Große Erwartungen: Landesgartenschau in Zülpich vor dem Start

Von: Udo Kals
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Die Landesgartenschau ist vom 16.04.2014 bis zum 12.10.2014 in Zülpich geöffnet. Foto: dpa
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Ein Experte für Landesgartenschauen: Heinrich Sperling ist Geschäftsführer der Ausgabe 2014 in Zülpich. Foto: Udo Kals

Zülpich. Ob Jülich 1998, Leverkusen 2005 oder Bad Essen 2010 – rund ein Dutzend Landesgartenschauen hat Heinrich Sperling als Geschäftsführer betreut. In Zülpich, wo die Laga vom 16. April bis 12. Oktober stattfindet, spürt er eine Aufbruchstimmung: „Zülpich bereitet sich mit Enthusiasmus auf die Besucher vor.“ In neun Tagen geht es los.

Sind Sie enttäuscht, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als Schirmherrin der Laga bei der Eröffnung am 16. April fehlen wird?

Sperling: Das bedauern wir sehr. Doch es haben sich die Minister Johannes Remmel und Michael Groschek angekündigt, deren Ministerien die Laga zu großen Teilen bezuschussen. Darüber freuen wir uns sehr.

Was würde Frau Kraft verpassen, wenn sie gar nicht bei der Laga vorbeischauen würde?

Sperling: Ich gehe fest davon aus, dass sie sich die Laga im Laufe des Jahres nicht entgehen lässt. Aber bei der Eröffnungsfeier entgeht ihr schon einmal diese unheimlich schöne Frühjahrsvegetation, die wir dank der Temperaturen in diesem Jahr jetzt schon haben. Und sie würde den Enthusiasmus verpassen, den ich bei den Menschen spüre und den wir mit der Laga 2014 in Zülpich bei den Besuchern entfachen werden.

Sind Sie sicher, dass alle Zülpicher die Schau begrüßen? Schließlich ist die Stadt im Haushaltssicherungskonzept und muss nach bisheriger Planung mehr als fünf Millionen zum Etat von 23,5 Millionen Euro beitragen.

Sperling: Es gibt niemals nur Zustimmung oder nur Ablehnung für solche Großprojekte. Das ist nichts Neues, und diese Schau verändert einen wesentlichen Teil von Zülpich. Sie bietet auch nachhaltig eine nutzbare und seenahe Freizeitanlage, die in der Qualität nicht mit dem zu vergleichen ist, was zuvor da war. Das ist vor allem mit Blick auf den Seepark in der Tat eine naturnahe Stadtentwicklung. Natürlich gab es anfangs Skepsis, stieß es nicht nur auf helle Begeisterung, dass bauliche Veränderungen zu Behinderungen führten.

Das hat sich gelegt?

Sperling: Aber sicher. Gehen Sie doch durch die Kernstadt und schauen Sie sich um. Die Zülpicher Bürger nehmen es jetzt ganz gerne in Kauf, dass sich da Dinge verbessert haben. Es ist doch immer so, dass die Bürger zuerst einmal spüren müssen, dass Veränderungen auch Verbesserungen sind. Und wenn die Bürger merken, etwas funktioniert, sind sie begeistert und zufrieden. Viele machen mit, jetzt, wo die Laga naht. An vielen Häuserfassaden wird gewerkelt und das Sparkassengebäude hat gerade einen eine neuen Anstrich erhalten – Zülpich bereitet sich auf die Besucher vor. Das ist so wie früher, als für Tante und Onkel zur Kirmes das Wohnzimmer auf Vordermann gebracht wurde.

Brauchte es dafür die Laga?

Sperling: Der Zülpicher Bürgermeister Albert Bergmann sagt gerne, dass die Laga der Prinz ist, der das Dornröschen Zülpich wachküsst. Damit meint er auch, dass die Stadt die Zeit ein wenig verschlafen hatte.

Stimmen Sie dem zu?

Sperling: Es gab schon immer diese enormen Potenziale, ob die römische Vergangenheit, die mittelalterlichen Zeugnisse, die Römerthermen Zülpich als Museum der Badekultur, die Lage am Rand von Eifel und Börde – aber Zülpich zieht daraus keinen Vorteil.

Meinen Sie nicht eher, zog bisher daraus keinen Vorteil?

Sperling: Aber das war die Situation vor fünf Jahren, als wir begonnen haben. Doch wir merken jetzt schon den Wandel: Die an den Seegärten ausgewiesenen Baugebiete sind stärker nachgefragt als geplant. Zülpich ist gefragt, die Menschen schauen darauf, was passiert. Und dies nicht mit Argwohn, sondern Neugier. Zudem hat die regionale Wirtschaft von der Laga profitiert, viele Aufträge sind an regionale Betriebe gegangen. Und das Beste kommt wohl hoffentlich noch. Schließlich lässt jeder Besucher nach einer IHK-Studie 34 Euro in der Region – zuzüglich Eintritt.

