Kelmis - „Glück auf“ in Ostbelgien? Firma plant Bergbau-Probebohrungen

„Glück auf“ in Ostbelgien? Firma plant Bergbau-Probebohrungen

Von: Alexander Barth
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Bisher nur ein Vorhaben: neue Stollen in Ostbelgien. Spuren der Bergbau-Vergangenheit finden sich bis heute, etwa an versiegelten Schächten und Abraumhalden in Plombières. Foto: A. Barth
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Bisher nur ein Vorhaben: neue Stollen in Ostbelgien. Spuren der Bergbau-Vergangenheit finden sich bis heute, etwa an versiegelten Schächten und Abraumhalden in Plombières. Foto: A. Barth

Kelmis. Nicht mehr allzu viel deutet in den ostbelgischen Grenzgemeinden auf die bewegte Vergangenheit hin. Das alte Direktionsgebäude, der geflutete Tagebau oder die markanten Abraumhalden zeugen noch von der jahrhundertelangen Bergbaugeschichte von Kelmis und Plombières (dt. Bleyberg). Wenn es nach den Plänen des belgischen Unternehmens WalZinc geht, könnte die Historie demnächst fortgeschrieben werden.

Die Firma plant Probebohrungen in eben jener Region, in der bereits bis in die 1930er Jahre vor allem Galmei abgebaut wurde, ein Mineral zur Herstellung von Zink und Messing. Heißt es eines Tages wieder „Glück auf“ in Ostbelgien?

In einem Behördendokument, das unserer Zeitung vorliegt, ist zu lesen, dass das Ziel des Unternehmens ist, das Vorkommen von Mineralien zu erforschen. Außerdem geben die WalZinc-Verantwortlichen darin an, dass sie eine Machbarkeitsstudie für Minen anpeilen. Um dies umzusetzen, kann die Firma nun Minenrechte und geologische Untersuchungsrechte beantragen.

Aktuell plant WalZinc einen Genehmigungsantrag für Bodenuntersuchungen, die – so offenbar die Hoffnung – neben den bereits bekannten Vorkommen des Zinkerzes Galmei auch weitere Edelmetalle und sogenannte seltene Erden hervorbringen sollen. Letztere sind für die Herstellung von Computertechnik von großer Bedeutung, etwa von Smartphones.

Konkret geht es WalZinc unter anderem um seltene Metalle wie Gallium, Cadium und Thallium, aber auch Silber, Gold und Kupfer. Aus einer Broschüre des Unternehmens geht hervor, dass sich die mögliche Haupttätigkeit auf das Gebiet der Flächengemeinde Plombières, die im französischsprachigen Teil der Wallonie liegt, und das deutschsprachige Kelmis konzentriert.

Den größten Teil des geplanten Projektraums bilden laut der Broschüre bereits in früheren Jahrhunderten erschlossene Bergbaugebiete. Aber auch Gemmenich, an der Grenze zu Deutschland gelegen, sowie Raeren und Lontzen liegen im Blickfeld von WalZinc.

Soweit die Theorie, die das 2017 gegründete Unternehmen in der vergangenen Woche auf einer Infoveranstaltung in Plombières der Öffentlichkeit vorstellte. Diesen Schritt schreibt die Wallonie vor, um einen Antrag auf Erforschung des Bodens stellen zu können. Dort schlug den Verantwortlichen aber die blanke Ablehnung der Bevölkerung im ehemaligen Bergbaugebiet entgegen, berichtet Rainer Hintemann, Umweltschöffe von Kelmis.

Die Aussicht, dass Rohstoffe für Bauteile von Smartphones in Ostbelgien abgebaut werden könnten, missfällt auch ihm. Hintemann, Mitglied der belgischen Grünen, blickt aufmerksam auf die Pläne für eine Region, die sich gerade erst vom Bergbau erholt. „Ich sehe noch nicht, dass sich hier in absehbarer Zeit etwas tut und der Boden im großen Stil umgegraben wird.“

Schließlich stünden etliche rechtliche Hürden vor einer möglichen Wiederaufnahme des Bergbaus, dazu gehöre der Aufwand für die Beschaffung der nötigen Lizenzen. Die Ernsthaftigkeit des Vorhabens zweifelt Hindemann indes nicht an. „WalZinc präsentiert einen Forschungsanspruch, hat Geologen mit im Boot. Aber es ist offensichtlich, dass hier wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.“

Dass WalZinc bereit sei, sieben Millionen Euro in die erste Phase des Projekts zu investieren, läßt ihn aufhorchen. „Auch ich bin sicher, dass da noch einiges unter uns schlummert. Die Idee zur Förderung gab es ja immer wieder, auch seitens der Wallonie. Aber der Aufwand ist immens. Ich glaube nicht, dass man den Menschen hier vermitteln kann, dass die Natur und der Untergrund für Profitinteressen wieder aufgewühlt werden.“

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