Großes Kino: Zeche bringt wieder Kohle

Von: Robert Esser
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Hückelhoven. Seitdem Schicht im Schacht ist, muss die Kohle woanders herkommen. Das hat man in Hückelhoven schnell begriffen, als 1997 die letzte Lore mit schwarzem Gold aus dem Steinkohlebergwerk „Sophia-Jacoba” gefördert wurde.

Jetzt fördert man an selber Stelle, direkt am „Schacht 3”, kulturelle Projekte - viel extremer als viele andere. „Wir sind immer noch im Strukturwandel”, sagt Bürgermeister Bernd Jansen.

„Natürlich forcieren wir Unternehmensansiedlungen. Wir bemühen uns aber gleichzeitig um ein überdurchschnittlich attraktives Kulturprogramm - damit die Menschen hier gerne leben.”

Von „weichen Standortfaktoren” ist dann die Rede. Und von harten Zahlen: „Heute zählen wir mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze als vor der Zechenschließung”, rechnet der Bürgermeister vor.

Die Arbeitslosenquote sank von 14 auf 8 Prozent. „Studien zeigen, dass unsere Geschäftszentren und Freizeitangebote eine verloren geglaubte Kaufkraft von 40 Millionen Euro zurück nach Hückelhoven geholt haben.”

Der Haushalt ist ausgeglichen. So wird das zuweilen kostspielige Kulturkonzept nicht als Belastung, sondern als Belebung verstanden. Zum Beispiel bei der „2. Hückelhovener Autokinonacht”, die am Freitagabend ab 21 Uhr die Neuverfilmung des 70er-Jahre-Klassikers „Vorstadtkrokodile” auf einer 18 mal 8 Meter großen Leinwand zeigt.

Das passt, weil die meisten Szenen des Films tatsächlich in Hückelhoven gedreht wurden. Ab 23 Uhr gibt´s den Actionreißer „Fast and Furios”.

Schon beim Debüt im Vorjahr rollten 1300 Autokinofans auf das Zechengelände. Nun gilt man als einer von kaum zwei Dutzend Autokinostandorten in ganz Deutschland. Das soll sich bezahlt machen. Am Samstag laufen „Ice Age 3” und Tom Hanks in „Illuminati”.

Licht und Prominente lockt Hückelhoven, das nur 10.200 Bürger zählt und erst mit allen Randorten auf 40.000 Einwohner kommt, immer wieder.

Zuletzt strömten Tausende zur imposant illuminierten „Kunst auf der Halde”. Als überdachter Veranstaltungsort ist indes die „Aula” mit etwa 750 Plätzen gefragt: „Vor dem Bau der Kölner Philharmonie spielte hier wegen der perfekten Akustik regelmäßig das WDR-Rundfunkorchester”, sagt der Bürgermeister.

Jetzt ist die „Aula”, vor drei Jahren frisch renoviert, bei Publikum und Tourneeveranstaltern beliebt - „weil wir eine viel günstigere Saalmiete als größere Städte verlangen”.

Die Großen des Showgeschäfts schauen trotzdem vorbei. 2003 kam Thomas Gottschalks „Wetten, dass...” zum Schacht 3. 7000 Menschen vor Ort und Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Außenwette mit dem spektakulären Autoreifenwechsel in luftiger Höhe.

Es geht aufwärts: nicht nur mit den Führungen, die der unermüdliche „Förderverein Schacht 3” durch das Industriedenkmal anbietet. Hückelhoven plant jetzt einen kulturellen Freizeitpark auf dem weitläufigen Schachtgelände. Die „Kohle” soll ein Investor in die Bergbaumetropole bringen.
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