Aachen - Großes Interesse: Über 500 Zuhörer beim AZ-Forum Medizin

Großes Interesse: Über 500 Zuhörer beim AZ-Forum Medizin

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Arme nach hinten drehen, Brustkorb weiten: Beim AZ-Forum Medizin zum Thema „Gefahr: Herzinfarkt und Schlaganfall“ konnten die Besucher im voll besetzten Hörsaal 4 des Uniklinikums mit Diplom-Sportwissenschaftler Sergey Dockter das tiefe Atmen üben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Jedes Jahr erleiden rund 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt, 270.000 einen Schlaganfall – Volkskrankheiten. Trotzdem kennen nur ein Drittel die Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um das zu ändern, sind unter der Moderation unserer Redakteurin Sabine Rother eine Expertin und acht Experten beim AZ-Forum Medizin im Uniklinikum angetreten.

Der Lebensstil beeinflusst entscheidend das Risiko. Ganz klar: Ist es erst einmal so weit gekommen, muss gehandelt werden. Und zwar so schnell wie möglich mit einem Anruf bei der Notrufnummer 112. „Die ist in ganz Europa gültig“, informiert Stefan Beckers, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Stadt Aachen.

Die Symptome beim Herinfarkt sind sehr unterschiedlich: Brustschmerzen, die in den linken Arm, aber auch in andere Körperregionen ausstrahlen, Luftnot, Todesangst. „Haben Sie keine Angst vor einem Fehlalarm. Die Kollegen vom Rettungsdienst fahren lieber einmal mehr raus. Und wir untersuchen Sie ebenfalls gerne“, ermutigt Professor Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, die Zuhörer im Hörsaal.

32.000 Nervenzellen

Denn ein Herzinfarkt ist akut lebensbedrohlich, jeder Dritte stirbt dabei. Beim Schlaganfall „ist nicht so sehr das Überleben ein Problem, sondern die bleibenden Behinderungen“, sagt Arno Reich, Oberarzt der Klinik für Neurologie. „Pro Sekunde sterben 32.000 Nervenzellen ab und hinterlassen massive Funktionsstörungen, die alle Bereiche betreffen können, die das Gehirn steuert. Pro Schlaganfall altert ein Mensch im Schnitt um 36 Jahre.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: Je schneller die Durchblutung des betroffenen Hirnareals wieder hergestellt wird, desto besser. „Die Schlaganfälle mit einer guten Prognose sind die, bei denen Angehörige oder der Patient selbst richtig reagiert haben“, betont Reich.

Die gute Nachricht: Trotz Absterben der Hirnzellen kann das Gehirn auch im Alter wieder neu lernen. „Das ist allerdings harte Arbeit“, macht Cornelius Werner, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Leiter der Aphasiestation im Uniklinikum, dem Publikum keine Illusionen. „Eine Reha nach einem Schlaganfall ist eine ganz individuelle Angelegenheit. Sie ergibt sich aus dem, was nicht mehr geht und was der Mensch im Alltag am meisten braucht.“

Nach einem Herzinfarkt ist Herzsport eine gute Möglichkeit, im eigenen Belastungsrahmen wieder fit zu werden – medizinisch betreut und kontrolliert. „Das bezahlt nach Verordnung des Hausarztes die Krankenkasse bis zu drei Jahre“, erklärt Kathrin Thiele, die am Klinikum Herzsportgruppen betreut.

Ist der Hausarzt also beim Notfall nicht der richtige Ansprechpartner, hat er danach eine Menge zu tun: „Reha, Wiedereingliederung, Umschulung, Einbeziehung von Partner und Familie, die Organisation von häuslicher Krankenpflege oder eines Heimplatzes und vor allem auch die Verhinderung weiterer Notfälle – all das liegt in den Händen des Hausarztes“, sagt der niedergelassene Allgemeinmediziner Manfred Bauer.

Viel zu wenig Bewegung

Ein Gedanke, den Besucher des Medizin-Forums vor allem mitnehmen: Anstrengung lohnt sich – am besten bereits vor einem Infarkt oder Schlaganfall. „Falsche Ernährung, Rauchen, Stress und zu wenig Bewegung sind die häufigsten Ursachen für einen Gefäßverschluss. Und die sind beeinflussbar“, appelliert Professor Karl Mischke, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie am Uniklinikum, an die Vernunft der Zuhörer. Sein Vorsorgeprogramm: fünf Mal die Woche 30 Minuten Bewegung (flottes Gehen, tanzen, laufen, schwimmen), Mittelmeerküche, mit dem Rauchen aufhören und falls nötig Gewicht reduzieren.

Für manchen bedeutet das allerdings einen radikalen Kurswechsel. Auch wenn der Schuss schon nicht mehr vor, sondern auf den Bug ging. „Ein Jahr nach einem Infarkt rauchen immer noch 20 Prozent, 80 Prozent sind zu dick“, referiert Erik Skobel, Chefarzt der Reha-Klinik „An der Rosenquelle“, aus einer Umfrage. Besonders letzteres macht die Mediziner nervös, weshalb Professor Marx mit Nachdruck feststellt: „Cholesterinsenker können Nebenwirkungen haben, aber sie retten täglich Leben.“

Unmöglich ist ein gesundes Leben allerdings nicht. Das ist Sergey Dockters Credo: „Unsere Lebensweise hängt von uns selbst ab. Wir handeln aus freien Stücken“, motiviert der Sportwissenschaftler, der in Aachen Yoga und Qigong lehrt. Doch er warnt auch vor einem Zuviel. „Niemand sollte über seine eigene Leistungsgrenze hinausgehen. Neben Anspannung braucht der Körper auch Entspannung.“

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