beginn an beschwert. Der Betriebsratsvorsitzende, Karl-Josef Matthias, hatte in einem Brief an Eigentümer und Beirat Ende 2010 geschrieben, dass Stock das Familienunternehmen führe und umbaue wie eine US-amerikanische Aktiengesellschaft.

Die Rede war von „Misstrauen und Existenzangst“, die Angestellten fühlten sich „wie in einer Aktiengesellschaft (…), in der skrupellos Menschen in den Ruin geschickt werden“. Grünenthal-Sprecher Frank Schönrock bezeichnete diese Darstellung auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwoch als „Spekulation“, die er nicht bestätigen könne. Betriebsratsvorsitzender Matthias sagte am Mittwoch, dass unter Stock nicht alles schlechter geworden sei.

Er lobte „mehr Transparenz“ und „keine Entscheidungen mehr nach Gutsherrenart“, wie sie noch unter Führung der Familie Wirtz an der Tagesordnung gewesen wären. Ausdrücklich hob er auch das „unter Stock eingeführte Bonussystem für Mitarbeiter aller Ebenen“ hervor.

Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Stocks Stellvertreter Eric-Paul Pâques die Geschäfte führen. Er soll insbesondere die Kräfte des Unternehmens auf die als zukunftsträchtig geltenden Märkte in Lateinamerika konzentrieren, ein Ziel, das Stock nicht wie gewünscht hatte umsetzen können.

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