Großveranstaltungen: Ein Kirmesbesuch für die Forschung

Von: Sarah Maria Berners
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„Wie geradlinig bewegen sich die Menschen auf dem Kirmesplatz? Wie schnell finden sie einen Notausgang?“ Diesen und anderen Fragen gehen Forscher noch heute und morgen auf der Annakirmes nach. Foto: Sarah Maria Berners
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Aufgabe: Diese Familie sollte im Auftrag der Forschung auf dem Platz einen Polizisten suchen.

Düren. Die Übung klingt leicht: Mit einem GPS-Gerät und einer kleinen Kamera in der Hand sollen sich zwei junge Mädchen auf dem Annakirmesplatz auf die Suche nach dem nächsten Notausgang machen. Christian Franken hat die großen grünen Notausgangsfahnen längst im Blick. Sie sind gar nicht weit entfernt – und doch dauert es lange, bis die Mädchen mit dem GPS-Gerät dort ankommen.

Christian Franken von der Universität Siegen und seine Kollegen sind im Dienste der Wissenschaft auf dem großen Volksfest an der Rur – und sie setzen auf die Mitarbeit der Kirmesbesucher. „Wir wollen herausfinden, wie geradlinig die Menschen sich bewegen. Wie agieren sie in dichtem Gedränge? Welche Schilder haben sie im Blick?“, erklärt Toni Eichler vom Institut für Medienforschung.

Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen wollen sie einen Beitrag dazu leisten, Großveranstaltungen sicherer zu machen, damit sich Ereignisse wie auf der Loveparade vor drei Jahren nicht wiederholen. Und dieses Argument zieht auch bei den Kirmesbesuchern. Die Arbeit der Siegener ist Teil des Forschungsprojektes „Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“ (Basigo).

„Großveranstaltungen müssen im Fluss gehalten werden“, erklärt der Leiter des Instituts, Gebhard Rusch. Kritische Zonen müssen vermieden werden. Dafür sei die Kommunikation ganz entscheidend. Und die nehmen die Wissenschaftler unter die Lupe: Sie untersuchen die Kommunikation der Organisatoren, also beispielsweise die zwischen Feuerwehr und Schaustellern, ebenso wie die Kommunikation mit dem Besucher – und dazu zählen auch Internetseiten und Beschilderungen, Übersichtspläne und Einträge in Sozialen Netzwerken. Alles eben, was den Ablauf einer Veranstaltung beeinflusst. Außerdem gibt es Befragungen zum Sicherheitsempfinden.

Nicht den Annakirmesplatz, sondern die umliegenden Straßen und Parkplätze haben die Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal im Blick. „Bei der Annakirmes haben die Veranstalter über viele Jahre Erfahrungen gesammelt. Wir wollen daraus Erkenntnisse gewinnen, die dann helfen, wenn eine Veranstaltung zum ersten Mal stattfindet“, erklärt Anne Timmermann.

Um Wissen über die Besucherströme zu erlangen, haben die Wuppertaler Wissenschaftler Zeitkarten verteilt, mit deren Hilfe sie erfassen, mit welchem Verkehrsmittel die Leute anreisen, wann sie kommen und gehen. So erfahren die Forscher, zu welchen Zeiten sich die Menschen am Eingang „knubbeln“. „Auch dann müssen die Zuwege breit genug sein“, betont Schwedler und erinnert an die Bilder der Loveparade in Duisburg.

Darüber hinaus sammeln die Wissenschaftler Informationen, zu welchen Uhrzeiten man bei Veranstaltungen mehr Busse, mehr Züge oder mehr Parkplätze braucht. Aber nicht nur nah am Platz betreiben die Wuppertaler Feldforschung.

An ihren zwei Forschungstagen positionieren sie Kameras an 16 Punkten in Düren, um Autos und Personen zu zählen und den Verkehrsfluss zu betrachten. „Damit wollen wir die Kapazitäten der Knotenpunkte überprüfen“, erklärt Schwedler. Die Daten sollen später in Simulationen fließen.

Der Verkehr sei zum einen organisatorisch relevant, könne aber auch Auswirkungen auf die Sicherheit haben. Zum Beispiel, wenn es auf einer Strecke wegen eines Unfalles Stau gibt. Dann würde der Bereich umfahren, andere Parkplätze würden angesteuert und an bestimmten Eingängen könnte es eng werden.

„Ein einzelnes Ereignis hat nicht unbedingt starke Auswirkungen. Aber wenn mehrere kleine Ereignisse zusammenkommen, kann das schon anders aussehen“, sagt Timmermann. „Mit unserer Forschung wollen wir die Wahrscheinlichkeit, dass viele negative Faktoren zusammenkommen minimieren.“ Nach der Kirmes beginnt die Auswertung der Daten. Mit ersten Ergebnissen ist gegen Jahresende zu rechnen.

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