Aachen - Glücksspiel: „Ich bin immer gerne zu meiner Therapie gegangen“

Glücksspiel: „Ich bin immer gerne zu meiner Therapie gegangen“

Von: Carsten Rose
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Der 25-jährige Leon Glock hat seine Spielsucht erfolgreich in einer Therapie bekämpft. Symbolbild: dpa Foto: Jens Wolf/dpa-tmn

Aachen. Leon Glock, 25, ein sympathischer, ehrlicher junger Mann, redet über das dunkelste Kapitel seines Lebens: seine Wettsucht. Der Name des Studenten ist geändert.

WirHier: Warum hast Du mit Glücksspiel angefangen?

Leon Glock: Es ging mir am Anfang nie wirklich ums Geld. Abschalten können, dem Alltag entfliehen, das war wichtiger. Ich war mit 16 aus Neugier das erste Mal in einer Spielhalle mit einem Freund, und in dem Alter gingen die ersten persönlichen Probleme los. Ich war in der pubertären Null-Bock-Phase. Das Spielen war ein Ersatz, ich konnte verdrängen.

WirHier: Wie ging Deine Geschichte weiter?

Leon: Ich war direkt angefixt, und irgendwann habe ich mich auf Sportwetten konzentriert, und die Einsätze wurden immer größer. Ich habe immer gedacht, dass ich mich gut auskenne mit Sport und mein Glück so auch beeinflussen kann.

WirHier: Wie hast Du das finanziert?

Leon: Ich habe in der Ausbildung Geld verdient und Taschengeld bekommen. Und man hatte ja auch mal Glück.

WirHier: Wie viel hast Du gesetzt?

Leon: Manchmal sogar einen mittleren vierstelligen Betrag. Ich habe meistens auf Fußball gesetzt. Man kann sich das ja ausrechnen, wenn man sieht, wie oft Fußball läuft... Mit 18, 19 habe ich immer öfter und immer mehr gewettet. Mit 22 ist dann alles aufgeflogen.

WirHier: Wie?

Leon: Im November 2015, da war ich 23, habe ich meinen Eltern 1000 Euro geklaut, das Geld habe ich mit einer Girokarte abgehoben. Dass es rauskommt, war mir klar. Mein Vater hat jeden verdächtigt – nur niemanden aus seiner Familie. Ich hätte es zugeben können, bevor er zur Bank gefahren ist, um die Videos der Kameras am Bankautomaten anzuschauen. Aber ich habe so ein Lügenkonstrukt aufgebaut, dass ich nicht mehr ehrlich sein konnte. Mein Vater hat gesehen, dass ich es war. Danach habe ich alles offen gelegt.

WirHier: Wie hast Du Dich während der Sucht verändert?

Leon: Ich bin abgestumpft, hatte keine Gefühle mehr und habe das Ganze nicht mehr an mich rangelassen. Geld hatte für mich keinen Wert mehr. Trotzdem habe ich mir eingeredet: Dir geht es eigentlich gut damit.

WirHier: Und Äußerlich?

Leon: Gar nicht. Mir war es wichtig, den äußeren Schein zu bewahren, und deswegen habe ich meine Freunde auch nicht vernachlässigt. Ich habe eine Fassade aufgebaut.

WirHier: Hast Du jemals an eine Therapie gedacht?

Leon: Während der Sucht nie. Als es rausgekommen ist, wusste ich aber, dass es der letzte Ausweg sein wird. Mir ist es auch nicht schwer gefallen, weil eine Last von mir gefallen ist, weil ich aufhören konnte zu lügen. Und ich konnte mit der Therapie meine Eltern beruhigen. Ich habe sie so verletzt.

WirHier: Wer ist schuld an Deiner Sucht?

Leon: Ich bin dafür verantwortlich.

WirHier: Was genau hat Dir geholfen?

Leon: Man ist von Anfang an offener, weil man mit jemandem redet, der sich mit dem Thema auskennt. Man kann Fehler machen, und es geht immer weiter. Und man hat zweimal die Woche Tage, an denen man so richtig über sein Leben reden kann. Das ist anstrengend und bedeutet auch Arbeit.

Es hat mir von der ersten Sitzung an extrem geholfen. Ich bin immer gerne zu meiner Therapie gegangen und habe gelernt, selbst meine Probleme zu reflektieren. Ich bin echt zufrieden mit dem wie es nach den gut anderthalb Jahren Betreuung gekommen ist.

WirHier: Wolltest Du mal abbrechen?

Leon: Nein, nie. Dienstag und Donnerstag waren immer meine Tage.

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