„Goldene Maske“ für Aachener Visagistin Malu Wilz

Von: Madeleine Gullert
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Aachen. Ungeschminkt geht Malu Wilz nie aus dem Haus. Das wäre wohl auch seltsam für eine Visagistin. Zumindest der rote Lippenstift muss sein. „Der ist mein Markenzeichen – seit mehr als 30 Jahren“, sagt Wilz.

Die Aachener Visagistin wird am Samstag bei der Düsseldorfer Messe Beauty mit der „Goldenen Maske für Visagistik“ ausgezeichnet – für besondere Kreativität, fachliche Kompetenz und Engagement für das Berufsbild. Sie sei eine internationale Größe und habe Maßstäbe für die professionelle Kosmetik gesetzt, ist in der Begründung der Jury zu lesen.

Eine internationale Größe, die ihre Schminkschule seit 1987 in Aachen hat. „Mit dem Schminkstudio wäre man vielleicht in Berlin, Hamburg oder München noch besser platziert. Welche großen Anlässe gibt es denn hier in Aachen, zu denen sich die Leute schminken lassen – außer vielleicht dem Orden wider den tierischen Ernst und dem Reitturnier?“ Aber sie hängt nun mal an ihrer Heimat und an ihrem Studio in der Innenstadt. Seit frühester Jugend lebt Wilz in Aachen.

Mehr als nur anmalen

„Sagen Sie immer Linien, nicht Falten, das hört sich viel besser an“, sagt Wilz bei einem Seminar in ihrer Schminkschule. Sie bildet dort tagsüber angehende Visagisten aus. „Die Augenbrauen sind der Rahmen des Gesichts“, sagt sie in breitem Aachener Dialekt. Markige Sprüche – das kann sie. Und die haben ihr sicher auch geholfen, so erfolgreich zu werden, wie sie ist.

Wilz hat ganz klein angefangen. Nach der Schule eine Ausbildung, damals hieß das noch Lehre, zum Friseur. Danach arbeitet sie sieben Jahre in der Parfümerie Hans Esser in Aachen. Nur Kosmetik zu verkaufen, war ihr zu langweilig, viel lieber wollte sie sehen, wie die Produkte an den Frauen aussehen. „Schminken ist mehr als nur Anmalen“, sagt Wilz, und das möchte sie Frauen zeigen. „Schon als kleines Mädchen hatte ich den Wunsch, Dinge zu verschönern.“

Nach mehreren Jahren in einer Kosmetikfirma machte sie sich 1979 selbstständig. „Ganz ohne Geld.“ Anfangs machte sie Hausbesuche und hat Leute bei sich geschminkt. Schon damals ging sie in Krankenhäuser und schminkte dort mit einer sogenannten Camouflagetechnik Menschen, die Verbrennungen im Gesicht haben, oder Chemotherapiepatienten. „Mit ein paar Strichen zu helfen, das macht noch mehr Spaß, als die Supermodels zu schminken“, sagt sie. Und das mit den Supermodels und Stars ist keine Floskel. Auf ihrem Handy zeigt Wilz Fotos: „Da habe ich Jerry Hall geschminkt.“

Sie ist auf der ganzen Welt unterwegs. Zuletzt reiste sie durch Pakistan. „Die schminken sehr stark, das sieht dann nach Bollywood aus“, sagt Wilz und zeigt Beispielfotos in einer ihrer vielen Mappen.

Sie hat Mappen mit Make-ups, die sie kreiert hat, aber auch Mappen mit Zeitungsartikeln über sie und ihre Arbeit. Spannend findet Wilz die unterschiedlichen Stile in den verschiedenen Ländern. Was sie schade findet: dass die deutschen Frauen sich noch zurückhaltend schminken. Zehn Minuten am Tag reichten doch. Tatsächlich besagt eine aktuelle Studie, dass weniger als die Hälfte der deutschen Frauen (49 Prozent) einmal im Jahr ein Make-up-Produkt kauft, in Frankreich und England seien es rund 75 Prozent.

„Viele Frauen haben Hemmungen, fühlen sich angemalt“, sagt Wilz. Dabei solle man doch nur das Schöne betonen. Sie ärgert sich, dass Frauen sich von retuschierten Fotos irritieren lassen. „Jeder hat etwas Schönes im Gesicht“, sagt Wilz und schaut dabei ganz automatisch in den Spiegel und wuschelt sich durch die blonden gewellten Haare. Berufskrankheit.

Alter? Make-up macht jünger!

Mit Hilfe von Make-up könne man jünger aussehen, sagt die Frau, die über ihre Alter nicht so gerne spricht. „Sagen wir 50 plus, aber eine Zahl ist doch auch nicht maßgebend.“ Andere Frauen in Wilz‘ Alter sind jedenfalls schon in Rente. Das ist für die Visagistin aber kein Thema. „Ich habe viel mit jungen Menschen zu tun, das hält jung.“

Ob sie ans Aufhören denkt? Ein völlig entsetztes „Nee“. Sie will so lange weitermachen, wie es ihr noch Spaß macht. Sie sehe den Beruf ja auch nicht als Arbeit, sondern überlegt sich für ihre Produkte neue Trends eben auch zu Hause. Eine richtige Trennung gibt es da nicht.

Es passt, dass auch Wilz‘ Mann Ole Melgaard in der Firma arbeitet. Ab und zu huscht er durchs Studio. Mit Schminken hat er aber nichts zu tun. „Da würden wohl die Pinsel fliegen“, sagt Wilz und lacht laut. Seit 24 Jahren ist Wilz verheiratet. Ihr Mann war früher bei der dänischen Luftwaffe, für sie hat er das Drangegeben und hält ihr den Rücken frei.

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