Grausame Rache für eine verhinderte Beziehung

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Düren. Das Opfer von Taner und Sener S., den beiden wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes vor dem Aachener Schwurgericht angeklagten Brüdern aus Düren, berichtete im Zeugenstand, wie er an Heiligabend 2010 nur knapp den Todesschüssen und den tödlichen Schlägen entkam.

Die Verteidiger von Taner und Sener S. (34/38) hatten am Montag zunächst versucht, die Aussage des Zeugen zu verhindern. Er habe ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht, weil er selbst ein Verfahren am Halse habe, ein Verfahren, das unmittelbar in den jetzigen Prozess hineinspiele.

Doch das Opfer, A., wollte aussagen und der Vorsitzende des Schwurgerichts ließ es zu. Der Hintergrund: Das Opfer ist der Großonkel einer jungen Frau, die im Sommer 2010 mit einem der Brüder zusammen war, dies gegen den Willen ihrer Familie. Denn Taner und Sener S. galten beide in diesen Kreisen nicht gerade als gute Partie, da sie, wie sie selbst vor Gericht einräumten, drogensüchtig sind und dazu regelmäßig größere Mengen von Alkohol konsumierten, auch kurz vor der Tat.

So geht es in der Auseinandersetzung zwischen den zwei türkischen Familien erneut um eine Form von vermeintlich verletzter Ehre, also um eine Beziehungstragödie, die in gegenseitiger gewalttätiger Rache der Familien mündete. Anfang September 2010 hatte es bereits eine Messerstecherei gegeben. Dabei wurde einer der Brüder verletzt. Auf das heutige Opfer A. wartet deshalb ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung und/oder versuchten Totschlags.

Einen Tag vor Weihnachten dann drehten die Brüder den Spieß um. „Ich war noch mit Papierkram in unserem Verein beschäftigt”, erzählte der Landschaftsgärtner A. auf Türkisch. Er spricht wenig Deutsch, seine Aussage musste übersetzt werden. A. ist seit 20 Jahren in Deutschland und arbeitet ehrenamtlich als Geschäftsführer in einem türkischen Kulturverein, dort organisieren sie interne Feiern, betreiben eine Fußballmannschaft und sorgen für Folkloreauftritte bei Festen. An dem Tag bekam er einen Anruf von „vermeintlichen Freunden”, wie er betrübt feststellte. Er solle zum Auto eines Kollegen kommen, das nicht weit vom Verein im Schnee feststecke, er solle schieben helfen. Das war eine Falle. Denn kaum fuhr das Auto an, stand das Brüderpaar hinter ihm, jeder einen Schlagstock in der Hand. Damit schlugen sie auf seinen Kopf ein. „Wir sind gekommen, um die Sache zu beenden”, habe Sener ausgestoßen.

Dann traf ihn ein Schuss in den Oberschenkel, er raffte sich wieder auf, da schossen sie ihm in die Hüfte, die Schläge auf den Kopf gingen weiter. Panisch stellte er sich tot, erinnerte sich A. Sie ließen ihn im Schnee liegen und fluchten, er solle „unter Schmerzen ganz langsam sterben”. An mehr erinnerte A. sich nicht mehr.

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.
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