Großer Andrang bei Bücherbörse: Für den guten Zweck

Von: Christoph Pauli
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Schatzsucher: Bücher, Schallplatten und Kunstwerke wurden in Würselen für den guten Zweck verkauft. Foto: Christoph Pauli
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Schatzsucher: Bücher, Schallplatten und Kunstwerke wurden in Würselen für den guten Zweck verkauft. Foto: Christoph Pauli
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Schatzsucher: Bücher, Schallplatten und Kunstwerke wurden in Würselen für den guten Zweck verkauft. Foto: Christoph Pauli

Würselen. Am Anfang stand ein Versprechen. „Ich werde nichts kaufen, ich möchte nur die Atmosphäre genießen.“ Die ältere Frau aus der Städteregion betrat das Alte Rathaus in Würselen mit einem festen Vorsatz. Nur gucken, Bücher in die Hand nehmen, durchblättern, vielleicht ein bisschen eintauchen zwischen die Buchdeckel.

„Ich habe tausende Bücher zuhause, da muss erst einmal ein bisschen Platz geschaffen werden.“ Und dann sagt sie noch, bevor sie sich ins Getümmel begibt, dass sie Bücher für ihr Leben gerne rieche. Die wenigsten Besucher waren am Samstag nur zum Schauen in das Kulturzentrum gekommen. Die 15. Bücherbörse lockte, und längst ist das kein Geheimtipp mehr.

Sie zieht Leseratten, Schnäppchenjäger und tausende Stammgäste an. „Für uns ist die Veranstaltung ein Imagegewinn. Die Börse trägt zum Bekanntheitsgrad der Stadt Würselen bei“, sagt Arno Nelles. Im Hauptberuf ist Nelles der Bürgermeister der Kommune, an solchen Tagen ist er nicht nur der Schirmherr, sondern auch Verkaufshelfer und überzeugter Kunde. „Bücher sind für mich mehr, sie sind meistens auch Schmuckstücke, die einer Wohnung Atmosphäre geben“, kommt der Verwaltungschef ins Schwärmen. „Schade, dass diese Faszination nicht mehr für alle jungen Menschen gilt.“

An diesem Tag bei bestem Schmökerwetter kommen dagegen viele Buchfreunde zusammen. Spezialisten wollen ihre Sammlungen über britische U-Boote von 1901 bis 1920 ergänzen, andere interessieren sich brennend für Details aus dem Leben von Napoleon I. Die meisten Besucher aber lassen sich dagegen ein bisschen an den Ständen vorbeitreiben. Sie lassen sich inspirieren, lesen sich ein, stoßen schnell auf interessante Geschichten. Manchmal findet sich schnell auch ein Bücherfreund, der Tipps geben kann, wenn ein Roman lesenswert erscheint: „Wenn Sie auf ein romantisches Ende stehen, dann nehmen Sie das Buch besser nicht mit.“ So wird aus der Bücherbörse häufig auch eine Kontaktbörse.

„Man merkt, dass sich die Leute über Bücher noch richtig freuen“, sagt Robby Peters. „Sie ergattern preiswerte Schätzchen, aber nur selten wollen sie dann noch handeln. Sie haben eine hohe Wertschätzung für die Bücher.“ Peters hat vor 15 Jahren die Börse initiiert. Sie ist jedes Jahr etwas größer und wohl auch besser besucht worden. „Der Aufwand ist größer geworden, aber er lohnt sich“, sagt der Redakteur dieser Zeitung.

Im Kunstraum ist kaum noch ein Stückchen Tapete sichtbar, so viele Werke hängen hier an den Wänden. Wenn es denn einen Schwerpunkt gibt, dann sind es die Werke des Aachener Künstlers Peter Hodiamont. Seine Witwe Maria D.-Hodiamont hat viele Holzschnitte gestiftet. Ein kunstbegeistertes Ehepaar kauft im großen Stil aus dem Nachlass. Nebenan im Raum werden Platten aufgelegt, die Besucher können sich ein bisschen reinhören. Ein schöner Plattenberg wird da innerhalb kürzester Zeit abgebaut. Das „schwarze Gold“ findet viele neue Anhänger, Schallplatten erleben gerade eine bemerkenswerte Renaissance.

Alle Sachen werden für einen guten Zweck abgegeben. Der Erlös kommt dem Hilfswerk „Menschen helfen Menschen“ zugute, der von Chefredakteur Bernd Mathieu geleitet wird. In Würselen kommen 10.480 Euro zusammen. Wieder ein Rekord für diese Veranstaltung. Aber es gehe nicht um Rekorde, sagt Peters. „Die Börse ist einfach nur ein Gewinn für Spender und Käufer.“

Am Ende des Tages hatte die ältere Frau aus der Städteregion ihre Vorsätze über den Haufen geworfen. Etwa 20 Minuten hatte die selbstgewählte Abstinenz aufgegeben – dann kauft sie einen Bildband über spanische Maler, später kommen noch Krimis dazu. „Ich konnte nicht anders“, sagt sie grinsend. Dann will sie noch wissen, wann es die nächste Börse gibt. Die ist für Ende November geplant und wird wieder im Medienhaus des Zeitungsverlags in Aachen stattfinden. Bei diesem Termin wird dann unter anderem die private Kunstsammlung des früheren Kulturchefs der „Aachener Volkszeitung“, Wolfgang Richter (1925 bis 2010), angeboten.

Wer bis dahin Bücher, Schallplatten oder Kunstwerke abgeben will, kann sich unter der Adresse buecherboerse@zeitungsverlag-aachen.de melden.

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