Gleich zwei Erdrutsche beschäftigen die Straßenbauer

Von: Udo Kals
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Felsgestein an der B 266 vor Einruhr machte sich jetzt selbstständig. Eine Beton-Barriere aus „Legosteinen“ soll bis auf weiteres die Verkehrsteilnehmer schützen. Foto: P. Stollenwerk

Langerwehe/Simmerath. Die Botschaft ist unmissverständlich – und für Arnd Meyer nicht übertrieben: „Achtung Lebensgefahr“ steht auf dem provisorisch aufgestellten Schild an der Krichelsmühle bei Schevenhütte, ein Teilstück der Landstraße 12, die den Stolberger Stadtteil und Langerwehe verbindet, hat Meyer als zuständiger Projektleiter des Landesbetriebs Straßen.NRW gesperrt. „Aus gutem Grund“, wie er sagt.

Bei einem Erdrutsch lösten sich an einem Steilhang rund 510 Tonnen Erdreich und Geröll, bis zu 70 Zentimeter große Felsbrocken durchbrachen einen bereits bestehenden Schutzwall und rollten auf die Straße. Personen wurden bei gleich drei Autounfällen an diesem Morgen zwar nicht verletzt. „Doch als unsere Mitarbeiter den Hang untersuchten, rutschten weitere Erdmassen nach“, sagt Meyer.

Das war Ende Januar, jetzt naht der Sommer. Die Politik murrt, zudem missachten immer wieder Auto- und Zweiradfahrer sowie Fußgänger das Durchfahrt- beziehungsweise Durchgangsverbot, um sich die Umleitung zu ersparen oder die Unglücksstelle anzusehen. Vielen dauert die Baustelle bereits jetzt zu lange. Doch Matthias Bächler, Vize-Leiter der Landesbetrieb-Niederlassung Ville-Eifel, bittet um weitere Geduld – und um Verständnis: „Es war ein Notfall, daher ist die Baustelle schlecht planbar gewesen. Zudem haben wir auf eine geologische Untersuchung und nicht auf blinden Aktionismus gesetzt.“ Nach der Untersuchung des Terrains war die Lösung klar. Auf einer Länge von 450 Metern wurde der 20 Meter hohe Hang gerodet, Hunderte Bäume wurden gefällt. „Das war eine Menge“, sagt Meyer. Derzeit werden Felsanker ins feste Gestein getrieben, an denen in sechs Abschnitten auf insgesamt rund 1500 Quadratmeter Drahtnetze gespannt werden, die den Hang sichern sollen. Kostenpunkt: 500 000 Euro. Bis Ende Juli sollen die Arbeit fertig sein.

So weit sind die Experten einige Kilometer südlich von Schevenhütte noch nicht, wo die Straßenbauer in Einruhr vor einem ähnlichen Problem stehen. Mitte April rutschten rund 100 Tonnen Geröll an einer steilen Böschung ab – und blieben kurz vor der vielbefahrenen B 266 liegen. Auch hier hatten die Verkehrsteilnehmer Glück, Verletzte gab es keine. Seither sichern große Beton-Legosteine den Verkehr vor möglichen Erdrutschen, gesperrt werden musste die Bundesstraße nicht. Zwar sei der Hang in Bewegung und man könne nicht ausschließen, dass Erdreich nachrutsche, sagt Bächler. Doch er betont: „Es besteht keine akute Gefahr. Solange die Straße auf ist, besteht aufgrund der bestehenden Sicherungsmaßnahmen keine Gefahr.“ Wann und wie das Problem indes behoben wird und wie teuer dies wird, wissen Meyer und Bächler nicht. Derzeit laufen geologische Untersuchungen des „Riesenhangs“ (Meyer), der zur sogenannten Dedenborner Störung gehört, einer den Fachleuten bekannten geologischen Verwerfung.

Davon gibt es in der Region vielem, sagt Bächler. Doch Erdrutsche seien eine Seltenheit. „In den vergangenen 20 Jahren ist nichts passiert.“ Dass nun zwei Abgänge in kurzer Folge erfolgten, mag Zufall sein. Ein möglicher Grund könnten aber die Wetterverhältnisse mit viel Frost und Regen sein, mutmaßt Bächler. Da reagiere ein Fels wie herkömmlicher Straßenbelag, veranschaulicht Meyer. Durch einen Riss trete Wasser ein, der Fels könne unterspült werden, bei Kälte könne sich der Riss vergrößern, Stein abplatzen.

„Manche Dinge nicht erkennbar“

Steine auf der Straße oder der sogenannte krumme Säbelwuchs bei Bäumen seien zwar Hinweise, dass ein Erdrutsch möglicherweise bevorstehe, sagt Meyer. „Manche Dinge sind aber nicht erkennbar“, führt Bächler aus. Und eine intensive Komplettkontrolle aller Hänge sei schlicht nicht zu gewährleisten. Wobei die Straßenbauer gerade bei Projekten in der Eifel wie dem nun anstehenden Ausbau des Monschauer Burgrings die Hänge eingehend untersuchten. „Eine Gefahr gibt es dort immer.“ Manchmal eben auch Lebensgefahr.

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