Grammy Awards: Justin Bieber mit Song aus Aachen nominiert

Von: Robert Esser
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Jung, bescheiden sympathisch – und enorm erfolgreich: Selbst waren die Aachener Tobias Breuer (links) und Mohamed Bouyalaoui noch nie in Amerika, aber ihre Songs singen Stars wie Justin Bieber. Damit ist ihre Musik nun weltweit unterwegs. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Zwei sind ein Hit. Buchstäblich. Im heimischen Wohnzimmer in Aachen haben Tobias Breuer (23) und Mohamed Bouyalaoui (24) ein Lied komponiert und produziert, das tatsächlich von Weltstar Justin Bieber und HipHop-Star „Chance the Rapper“ in den USA gesungen, 50 Millionen mal via Internet heruntergeladen wurde und deswegen nunmehr für einen Grammy Award nominiert ist.

Der Song „Juke Jam“ aus Aachen mit Bieber ist nämlich auf dem Musikalbum „Coloring Book“ von „Chance the Rapper“ gelandet – und dieses auf der Nominierten-Liste „Bestes Rap-Album“ der 59. Grammys. Der wichtigste US-amerikanische Musikpreis wird in verschiedenen Kategorien am 12. Februar im Staples Center in Los Angeles verliehen.

Steiler kann eine Karriere kaum laufen: Tobias und Mohamed sind seit der fünften Klasse befreundet. Breuer war immer musikfasziniert, bastelte sich zu Hause sein „eigenes kleines Musikstudio mit Keyboard und Computer aus dem Elektronikmarkt. Das kann eigentlich jeder, kostet nicht viel“, sagt er.

Ohne teure Ausrüstung, geschweige denn ein professionelles Tonstudio, aber mit enormer kreativer Kraft und viel Gespür für unverkennbare Sounds entwickelte Tobias einen Song nach dem anderen. Und schloss sich mit seinem Freund Mohamed – der gerade seine Bachelor-Arbeit im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen schreibt – zum Produzententeam „rascal“ zusammen. Was auf Deutsch so viel wie Bengel oder Schlingel heißt.

Die „Schlingel“ schickten nun ab dem Jahr 2015 ihre Musik – noch ohne Singstimmen – zu namhaften HipHop-Künstlern in den USA. Immer auf der Suche nach Interpreten. „Aber nicht zu Stars“, wie Mohamed betont. Angebissen haben – sehr zur Verwunderung der beiden Aachener – direkt ziemlich viele: darunter Branchengrößen wie Mick Jenkins, Little Simz und Elhae. Allesamt in der HipHop-Szene äußerst populär. So kam auch der Kontakt zu „Chance the Rapper“ zustande, der dann wiederum Justin Bieber ins Boot holte. „Wir konnten unser Glück kaum fassen. Auf einmal haben wir sogar Geld mit unserer Musik verdient, endlich gab es künstlerische Anerkennung“, freut sich Tobias.

„Justin Bieber kennen sogar unsere Eltern. Das war schon ein tolles Gefühl, endlich ernstgenommen zu werden“, fügt Mohamed hinzu. Natürlich wurden auch Plattenfirmen hellhörig. „Die wollten uns unter Vertrag nehmen, aber dann verzichtet man auf 40 Prozent der Einspielergebnisse. Wir machen da lieber unsere eigenen Erfahrungen in einem – zugegeben – sehr schwierigen Musikbusiness“, erklärt Bouyalaoui. Wobei ihm sein Manager-Wissen als Wirtschaftsstudent durchaus hilft.

„Das alles kam wie aus dem Nichts. Jetzt müssen wir dranbleiben“, betont Breuer. Weil sich die beiden zu spät für die Grammy-Verleihung haben registrieren lassen, verfolgen sie das gigantische Medienspektakel nicht live im Saal, sondern am Bildschirm. Sie sind Mitte Februar sowieso in Berlin in den Red Bull Studios, vervollständigen eine Auftragsarbeit für einen Künstler namens „Serious Klein“ und gehen dann ihr erstes eigenes Musikalbum an. „808 changed the motherf king world“ heißt das Projekt.

„Darf man das eigentlich so schreiben?“, fragt Mohamed beim Interview freundlich. „Fast.“ Der Traum des jetzt schon sagenhaft erfolgreichen Produzententeams: „Wir wollen weiterhin von der Musik leben können und am liebsten im kommenden Jahr mit unserem ganz eigenen Album für einen Grammy nominiert werden“, sagt Tobias.

Die beiden würden dann zum ersten Mal in die USA reisen. Dahin, wo ihre Musik von New York über Chicago bis Los Angeles längst die HipHop-Fangemeinde elektrisiert. Das wäre ein Hit.

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