Grünenthal streicht 195 Stellen

Von: hjd
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Das neue Bürogebäude von Grünenthal in der Ziegelstraße soll das Tor zum Campus des Pharmakonzerns in Eilendorf sein. Foto: H. Lachmann

Aachen. Dass die Stimmung am Montag bei der Mitarbeiterversammlung sehr gedrückt war, dürfte niemanden überraschen. Es war aber auch ein kräftiger Schlag ins Kontor, den die Geschäftsführung des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal den Mitarbeitern zu verkünden hatte.

195 Stellen sollen bis Endes des Jahres abgebaut werden. Und die in erster Linie in einem Bereich, der bei Grünenthal immer als besonders zukunftsträchtig galt: Forschung und Entwicklung, angesiedelt auf dem Campus in Aachen-Eilendorf.

Von den 195 betroffenen Stellen fallen 164 auf diesen Bereich. Die übrigen 31 Stellen werden in fast allen anderen Unternehmensbereichen abgebaut. „Derzeit gibt es 666 Stellen in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Wenn die nun auf 502 reduziert werden sollen, wird klar, wie heftig der Einschlag ist“, sagte Karl-Josef Matthias, Betriebsratschef bei Grünenthal, am Montag nach der Mitarbeiterversammlung gegenüber unserer Zeitung. Zu einem Drittel seien hoch qualifizierte Mitarbeiter mit einem Hochschulabschluss betroffen, zu zwei Dritteln Laboranten und Chemikanten. Insgesamt beschäftigt Grünenthal derzeit in Deutschland rund 1900 Mitarbeiter.

Betriebsbedingte Kündigungen will das Unternehmen vermeiden. So erhalten Mitarbeiter, die bereit sind, das Unternehmen zu verlassen, ein „finanziell wirklich attraktives Angebot“, wie auch Betriebsratschef Matthias am Montag erklärte. Außerdem werden Altersteilzeitlösungen angestrebt. Freie Stellen werden derzeit nicht nachbesetzt. Dieses Programm läuft bis Ende März, danach will die Geschäftsführung in Abstimmung mit dem Betriebsrat das weitere Vorgehen planen. Matthias sagte, bis zur Mitarbeiterversammlung hätten sich bereits 71 Kollegen und Kolleginnen auf das Angebot einer Abfindung gemeldet. Er selbst hofft, dass es nun noch mehr werden.

Nach Angaben der Geschäftsführung wird vor allem im Bereich der frühen klinischen Forschung gekürzt. Hintergrund des Stellenabbaus sei eine „rückläufige Umsatzentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr“, bedingt durch einen „sich erneut verschärfenden Wettbewerb und weitere regulatorische Rahmenbedingungen“. Konkrete Zahlen konnte Unternehmenssprecher Frank Schönrock gegenüber unserer Zeitung nicht nennen, da diese noch von den Wirtschaftsprüfern unter die Lupe genommen würden. Matthias wird da konkreter. Grünenthal habe im abgelaufenen Jahr rote Zahlen geschrieben, auf rund 60 Millionen Euro nach Steuern habe die Geschäftsführung das vorläufige Minus taxiert.

Man wolle sich im Bereich der präklinischen Forschung auf einzelne Projekte konzentrieren und ansonsten vor allem „marktnähere Projekte aus der eigenen Forschung und aus Einlizensierung“ zur Marktreife bringen, teilte das Unternehmen mit. Höhere Investitionen in den Bereich Forschung und Entwicklung seien wieder für 2017 geplant. Statt der von der Konzernleitung immer wieder avisierten 300 Millionen Euro pro Jahr werden es in den Jahren 2014, 2015 und 2016 wohl nur 170 Millionen sein. „Das ist eine tiefe Delle, die wir durchschreiten müssen. Die Alarmglocken schrillen allerdings noch nicht“, konstatiert der Betriebsratschef. Er bemängelt allerdings sehr deutlich, dass die Strategie der Geschäftsführung (Konzentration auf Schmerzmittel und neue Märkte vor allem in Lateinamerika) keine Früchte getragen habe. „Man hätte schneller agieren und vor allem investieren müssen.“

Es wird noch verhandelt

Das Aachener Familienunternehmen kommt mit dieser Entwicklung weiter nicht zur Ruhe. Erst im Mai hatte Vorstandschef Harald F. Stock seine Funktionen „niedergelegt“ – wohl auch, weil sich der Umsatz nicht so entwickelt hatte, wie er es selbst immer prognostiziert hatte. Nachfolger wurde Professor Eric-Paul Pâques. Unter Stock war Ende 2010 der Abbau von 180 Stellen bis 2013 verkündet worden. 141 Mitarbeiter waren betroffen. Ursprünglich sollten es sogar 360 Vollzeitstellen sein. Der Mitarbeitervertretung gelang es damals in zähen Verhandlungen, diese Zahl noch nach unten zu schrauben. Auch demnächst wird wieder verhandelt zwischen Chefetage und Betriebsrat: Ende März/Anfang April, wenn klar sein wird, wie viele Mitarbeiter sich auf das Abfindungs-Angebot der Firmenleitung gemeldet haben.

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