Gorch Fock: Zeugin belastet ehemaligen Schiffsarzt

Von: Wolfgang Schumacher
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Gorch Forck
Sechs Jahre nach dem Tod der Kadettin Jenny Böken auf der Gorch Fock verhandelt das Verwaltungsgericht Aachen über eine Entschädigungsklage der Eltern. Foto: dpa

Aachen. Gegen den ehemaligen Schiffsarzt des Marineschulschiffes Gorch Fock, Wolfgang Fohr, haben die Eltern der bei einem Einsatz verstorbenen Kadettin Jenny Böken erneut Strafantrag gestellt. Die 18-Jährige war im September 2008 nahe Norderney über Bord des Schiffs gegangen.

Im Namen der Familie erstattete der Aachener Anwalt Rainer Dietz in dieser Woche eine zweite Strafanzeige wegen des Verdachts des Totschlags. Der Arzt habe, heißt es in der Antragsschrift, bereits seit längerem gewusst, dass Jenny Böken damals auf ihrer Fahrt an Bord des Segelschulschiffs gesundheitlich angeschlagen und nicht diensttauglich gewesen sei.

Aufgrund der jüng­sten bundesweiten Berichterstattung in diesem Fall hat sich eine Zeugin aus Süddeutschland gemeldet. Laut ihrer Aussage – sie war zum fraglichen Zeitpunkt „Sanmeisterin“ und Assistentin des beschuldigten Schiffsarztes – sei Jenny Böken mehrfach täglich bei ihr und dem Arzt erschienen und habe über „diverse Beschwerden“, etwa Schlafstörungen, geklagt. Jenny Böken war während ihrer Wachen des Öfteren eingeschlafen. Trotzdem musste die 18-Jährige nachts auf dem „Ausguck Back“ der Gorch Fock Dienst schieben, hierbei ging sie gegen Mitternacht über Bord.

Die Zeugin belastet laut Antragsschrift den Schiffsarzt mit der Aussage: „Er wusste definitiv Bescheid“. Sie habe veranlasst, dass entsprechende Vermerke in eine sogenannte G-Karte der Krankenakte von Böken eingetragen wurden, der Eintrag sei aber verschwunden. Ob der Arzt das selber veranlasst habe, müsse geklärt werden. „Herr Fohr hätte keine Diensttauglichkeit attestieren dürfen“, heißt es in dem Strafantrag. Der Arzt habe mit seinem Verhalten, so Dietz weiter, den Tod von Böken „billigend in Kauf genommen“. Die Zeugin hatte sich an die Jenny-Böken-Stiftung gewandt und gesagt, sie könne nicht länger schweigen.

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