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Großbrand vernichtet TH-Labor: 50 Millionen Euro Schaden

Von: jas/hau/re
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Bei dem Großbrand waren 160 Feuerwehrleute im Einsatz. Foto: Ralf Roeger
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Am Morgen danach: Die Halle ist komplett in sich zusammengebrochen. Foto: Ralf Roeger
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Auf dieser älteren Archivaufnahme ist das zerstörte Labor - rot eingekreist - zu sehen. Große Teile des Geländes am Campusboulevard sind mittlerweile bebaut. Foto: Manfred Kistermann

Aachen. Ein Großbrand hat in der Nacht zum Freitag eine Maschinenhalle des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen zerstört. Das rund 6000 Quadratmeter große Gebäude auf dem Campus Melaten brannte völlig aus und stürzte teilweise ein. 160 Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz.

Das Feuer in der Halle auf der Steinbachstraße war nach Informationen unserer Zeitung gegen 22.40 Uhr ausgebrochen. Im Einsatz waren 160 Kräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr. Dabei waren drei Löschzüge der Berufsfeuerwehr und fünf der Freiwilligen Feuerwehr sowie eine vierte Drehleiter aus Eschweiler und eine Messeinheit der Feuerwehr Aachen. Bei dem Einsatz wurden zwei Feuerwehrleute leicht verletzt.

Die Löscharbeiten dauerten die gesamte Nacht. Gegen 6 Uhr am Freitagmorgen war das Feuer unter Kontrolle. Der Großteil der Einsatzkräfte konnte abrücken, immerhin 20 Feuerwehrleute mussten aber vor Ort bleiben. Noch am Vormittag wurde von einer Hubrettungsbühne aus Wasser auf das Dach der Ruine gespritzt.

Die Anwohner wurden gebeten, wegen der starken Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Später wurde aber Entwarnung gegeben: Es habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, da die Messungen der Schadstoffwerte keine Auffälligkeiten aufwiesen.

Die Ursache des Großbrands ist noch nicht geklärt. Brandsachverständige sollen die Unglücksstelle untersuchen.

Am Morgen war das Gelände um die völlig zerstörte Halle weiträumig abgesperrt. Flatterbänder mit der Aufschrift „Betreten verboten - Einsturzgefahr“ warnten Mitarbeiter und Studenten der Universität, von denen sich viele nach 8 Uhr vor den gesperrten Gebäuden versammelten.

„Wir sind nach Hause geschickt worden. Es hat keinen Zweck, da läuft nichts mehr, weil teilweise die Infrastruktur zerstört ist“, berichtete ein Mitarbeiter. Es handelte sich bei dem zerstörten WZL-Gebäude nach seinen Worten um eine ältere Versuchshalle, in der möglicherweise auch Chemikalien gelagert waren. „Da sind viele Versuchslabore drin. Die Leute arbeiten nicht permanent dort“, ergänzte ein 32-jähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter, der ebenfalls unverrichteter Dinge abziehen musste.

Der Schaden dürfte immens sein. Große Teile des zerstörten Maschinenparks waren nicht Eigentum des WZL, sondern wurden von Partnerunternehmen aus der Industrie zur Verfügung gestellt. Das WZL arbeit mit praktisch allen namhaften internationalen Werkzeugmaschinenherstellern zusammen. In der Halle waren 120 Mitarbeiter tätig.

Neben dem Schaden an Gebäude und Geräten dürfte der Wert der vernichteten Forschungsergebnisse und wissenschaftlichen Arbeiten für die Universität und die betroffenen Mitarbeiter und Studenten besonders schmerzhaft sein. Professor Günther Schuh, geschäftsführender Direktor des WZL, ging von einem Schaden von 40 Millionen Euro am Maschinenpark und rund zehn Millionen für einen Neubau der Halle aus.

Schuh hoffte, dass auf den Computerservern nur die Forschungsergebnisse die vergangenenen zwei Tage vernichtet seien. Lob sprach er den Feuerwehren aus. „Was die Kräfte der Feuerwehr hier heute Nacht geleistet haben, ist grandios“, sagte er unserer Zeitung. „Von allen Seiten wurde der Brand so perfekt bekämpft, dass ein Übergreifen der Flammen auf die direkten Nachbargebäude verhindert werden konnte.“ Auch das neue Hauptgebäude des WZL wurde nicht durch das Feuer beschädigt.

Kurz vor 9 Uhr trat ein Mitarbeiter des Baumanagements an eine andere Absperrung und bat ein Dutzend dort wartender TH-Beschäftigte, ihn und seine Kollegen zu unterstützen: „Wir haben sehr viele Seiteneingänge. Bitte weisen Sie die Ankommenden höflich, aber bestimmt darauf hin, dass sie heute nicht dorthin können. Wir tun alles dazu, die Gebäude freizumessen. Richten Sie sich aber darauf ein, dass Sie erst am Dienstag wieder arbeiten können.“

Ein anderer warnte die schnell rekrutierten Helfer davor, was sie beim Gang um die Ecke, hinter dem Gebäude, vor dem sie stehen, zu sehen bekommen: „Da ist nichts mehr, es sieht schlimm aus.“

Um 14 Uhr am Freitag gaben RWTH-Vertreter auf einer Pressekonferenz im Hauptgebäude am Templergraben eine erste Einschätzung zum Ausmaß der Schäden (siehe weitere Berichterstattung).

Die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Gebäude, darunter das Fraunhofer Institut, sind am Freitag geschlossen worden. Die WZL-Leitung hoffte aber, dass zum Wochenbeginn die Mitarbeiter ihre Arbeit wieder regulär aufgenommen können - natürlich nicht in der vom Brand betroffenen Halle. Professor Schuh ging davon aus, dass ein Neubau mindestens zwei Jahre dauern werde.

Die Bauarbeiten in direkter Nachbarschaft des WZL auf dem Campusgelände gingen bereits am Freitag unbeeinträchtigt weiter.

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