Kerkrade - Größtes Blasmusik-Festival der Welt startet

Größtes Blasmusik-Festival der Welt startet

Von: Angela Delonge
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Der Schall kennt keine Grenzen: Zum größten Event für Blasmusik-Kapellen kommen Teilnehmer und Zuschauer aus aller Welt ins niederländische Grenzstädtchen Kerkrade. Nur aus Deutschland könnten es ein paar mehr sein. Foto: WMC
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„Manches wird man ändern müssen“: Reg van Loo ist Vorsitzender des WMC. Foto: Andreas Steindl

Kerkrade. Mit Pauken und Trompeten ist es so eine Sache: Hierzulande bekommt man diese bombastischen Instrumente eher selten zu hören. Doch ab Donnerstag wird sich das ändern. Dann beginnt im niederländischen Städtchen Kerkrade der World Music Contest (WMC).

Der größte Blasmusik-Wettbewerb der Welt findet dort, direkt hinter der Grenze, alle vier Jahre statt – und ist doch bei uns nahezu unbekannt. Jedes Mal kommen mindestens eine halbe Million Besucher nach Kerkrade, um über einen Zeitraum von fast vier Wochen mehr als 250 Auftritte von Musikgruppen zu bewundern. 20.000 Musiker aus 29 Ländern werden das Beste, was es in Sachen Blasmusik gibt, zu Gehör bringen. Denn der WMC ist nicht nur ein Fest für alle Blasmusikfans, es ist auch ein echter Wettbewerb, bei dem Weltmeister in verschiedenen Kategorien und auf verschiedenen Niveaus ermittelt werden.

Es geht vor allem um die Ehre

Dass es dabei vor allem um die Ehre geht, bekräftigt Reg van Loo, Vaalser Bürgermeister und Vorsitzender des WMC: „Natürlich ist es nur ein Titel. Aber in der Welt der Blasmusik gilt der WMC ungefähr so viel wie der CHIO im Pferdesport. Wer hier gewinnt, kann wirklich stolz sein. Das WMC ist das wichtigste Festival für Blasmusikensembles in der Welt.“

Deshalb bekommen die Zuschauer auch richtig was geboten: vor allem bei den Wettbewerben der Marsch-, Parade- und Showkapellen, die im Parkstad-Limburg-Stadion stattfinden. Eine ganz andere Atmosphäre herrscht wiederum bei den Wettbewerben der Brass Bands und der Schlagzeug-Ensembles, oder beim Konzertwettbewerb für Harmonie- und Fanfarenorchester in der Rodahal. Außerhalb des Wettbewerbs finden rund 50 Konzerte statt, bei denen unter anderem das berühmte Simon Bolivar Youth Orchestra aus Venezuela auftritt und Paul McCartneys Klassik-Komposition „Liverpool Oratorio“ aufgeführt wird. Volksfestcharakter hat das „Buitenfestival“, bei dem fast jeden Abend rund um den Kerkrader Markt Musik gespielt wird.

Doch Herzstück des WMC ist der Wettstreit. Für die Juroren geht es dabei nicht nur um Exaktheit von Formationen und Tönen, sondern vor allem auch darum, „den verschiedenen Bläserkulturen gerecht zu werden“, sagt van Loo. Neben Gruppen aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich, wo Blasmusik traditionell eine wichtige Rolle spielt, ist der WMC eine echte Größe in Skandinavien, Spanien und England. Sogar aus Thailand und Singapur, den USA und Kanada reisen Teilnehmer an.

Nur das Nachbarland Deutschland hält sich bislang mit Teilnehmern und Zuhörern vornehm zurück, was Reg van Loo bedauert. Über die Gründe kann er nur mutmaßen: „Blasmusik findet bei uns auf einem sehr hohen Niveau statt. Man hat die Anknüpfung an die klassische Musik gesucht und sich professionell aufgestellt. Diese Entwicklung sehe ich jenseits der Grenze nicht.“ Immerhin sieht er noch viel Potenzial für den WMC – vor allem jenseits der Grenze: „Wir müssen uns auf jeden Fall in der Euregio besser aufstellen.“

Doch zunächst einmal wird es darum gehen, die aktuellen Probleme zu lösen. Kritik an der Organisation des WMC häuft sich, Forderungen nach einem professionelleren Management werden laut. Der musikalische Leiter des WMC fiel wegen Krankheit aus, der Onlineticketverkauf hakte, bei Honorarverhandlungen im Vorfeld gab es Differenzen, die öffentlich gemacht wurden. Die geplante Koproduktion von Limburgs Symfonie Orkest und Sinfonieorchester Aachen ist aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht zustande gekommen.

Angesichts des großen Ganzen sind das für van Loo „Petitessen“. „Natürlich geht einiges schief, das muss ich gestehen.“ Aber bei welchem Event, das außer von einem kleinen Büro mit dreieinhalb Mitarbeitern von 200 bis 250 Freiwilligen organisiert wird, wäre das nicht so? Auch van Loos eigene Arbeit für den WMC ist ehrenamtlich. „Aber eigentlich muss ich als Vorsitzender viel zu viel tägliche Arbeit leisten. Ich schätze mal, dass ich momentan fünf Stunden pro Tag investiere.“

Wollte man das Festival professionell aufstellen, käme es nie zustande, glaubt van Loo. Bei einem Etat von 4,3 Millionen für vier Jahre „könnten wir das gar nicht leisten. Wenn wir das Geld hätten, um mehr Profis einzustellen, wäre ich der Erste, der dafür wäre“, sagt er. Und: „Die vielen Freiwilligen betrachten das Festival als ihr Kind, darin liegt auch die Kraft des WMC.“

Eine gewisse Verschlankung des Festivals hält van Loo dennoch für vonnöten.

Aufgaben für die Zukunft? „Wir müssen uns auf unser Hauptbusiness, den Wettbewerb, konzentrieren, und wir müssen unsere Kapazitäten in den Bereichen künstlerische Leitung und Kommunikation ausbauen.“ Ein Wunsch für die Zukunft? „Ich hoffe sehr, dass wir beim nächsten WMC eine Produktion aus Aachen auf der Bühne haben werden.“

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