Neuss - Größtes Schützenfest der Welt am Wahlsonntag

Größtes Schützenfest der Welt am Wahlsonntag

Von: Marc Pesch, ddp
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Neuss. Es wird am 30. August ein Novum in der stolzen 186-jährigen Geschichte des Neusser Bürgerschützenvereins: Erstmals wird am „Kirmessonntag”, dem höchsten und wichtigsten Feiertag in der Niederrhein-Kommune, die Kommunalwahl stattfinden.

Stadtrat, Bürgermeister, Landrat und Kreistag stehen zur Wahl, während 6500 Schützen und Musiker am größten Schützenfest der Welt teilnehmen und eigentlich ausschließlich in Feierlaune sind. Schon im Vorfeld zeichnen sich deshalb in Neuss zahlreiche Probleme ab. Es fehlen wegen der Feierlichkeiten Wahlhelfer. Wahllokale müssen wegen der Schützenumzüge verlegt werden. Die Wahlbeteiligung könnte so niedrig sein wie selten zuvor, so die Befürchtung.

„In der Tat ist die ganze Sache für uns sehr ungewöhnlich”, räumt Bürgermeister Herbert Napp (CDU) ein, „das ist so, als wenn in Köln am Rosenmontag gewählt werden würde.” Der Rathauschef muss zudem Kritik einstecken, weil die CDU-geführte Landesregierung für den Wahltermin im Spätsommer verantwortlich ist. Die NRW-SPD hatte eine Zusammenlegung der Kommunalwahl mit der Bundestagswahl am 27. September gefordert - ohne Erfolg.

Bis zu 1200 Wahlhelfer müssen nun im Vorfeld der Kommunalwahlen gefunden werden - angesichts des Bürgerschützenfestes kein leichtes Unterfangen. „Klar, da wollen ja alle auch lieber feiern”, sagt Napp, der selbst als Mitglied des Schützen-Komitees am Wahlsonntag mit Frack und Zylinder die große Königsparade vor mehreren Zehntausend Zuschauern abnimmt.

„Grundsätzlich haben wir uns vonseiten der Stadt entschlossen, aktive Schützen vom Dienst des Wahlhelfers freizustellen”, sagt der Bürgermeister, „wir hoffen nun zunächst auf Freiwillige. Sollten sich hier nicht genügend melden oder sich die bisherigen Wahlhelfer drücken wollen, müssen wir aus der Einwohnermelde-Datei nach dem Zufallsprinzip Bürger auswählen und als Wahlhelfer verpflichten”.

Doch nicht nur die Suche nach Wahlhelfern bereitet der Stadt Sorgen. Mehrere Wahllokale müssen aufgrund der Schützenumzüge verlegt werden. „Die Wahllokale müssen am Wahlsonntag frei zugängig sein. Und das ist in der Innenstadt aufgrund der Umzüge nicht der Fall. Also müssen wir nach neuen Räumlichkeiten suchen”, sagt Peter Fischer, Sprecher der Stadt Neuss.

Die Installation eines Wahllokals irgendwo auf der Kirmes oder im Zelt auf der Schützenwiese sei nicht möglich gewesen. „Das haben wir geprüft, geht aber rein rechtlich nicht”, so Bürgermeister Napp. Nicht zuletzt deshalb sei mit einer niedrigen Wahlbeteiligung zu rechnen. „Davon müssen wir schon ausgehen, weil die Wahl natürlich gerade dann stattfindet, wenn auch die ganzen Schützen-Veranstaltungen in vollem Gange sind.”

Schützen-Chef Thomas Nickel, selbst Vize-Bürgermeister der Stadt Neuss, will deshalb schon im Vorfeld der „tollen Tage” an seine Marschierer appellieren. „Wir werden den Schützen empfehlen, von der Briefwahl Gebrauch zu machen”, sagt Nickel, „darauf werden wir bei verschiedenen Gelegenheiten hinweisen”. Er geht davon aus, dass das Schützenfest nicht für den Wahlkampf instrumentalisiert wird. „Es hat bei uns in Neuss in Zeiten des Wahlkampfes bislang immer einen politischen Burgfrieden gegeben, auch wenn es noch nie eine Wahl genau am Kirmessonntag gegeben hat.” Er will die Parteien bitten und auffordern, bis zum Beginn des Schützenfestes die Umzugswege „wahlkampffrei” zu machen.

Der Kommunalwahlkampf in Neuss soll zwei Tage früher enden als im restlichen NRW. „Notfalls werden wir den Parteien freitags vor der Wahl helfen, um die Wahlplakate aus der Innenstadt zu entfernen. Wenn das Schützenfest startet, sollte der Straßenwahlkampf vorbei sein”, betont Nickel.

Die Schützen selbst halten den Termin der Kommunalwahl zwar für unglücklich, müssen und wollen aber letztlich damit leben. Schließlich, so heißt es, seien sie verantwortungsvolle Bürger, auch wenn an diesem Tag „seine Majestät” Hermann-Josef Verfürth und die mehrere Stunden dauernde Königsparade im Mittelpunkt stünden. „Ich werde dafür sorgen, dass mein Zug bei Beibehaltung des Gleichschritts ins Wahllokal marschiert und dass alle hier ihr Kreuzchen machen”, lacht Oberleutnant Thomas Draguhn vom Schützenlustzug „Nüsser Krummstöck”.

Auf Bürgermeister Herbert Napp jedenfalls wartet ein ungewöhnlicher „Kirmessonntag” beim größten Schützenfest der Welt. „Normalerweise habe ich abends immer mitgefeiert, jetzt werde ich im Rathaus sein, wo die Stimmen ausgezählt werden.” Immerhin: Im Falle einer Wiederwahl dürfte er dann wenn auch mit Verspätung doppelten Grund zum Feiern haben.
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