Grüne: „Die Bahn sägt an einer beliebten Ost-West-Achse”

Von: Stefan Herrmann
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Der Bahn die rote Karte zeigen: Mit einer Unterschriftenaktion werben die grünen Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius (links) und Oliver Krischer (Mitte) um Unterstützung bei Fahrgästen. Foto: Stefan Herrmann

Aachen/Düren. Droht Aachen, den Anschluss ans nationale wie internationale Hochgeschwindigkeitsnetz zu verlieren? Die Bahn plant, zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember die direkte ICE-Verbindung zwischen Aachen und Berlin zu kappen. Und das gerade mal ein gutes Jahr nach ihrer Einrichtung.

„Wir fühlen uns für dumm verkauft”, sagen die grünen Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius (Städteregion Aachen) und Oliver Krischer (Kreis Düren).

Kein guter Umgang mit Kunden

Am Freitag sammelten sie Unterschriften an den betroffenen Bahnhöfen in Aachen und Düren. „Um die bisherige Verbindung beizubehalten, um die Schiene auch weiterhin als attraktive und tägliche Alternative zum Pkw zu erhalten”, wie die Politiker sagen. Die Aussichten auf kurzfristigen Erfolg sind eher gering. Trotzdem wollen sie einen ganzen Unterschriften-Stapel Ende November an Verkehrsminister Peter Ramsauer übergeben. „Um zu zeigen: So geht man nicht mit Kunden um”, formuliert es Krischer.

2009 versprach die Bahn, bei entsprechender Resonanz das ICE-Angebot Aachen-Berlin zu bewahren. Mehr noch: Sollte die Auslastung gut sein, werde man sogar über einen Ausbau der Verbindung nachdenken. Bisher fährt von Aachen täglich ein ICE um 7.40 Uhr - unter anderem mit Halt in Düren - in die Bundeshauptstadt. „Auf Nachfrage bestätigte die Bahn uns, die Fahrgastzahlen wären zufriedenstellend, die Erwartungen wären sogar übertroffen worden”, sagt Krischer. Trotzdem nun die Kehrtwende. Die Grünen-Politiker vermuten, dass hier ein Wahlkampfgeschenk aus dem Jahr 2009 flugs wieder abgeschafft wird. „Damals ließen sich mit Einrichtung der ICE-Verbindung einige Herren in der Region ordentlich feiern”, erinnert sich Krischer.

Einen triftigen Grund, warum die Direktverbindung Aachen-Berlin geopfert wird, haben Herlitzius und Krischer von der Bahn nicht genannt bekommen. Hier verweist man auf die zusätzliche ICE-Alternative Brüssel-Aachen-Köln-Frankfurt, die ab Dezember einmal pro Tag mehr fährt. Düren bleibt dabei aber ganz auf der Strecke, Aachen verliert eine schnelle Direktverbindung. Damit werde eine wichtige europäische Ost-West-Achse durchgesägt, kritisiert Herlitzius. Das positive Signal des Vorjahres schlägt nun ins Gegenteil um. Für Pendler wie Urlaubsreisende werden die Bahnhöfe Aachen und Düren bald unattraktiver, zumal es auch über eine Abschaffung des „Pendler-Waggons” am Thalys Spekulationen gibt.

Zahlreiche Unterzeichner

Aus den Reihen der Bahnkunden erhalten Herlitzius und Krischer bisher viel Unterstützung. Zahlreiche Pendler am Hauptbahnhof trugen sich am Freitag in die Listen ein. Für Fahrgast Bernd Stollewerk aus Roetgen ist die Politik der Bahn seit Jahren eine Farce. „Die Autobahnen sind so voll, weil die Zugverbindungen so schlecht sind”, wettert er. „Man wird regelrecht dazu animiert, den Pkw zu nehmen.” Die Grünen-Politiker Herlitzius und Krischer wollen möglichst viele Leute, Verbände, Institutionen aus der Region mit ihrer Aktion erreichen.

„Die Bahn muss zu einer anderen Geschäftspolitik kommen”, fordert Herlitzius. Eine bessere Vernetzung der Metropolen dürfe nicht einseitig zu Ungunsten der Regionen und mittelgroßen Zentren gehen, sagt sie. Bahnchef Grube müsse merken, dass sich Widerstand nicht nur bei Großprojekten wie Stuttgart 21 formiere, ergänzte der Dürener Bundestagsabgeordnete Krischer abschließend, bevor er in den Regionalexpress Richtung Düren einstieg. Ein Umstand, an den er sich womöglich gewöhnen muss. Die ICE-lose Zeit zwischen Aachen, Düren und Berlin beginnt am 12. Dezember.
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