Grillabend beim Sommerfest endet im Alptraum

Von: Thomas Thelen und René Benden
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Ende eines Sommerfests: Rettungskräfte versorgen einen Schwerverletzten im Hof der Alsdorfer Burg. Ein Mann war plötzlich bei der Feier aufgetaucht und hatte ohne erkennbaren Grund die Gäste des Festes angegriffen. Foto: Ralf Roeger
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Der Tag danach: Die KG Stadtgarde Alsdorf hat ihr Sommerfest vorzeitig abgebrochen. Nur das „Herzlich-Willkommen“-Banner zierte am Sonntag noch den Innenhof der Alsdorfer Burg. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Es ist die Zeit des Jahres, in der Vereine ihre Mitglieder, Förderer und Freunde gerne zu Grillfesten einladen. Wo man auch hinschaut in diesen Tagen, irgendwo findet garantiert am Wochenende ein solches Fest statt. Man trinkt ein Bier, lässt es sich schmecken und plaudert in netter Atmosphäre mit den anderen Gästen. Soweit die Idealvorstellung.

Am Samstagabend wird diese beim Sommerfest der Karnevalsgesellschaft Stadtgarde Alsdorf auf brutale Art und Weise zerstört, als gegen 23 Uhr aus dem Nichts ein mit Kapuzenpulli, Schal, Mundschutz und Taucherbrille bekleideter Mann auftaucht und Angst und Schrecken verbreitet.

Was bis dahin ein geselliger, lauer Sommerabend im Innenhof der Alsdorfer Burg ist, endet in Chaos und Ernüchterung. „Plötzlich gab es rund zehn Meter entfernt einen Tumult, man hörte Schreie, es war klar, dass da was Schlimmeres im Gange sein musste“, erinnert sich Frank Dohmen, Präsident der KG Tröter Pötzer Jonge in Alsdorf, an den Vorabend. Am Tag danach ist der 50-Jährige immer noch hörbar geschockt von dem, was er und viele andere erleben mussten. „Da will man einige nette Stunden mit den Freunden der anderen Gesellschaften verbringen, und dann passiert das. Unfassbar!“

„Ihr verkauft Kinder“

Aus allernächster Nähe erlebt das Drama ein Karnevalist, der an dieser Stelle nicht mit Namen genannt sein will. „Es ging alles sehr schnell. Plötzlich war da dieser Kerl und sprüht mit dem Pfefferspray um sich, dadurch entstand natürlich schnell eine Panik.“ Mehrmals habe der Täter etwas gerufen wie: „Ihr verkauft Kinder“ und „Ich habe eine Mission.“ Am Tag danach mag er eigentlich nicht mehr sprechen über das, was er wie all die anderen Besucher miterleben mussten. Einige Gäste, darunter ein Polizist, der zur Tatzeit jedoch als Privatperson das Fest besuchte, hätten sich auf den Mann gestürzt.

Der habe plötzlich ein Messer in der Hand gehalten und damit zwei Gästen Stichverletzungen zugefügt, dem Polizisten in den Bauch, dem anderen Mann ins Bein. Der Täter, der schließlich von den Männern überwältigt werden konnte, zog sich selbst ebenfalls eine schwere Stichverletzung zu. „Da war überall sehr viel Blut, es war ein schreckliches Bild“, sagt der Augenzeuge. Er selbst sei kurz davor gewesen, sich ebenfalls auf den Täter zu stürzen. „Doch das war dann zum Glück nicht mehr nötig. Vor denen, die das übernommen haben, muss man den Hut ziehen.“

Der Täter, laut Informationen unserer Zeitung ein stadtbekannter Drogenabhängiger im Alter um die 25 Jahre, habe auf ihn einen verwirrten Eindruck gemacht, berichtet der Augenzeuge weiter. Als er dann schließlich außer Gefecht gesetzt schwer verletzt am Boden gelegen habe, habe er sehr resigniert gewirkt.

Bestürzt über den Vorfall beim Sommerfest zeigt sich auch Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders. „Das sind keine guten Nachrichten, das betrübt mich doch sehr“, sagt Sonders gegenüber unserer Zeitung. Noch am Abend wollte er von einer sechstätigen Reise in Alsdorfs französischer Partnerstadt St. Brieuc zurückkehren. „Ich bin telefonisch über alles in Kenntnis gesetzt worden. Jetzt müssen wir die Ermittlungen abwarten“, sagt der Bürgermeister.

Für die Anwohner der Alsdorfer Burg waren die Bluttat und der dadurch ausgelöste Polizeieinsatz am Sonntag noch Tagesgespräch Nummer eins. „So gegen elf habe ich aus dem Fenster geguckt und gesehen, dass hier ein Polizeiwagen nach dem anderen vorfuhr“, berichtet ein Anwohner. Sieben Polizeiwagen habe er gezählt. Ebenso viele Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte. Weil die Zufahrt zur Burg an einer Seite derzeit gesperrt ist, hätten die Fahrzeuge von Polizei und Rettungskräften die Straße derart verstopft, dass sie nach dem Einsatz Mühe gehabt hätten, den Ort wieder zu verlassen.

Das nächste Fest kommt

Die Alsdorfer Stadtgarde muss sich erst von diesem Schock erholen. Bis noch vor drei Jahren feierte die Gesellschaft mit ihren aktuell 100 Mitgliedern ihre Sommerfeste am Alsdorfer Weiher. Ob man dahin wieder zurückkehren wolle, kann und will Präsident Toni Sistermanns noch nicht beantworten. „Zunächst ist es ja mal so, dass an der Burg noch einige Sommerfeste stattfinden werden. Die Ausrichter der nächsten Feste haben gewiss im Hinterkopf, was uns passiert ist“, sagte Sistermanns.

Am 29. August beispielsweise findet an gleicher Stelle das fünfte große Sommerfest der KG Tröter Pötzer Jonge statt. „Da kann man sich leicht denken, was einem jetzt für Gedanken durch den Kopf schießen“, sagt Dohmen nachdenklich. Fürs erste ist den Karnevalisten die Lust an den Festen vergangen. Doch es muss ja weitergehen, wobei jeder weiß, dass man sich gegen einen Vorfall wie den vom Samstagabend nicht schützen kann. „Was bleibt, ist ein mulmiges Gefühl“, sagt Dohmen.

Auf der Homepage der KG Stadtgarde stand am Sonntag unter dem Stichwort „nächster Termin“: Sonntag, 9. August, 10 Uhr, Sommerfest, Alsdorfer Burg.

Dazu sollte es nicht mehr kommen. Das Sommerfest der Karnevalisten, das über zwei Tage gehen sollte, wurde vorzeitig abgebrochen. Die Vereinsmitglieder hatten schon am Sonntagmorgen ihre Stände im Burghof abgebrochen. Nach Feiern war auch niemandem mehr zu Mute.

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