Großer Andrang bei Signierstunde: Bischof scheut keinen Fankontakt

Von: Angela Delonge
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Signierstunde mit dem Bischof im Aachener Einhard-Shop: Anderthalb Stunden brachte Helmut Dieser gestern damit zu, die Neuausgabe der Bibel zu signieren und mit allerlei individuellen Widmungen zu versehen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Kennen wir uns?“ Diese Frage hat Bischof Helmut Dieser am Dienstagnachmittag nur ein einziges Mal gestellt. Gedacht hat er es wohl öfter. Denn weder hatte er damit gerechnet, dass zur Signierstunde der Bibel in neuer Übersetzung 130 Menschen in den Einhard-Shop am Aachener Dom kommen würden, noch dürfte ihm zuvor klar gewesen sein, dass man ihn so herzlich wie einen alten Bekannten begrüßen würde.

„Nein, wir kennen uns nicht“, lautete die Antwort. Doch Bischof Dieser ist nicht auf den Mund gefallen. Er lachte laut und sagte: „Da hätte ich jetzt aber auch auf dem Schlauch gestanden.“ Großes Gelächter bei den Wartenden. Und das waren nicht wenige, obwohl Bischof Dieser zu diesem Zeitpunkt schon fast eine Stunde am Stehpult gestanden und ohne Unterlass Bibeln signiert hatte. Dieser Bischof scheut nicht den direkten Kontakt mit seinen Fans, soviel ist klar.

Nahezu jede verfügbare Ausgabe der neuen Bibelausgabe wurde ihm vorgelegt – die hellgrüne Jahresedition, die blaue, künstlerisch gestaltete Chagall-Edition und einmal auch die kostbare Ausgabe mit Goldschnitt für 69 Euro. Sogar eine Lutherbibel „zur Konfirmation“ war dabei, auch diese wurde selbstverständlich signiert, „gelebte Ökumene“, wie der Bischof meinte. Wohl 200-mal griff der Bischof gestern zu seinem silbernen Tintenroller und zeichnete in kleiner, schwarzer Schrift ein Kreuz, seinen Namen und das gestrige Datum in die Aufschlagseiten – staunend ob des Gedränges, ab und an die Lippen aufeinanderpressend, wie so oft bei Menschen, die ihre ganze Konzentration in ihre Handschrift geben. Nach einer Dreiviertelstunde entschlüpfte dem Bischof das erste, gut hörbare „Puh“ .

Keine Frage, dass seine Frage „Soll ich eine Widmung reinschreiben?“ ausnahmslos mit Ja beantwortet wurde. „Zur Firmung für Jonah“, „für Maria und Dieter“, „für Hans-Michael von deiner Mama“ – das waren ja noch leichte Übungen für Helmut Dieser. Doch dann kam Schwester Ignatia, die wollte Psalm 23 – „Der Herr ist mein Hirte“ – in ihrer Bibel stehen haben. Eine Dame kam mit Psalm 8.5, was dem Bischof den Ausruf „Ich kann die aber nicht alle auswendig“ entlockte. Ein schneller Blick ins Buch der Bücher, der Bischof schrieb „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ für den Adoptivsohn der Frau und war sichtlich gerührt von der Tatsache, wie die „Widmungen das Leben und das Wort Gottes zusammenbringen“.

Tatsächlich traten die Menschen mit den unterschiedlichsten Wünschen an den Bischof heran – glücklich, ihm so nah zu begegnen und ganz unverstellt, so wie der Bischof seinerseits die Leute herzlich begrüßte und viele Hände schüttelte. Je fortgeschrittener die Signierstunde desto gelöster wurde die ganze Gesellschaft. Plötzlich gab es leise Zwiegespräche mit dem Bischof, eine Frau legte ihm vertraulich die Hand auf den Arm, und einer traute sich gar, den Bischof aufzufordern: „Die Liturgiesprache muss sich ändern, wir verlieren sonst die jungen Leute.“

Der Bischof nahm‘s gelassen, es hatte sogar den Anschein, dass ihm die ganze Aktion Freude bereitete. Anderthalb Stunden brachte der Bischof an der Basis zu, von Minute zu Minute gelöster und am Ende überzeugt: „Es stimmt wohl doch, dass die Bibel das meistverkaufte Buch der Welt ist.“

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