Das ist bei 400.000 Besuchern, mit denen Sie rechnen, ein schöne Summe. Ist die Zahl mit durchschnittlich mehr als 2200 Besuchern pro Tag realistisch?

Sperling: In Jülich waren es rund 400.000, es gab auch Lagas mit mehr als einer Million Gästen. Wir planen konservativ und gehen mit der bescheidenen Erwartung auch unseren Haushalt an. Je höher der Finanzrahmen, desto größer das finanzielle Risiko, das wir und die Stadt eingehen. Aber natürlich hoffen wir, dass mehr als 400.000 Besucher kommen.

Wollen Sie so der Stadt ein böses Erwachen ersparen?

Sperling: Wir müssen das sogar – egal ob in Zülpich, Bad Essen oder sonstwo. Wir können nach der Schau nicht sagen, wir haben da noch ein Loch von ein paar Millionen, das die Stadt aus den Kassen stopfen muss, deren Lage sowieso angespannt ist.

Dennoch leidet eine Stadt wie Jülich heute noch unter der Laga. Die war 1998 unbestritten ein Erfolg, an dem Sie auch beteiligt waren. Doch die Unterhaltung des Brückenkopfparks kostet jährlich mehr als 600.000 Euro. Droht dies auch Zülpich?

Sperling: Zülpich hat die Belastung in dieser Größenordnung nicht. Das muss man ganz deutlich sagen. Wenn wir Vergleiche ziehen, ist das ein wenig ungerecht gegenüber Jülich, wo ein wesentlicher Posten der Zoo ist. Jede Kommune muss sich die Frage stellen: Was wollen wir uns für unsere Bürger leisten, und was haben wir davon? Und der Brückenkopfpark wird noch immer sehr gut angenommen. Doch das kostet auch etwas – das ist wie bei einem Theater, das ebenfalls subventioniert wird.

Dabei sind Sie für Zülpich überzeugt, ein Konzept gefunden zu haben, zugleich Bürger zufriedenzustellen und Touristen anzulocken?

Sperling: Eine große Aufgabe, die mit der Laga gelöst werden sollte, war, die Attraktivität von Zülpich als touristischen Standort zu erhöhen und die touristischen Strukturen auszubauen. Das zentrale Problem: Von den Vorzügen Zülpichs wissen die Menschen in NRW nicht viel. Das soll sich mit der Landesgartenschau jetzt ändern.

Wen sprechen Sie denn an: den Aachener und Kölner oder gar den Niederländer oder Belgier?

Sperling: Woher die Menschen kommen, ist uns egal. Wir wollen viele Gäste, die zufrieden sind und nach dem Besuch gut über Zülpich und die Region reden. Anhand der vorliegenden Buchungen sehen wir, dass die Menschen aus Köln und Bielefeld, aus Aachen und Düsseldorf, aus Venlo und Eupen kommen. Das ist breit gestreut. Dabei sind die Benelux-Staaten ein wichtiger Markt geworden, keine Frage. Generell merken wir ganz deutlich, dass das Thema Garten en vogue ist und Kurzreisen stärker in der heimischen Region stattfinden. Früher ging es für einen Tag an die Küste, heute bricht man lieber zu Kurztrips in die eigene Region auf. Da hat ein großer Wandel stattgefunden.

Der Ihnen in die Hände spielt.

Sperling: Natürlich haben die Lagas in den vergangenen Jahren davon profitiert, aber auch eine Region wie die Eifel wird dies positiv spüren. Ich weiß von einigen Gartenschauen, dass in den Jahren danach die Übernachtungszahlen weiter gestiegen sind. Denn die Laga-Besucher werden neugierig und wollen die Region weiter erkunden.

Ist die Laga nach Nationalpark und Vennbahn der nächste Motor für die Eifel?

Sperling: Der Nationalpark spricht schon eine andere Klientel an. Aber wir schaffen in Zülpich einen weiteren Kristallisationspunkt für touristische Ziele. Die Menschen merken immer mehr, in der Eifel passiert etwas.

Welche Botschaft soll von Zülpich 2014 ausgehen?

Sperling: Zülpich hat eine schöne Gartenschau – da musst Du hin! Nach Zülpich kannst Du auch noch nach dem Veranstaltungsjahr hingehen, weil Stadt und Umfeld interessant sind. Die Botschaft muss lauten: Komm doch mal vorbei! Was wir erfüllen, sind zum einen typischen Gartenschau-Interessen: Wir haben viele Beispiele für Gärten, wir haben Blumen – all das, was die Be­sucher sehen möchten. Aber in der Kombination mit der Historie und der Stadt und der Landschaft, die anders ist als anderswo, hat Zülpich zum anderen etwas ganz Besonderes zu bieten. Lassen Sie sich begeistern.

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