Großvater Blüm hat Hausaufgaben gemacht

Von: Susanne Schramm
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Präsentierten die Dokumentation in einer Vorab-Vorführung (v.l.): Adrian Lehnigk vom WDR, der frühere Politiker Norbert Blüm und der Filmemacher Ravi Karmalker am Donnerstag in Köln. Foto: Thomas Brill

Köln. Nach 45 Minuten Film ist eins sicher: „Wenn meine Enkel so alt sind, wie jetzt ich, dann sieht die Welt ganz anders aus!“ Im Auftrag von Lili, Malou, Franka, Linus, Felice und Gilbert hat Norbert Blüm (79) ein Jahr lang recherchiert und sich auf Reisen durch die Republik begeben.

Begleitet vom preisgekrönten Filmemacher Ravi Karmalker (50) wollte der Mann, der 16 Jahre lang als Bundesarbeitsminister die Geschicke des Landes mitbestimmt hat, wissen, welche Zukunft den Töchtern und Söhnen seiner Kinder bevorsteht.

„Was soll ich meinen Enkeln sagen? Dass es schon irgendwie gut gehen wird? Mit dem billigen Trost werden sie sich nicht abspeisen lassen! Was erwartet sie? Paradies? Apokalypse? Himmel oder Hölle? Oder irgendwas dazwischen?“, grübelt Blüm am Anfang der Dokumentation, die am Freitag im Fernsehen um 23.15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird, und den Titel „Im Auftrag meiner Enkel“ trägt. Um selbstkritisch anzufügen: „Ich komme mir vor, als hätte ich meine Hausaufgaben nicht gemacht!“ Die holt der rundliche Bonner mit dem rosigen Apfelgesicht nun nach. Auf seinen Zetteln mit möglichen Themen stehen Fragen nach Klimawandel, Geld und Solidarität in der Bevölkerung. Auch die Rente steht drauf, aber die bekommt im Film dann leider doch keine Extrasequenz.

In Hamburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf oder Essen spricht „Opa Blüm“ mit Umweltforscher Prof. Michael Braungart, Ex-Profikicker Oliver Roth, der jetzt Börsenmakler ist, mit Designerin Claudia Roth, Reeder Peter Krämer, Philipp Hauschild, der als „Food­sharer“ (Essensteiler) ein Jahr lang ohne Geld gelebt hat, Attac-Aktivist Boris Lohheide, Jost Reinert, der „Rheingold“ als zusätzliches Zahlungsmittel zum Euro mit eingeführt hat und Thyssen-Krupp-Chef einrich Hiesinger.

Man sieht Blüm, wie er mit seinen Gesprächspartnern am Hafen, in der Firmenlobby oder im Nobel-Restaurant sitzt, wie er mit jungen Leuten im Zug-Bistro Bier trinkt, mit Hauschild eine Banane aus der Mülltonne fischt und sie vor laufender Kamera verspeist oder sich mit Lohheide beim Tofubraten in dessen Küche in einen heftigen Disput einlässt: „Agenda 10 wär‘ mit mir nie gelaufen!“ „Das sagen Sie jetzt! Sie haben den Weg bereitet!“ „Wir haben die Pflegeversicherung eingeführt!“ „Und uns dafür den Buß- und Bettag weggenommen!“ Aber weil er eigentlich als „Couchsurfer“ bei dem Kölner zu Gast ist, nächtigt er trotzdem auf der bereit gestellten Luftmatratze.

Die Kamera bleibt die ganze Zeit dicht dran, gewährt auch Einblicke ins Blüms Privatleben. Manche seiner Gesprächspartner entlarven sich selbst. Wie die Mode-Millionärin Obert, die erst sagt „Ich bin ja nicht wirklich reich“, um später erbost auszurufen „Ich hab‘ letzte Woche 40.000 Euro Umsatzsteuer bezahlt!“. Anderen zollt man Respekt. Wie dem Hamburger Reeder, der auch Millionär ist, aber für seinesgleichen höhere Abgaben an den Staat verlangt und Menschen, die weniger haben, unterstützt.

Die schlagfertige Art

Der gut gemachte Film lebt nicht nur von den acht sehr verschiedenen Interviewpartnern, sondern auch von Blüms schlagfertiger Art – die er auch nach der Vorab-Filmvorführung in Köln an den Tag legt. „Wieso wird der Film erst so spät gezeigt?“, fragt ein Journalist. „Damit er nicht so viel gesehen wird!“

Auch zum Thema Rente und zum Generationenvertrag hat der Großvater anschließend noch etwas zu sagen: „Ich halte die demografische Komponente für völlig überschätzt. Es kommt darauf an, wie viele Leute arbeiten und wie produktiv die sind.“

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