Graffiti aus dem Mittelalter faszinieren die Fachwelt

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Graffiti im Nonnenkloster
Graffiti - hier eine Rosette - sind an einer Wand unter dem Kirchendach von St. Katharina in Langerwehe zu sehen. Die 500 Jahre alten Graffiti, die nun von Wissenschaftlern in dem ehemaligen Nonnenkloster untersucht und dokumentiert wurden, waren von Handwerkern beim Neubau des Dachstuhls im 15. Jahrhundert in den Putz geritzt worden. Foto: dpa

Langerwehe. „Die Kirche St. Katharina zu Wenau ist eben echt der Hammer. Hier gibt es immer wieder mal etwas neues Altes.” Der Langerweher Pfarrer Heinz Portz schmunzelt. Aber der etwas flapsige Spruch des Geistlichen trifft die Sache in doppelter Hinsicht auf den Punkt. Die Kirche St. Katharina aus dem Mittelalter ist ein echtes Kleinod.

Jetzt sind unter dem Kirchendach 500 Jahre alte Graffiti entschlüsselt worden, bei denen Hammer im wahrsten Sinne des Wortes eine große Rolle spielen. „Dass es diese Zeichen hier auf einer Wand unter dem Kirchendach gibt, wussten wir”, sagt Diplom-Ingenieur Elmar von Reth vom Generalvikariat Aachen, „aber jetzt ist es mit Hilfe des Landschaftsverbandes Rheinlandes gelungen, die rätselhaften Darstellungen zu entschlüsseln. Und darüber sind wir sehr froh.”

1485: Magistra von Fleck und die Belebung des Klosters

Dr. Ulrike Heckner, Abteilungsleiterin beim Landschaftsverband und zuständig für die Bauforschung, kennt sich mit den Wenauer Graffiti bestens aus. Im Jahr 1485, so Ulrike Heckner, seien Nonnen nach Wenau gekommen, die das Kloster neu beleben und reformieren sollten. „Die damalige Magistra Margarete von Fleck hat dafür gesorgt, dass die Kirche umgebaut wurde und auch ein neues Dach bekommen hat.” Und genau bei diesen Bauarbeiten sind die seltenen Graffiti entstanden. Heckner: „Die Handwerker hatten unter dem Dach sehr viel zu tun. Und in ihrer Mittagspause haben die Steinmetze ihre unterschiedlichen Hammer in die Wenauer Kirchenwand geritzt. Außerdem haben sie Übungen mit dem Zirkel gemacht.”

Mehr als 42 Werkzeuge in Originalgröße sind an der Wand entdeckt worden, und zwar so naturgetreu, dass genau unterschieden werden kann, welche der Werkzeuge von Maurern, Steinmetzen oder Dachdeckern waren. „Die Handwerker”, so Ulrike Heckner, „konnten damals nicht schreiben. Sie waren aber natürlich sehr stolz, dass sie an so einem Bauwerk mitwirken durften und haben auf diese Weise ihr individuelles Zeugnis hinterlassen.”

Sehr genaue Schlüsse möglich

Solche Ritzungen, erklärt Dr. Ulrike Heckner, gebe es in vielen Kirchen. „Aber ein simpler Anstrich genügt und alle Sachen sind weg. Das Besondere an diesem Fund hier in Wenau ist wirklich, dass eine ganze Wand komplett erhalten ist. Und wir wirklich sehr genaue Schlüsse ziehen können, was die Zeichen bedeuten.”

Dr. Ulrike Heckner und ihr Team haben die Wenauer Graffiti ausführlich dokumentiert und anschauliche Schautafeln erstellt, auf denen die Zeichen auch farbig untermalt worden sind. „Für unsere Kirche”, so Pfarrer Heinz Portz, „ist dieses Graffiti eine große Bereicherung. Und wir sind sehr froh, dass wir es haben.” Ehrensache, dass die Ritzungen auf jeden Fall erhalten werden sollen.

Informative Schautafeln

Der Langerweher Pfarrer Heinz Portz möchte das Wenauer Graffiti auf jeden Fall für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Rechtzeitig zum Pankratiusfest im Mai plant er, interessierten Bürgerinnen und Bürgern die informativen Schautafeln und auch die Original-Kunstwerke zu zeigen. Die Termine sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden

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