Große regionale Allianz zum Lutherjahr

Von: Sabine Rother
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Gemeinsam im Einsatz für Reformation 2017: (v.li.) Jens-Peter Bentzin, Hans-Peter Bruckhoff und Susanne Bronner. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Siebeneinhalb Zentimeter ist er im Original hoch, der kleine Playmobil-Luther im Doktormantel. Seine Verpackung verkündet die Botschaft. 2017 ist Lutherjahr. Am 31. Oktober 1517 – vor 500 Jahren – hat Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Diese Hammerschläge markieren den Beginn der Reformation.

Den Aktiven im Westen der Evangelischen Kirche im Rheinland ist der Mini-Reformer aus Plastik aufgefallen, und sie haben sich den großen Werbe-Kollegen von der PR-Abteilung des Kirchenkreises Gladbach-Neuss ausgeliehen, um augenzwinkernd auf ein erstmals zusammengestelltes Team aufmerksam zu machen.

Als Kleeblatt-Gemeinschaft haben sich die vier evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Krefeld-Viersen und Gladbach-Neuss zusammengetan, um drei Großprojekte unter dem Motto „Der Glaube gehört ans Licht“ und über 400 Einzelveranstaltungen auf den Weg zu bringen, neue Perspektiven – etwa bei einer Reformationssynode (1. und 2. September 2017, Mönchengladbach-Rheydt) oder beim ökumenischen Stadtkirchentag (24. Juni) in Aachen – zu finden und das 500-Jahr-Gedenken zukunftsorientiert mit Leben zu füllen.

Die Geschichte der Reformation soll der Treibstoff sein, der Kirche voranbringt, zum Frieden beiträgt, Versöhnung fördert und das Miteinander in Gottesdiensten, beim Pilgern, bei Musik und Essen feiert.

So gibt es im Brückenkopfpark Jülich ein großes Fest der Begegnung mit buntem Programm. „Wir wollen ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Angstmacherei und Vorverurteilung setzen“, beschreibt Susanne Bronner, stellvertretende Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, ein Konzept, das betont auf Geselligkeit setzt.

Immer wieder geht es bei den Veranstaltungen um das Gespräch, um Kontakte zu anderen Religionsgemeinschaften und gleichfalls zu jenen, die sich keiner dieser Gruppen zugehörig fühlen. Geplant ist sogar eine Gemeinschaftsfahrt zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin (24. bis 28. Mai).

„Die vier Kirchenkreise haben eine gemeinsame Geschichte“, betont Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen. „Das ist spannend, denn speziell unsere Entwicklung wurde auch von Menschen aus den Niederlanden und Belgien geprägt.“

Das vom Kleeblatt zum Motto erkorene Bibelzitat „Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück“ (Jesaja 55,1) sieht Bruckhoff als vehemente Aufforderung zum Dialog: „Die wirklich wichtigen Entscheidungen sind stets in Palaverrunden getroffen worden, als solche sehe ich die Reformationssynode.“

Jens-Peter Bentzin ist Beauftragter für das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Aachen und hält die Fäden in der Hand: „Die Angebote sind sehr vielfältig, und es kommen noch immer welche hinzu“, betont er. „Dabei geht es nicht nur um die positiven Aspekte von Reformation und Reformator, sondern gleichzeitig um die dunklen Kapitel.“

Luther, der sich selbst einen „zänkischen Geißbock“ genannt hat, konnte grob werden, es gab antisemitische Bestrebungen und einen nicht immer nur geschwisterlichen innerevangelischen Umgang zwischen Reformierten, Lutheranern und freikirchlichen Gemeinschaften.

Besonderen Einfluss auf die Region der vier Kirchenkreise hatten die Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin aus der Schweiz, aber auch weniger bekannte Männer wie Thomas von Imbroich aus der Eifel und Johannes Campanus aus Masseik. Einträge und Kommentare in Kirchenbüchern und Gemeindechroniken zeigen, wie stark sich Luthers Lehren bei der einfachen Bevölkerung ausgewirkt haben.

„Hier ist von Bauern und Handwerkern, von vielen kleinen Leuten die Rede, die Anhänger der Reformation wurden“, erzählt Bentzin. „Das war damals mutig und nicht ohne Risiko.“ Umfangreiches Archivmaterial wird nun ausgewertet. Es entsteht daraus ein Bühnenstück mit einer dazu passenden Heimatgeschichte.

Was wird mit der Zahl 500 gefeiert? Luther? Die Kirche? „Nein. Reformation ist eine Gemeinschaftsbewegung, die Netzwerke gebildet hat, es geht um Menschenfreundlichkeit“, betont Bruckhoff.

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