Aachen - Graduiertenfest: Da fliegen die Hüte, da laufen die Tränen

Graduiertenfest: Da fliegen die Hüte, da laufen die Tränen

Von: Thorsten Karbach
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Der ganz große Wurf: Erstmals hat die RWTH Aachen ihre Graduierten des vergangenen Jahres, also alle Absolventen, zu einem großen Fest eingeladen. Höhepunkt im Dressurstadion in der Soers war dann das gemeinsame Hütewerfen nach US-amerikanischem Vorbild. Foto: Andreas Steindl
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Ein Prosit auf den Studienabschluss. Bestens gelaunt waren die Absolventen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Diese Erinnerung bleibt, so trist sie auch ist. 57 Jahre ist es her, da wurde Berthold Leibinger an der Technischen Hochschule Stuttgart in einem beliebigen Sekretariat sein Diplomzeugnis ausgehändigt – „Von einer mittelmäßig freundlichen Sekretärin“, erzählt er.

Deswegen berichtet Leibinger – der langjährige Chef des Maschinen- und Anlagenbauer Trumpf wurde am Freitagabend mit dem neuen Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet – viel lieber von der Feier, bei der seine Tochter ihren Architektur-Masterabschluss zelebrieren durfte: Das war in Harvard, und wie es an US-amerikanischen Hochschulen, die etwas auf sich halten, so Usus ist, flogen am Ende die Absolventenhüte in den Himmel. „Das hat mich tief beeindruckt“, sagt er, um den Blick durch das Innere des Dressurstadions in der Aachener Soers schweifen zu lassen.

Denn dort sitzen etwa 1000 Graduierte der RWTH Aachen, also junge Menschen, die gerade ihren Bachelor oder Master, ihr Diplom oder ihre Promotion erfolgreich gemeistert haben, tragen stolz diese typischen eckigen Hüte, um sie gleich noch viel stolzer in den Himmel zu werfen. So etwas hat es in Aachen noch nicht gegeben – es ist das erste große Graduiertenfest der Technischen Hochschule, die doch im nächsten Jahr schon 150 Jahre alt wird. Und Berthold Leibinger, der in einer beeindruckenden Rede an Haltung und Ideale der Absolventen appellierte, sagt: „Ich bin von diesem Bild hier überwältigt. Welch ein Rahmen, was für eine exzellente Idee, so ein Fest zwar nicht zu erfinden, aber es nach Deutschland zu holen.“ Und dann läuft der Countdown. Drei, zwei, eins und die etwa tausend Hüte fliegen.

Doch von Anfang an: Es ist in der Tat eine beeindruckende Zeremonie, die da von Seiten der RWTH Aachen unter dem Motto „Tschö wa!“ aufwendig – von Sponsoren finanziert – auf die Beine gestellt wurde, wo vor Wochen die frisch gekürte Dressur-Weltmeisterin Charlotte Dujardin mit ihrem Pferd Valegro sportliche Maßstäbe gesetzt hatte: im größten festen Dressurstadion der Welt. Dort seine Absolventen zu verabschieden, kann wohl keine andere Hochschule der Welt von sich behaupten. Nach einer Stunde buntem Programm mit Hochschulsport, Tanz und witziger Wissenschaft traben sie an, es ist ein ausgesprochen feierlicher Einzug, Fakultät für Fakultät. Das Bocholtzer Sinfonieorchester spielt dazu gewünschte Melodien, die deutlich machen, dass während des Studiums der Humor nicht auf der Strecke geblieben ist: Die Elektrotechniker haben sich „Mission Impossible“ (unmögliche Mission) gewünscht, die schier endlose Schlange der Maschinenbauer „Star Wars“ (Krieg der Sterne). Auf den Tribünen erheben sich Familie und Freunde und applaudieren. Ein paar Tränen laufen Wangen herab. „Das haben sich die Absolventen redlich verdient“, sagt Prorektor Malte Brettel, der für den erkrankten Kanzler Manfred Nettekoven kurzfristig als Moderator einsprang. Ein paar Grußworte später sind alle Hüte wieder ausgesammelt und es wird gefeiert. Es mag sehr amerikanisch gewesen sein, dieses Hütewerfen; ein toller Anblick und das pure Vergnügen für die Anwesenden – etwa 4000 sollen es gewesen sein – war es aber definitiv.

Das findet auch Berthold Leibinger. Der weiß, auch wenn er sein Diplom in Stuttgart erhalten hat, wie sich Aachener Absolventen fühlen dürfen: Sein Sohn hat erfolgreich in Aachen Maschinenbau studiert.

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