Gladbeck-Gangster kämpft für Entlassung aus JVA Aachen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Das Geiseldrama von Gladbeck: Hans-Jürgen Rösner mit Waffe in der Hand am 18. August 1988 während der Flucht. Foto: dpa/Archiv

Aachen. Für den in der Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA) sitzenden Gladbeck-Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner (58) rückt ein entscheidendes Datum in erreichbare Nähe. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Gefangene hat in etwa elf Monaten, am 29. August 2016, die Chance, zum ersten Mal nach seiner Verurteilung 1991 eine Haftentlassung auf Bewährung zu beantragen.

Rösner war damals zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Nimmt der Minister Einfluss?

Rösner hatte im Verlauf seiner Haft lange jede Form von Therapie abgelehnt, er sei ein normaler Mensch und brauche keine psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe, hatte er oftmals gegenüber den Haftanstalten getönt. Rösner hatte Mitte August 1988 mit Dieter Degowski eine Bank in Gladbeck überfallen, danach begann das in die deutsche Geschichte eingegangene Geiseldrama von Gladbeck.

Doch auch Bankräuber werden altersmilde. Inzwischen sei ein „Prozess des Umdenkens“ bei Rösner eingetreten, sagt sein Aachener Anwalt Rainer Dietz. Er arbeitet deswegen auch auf eine erneute Überprüfung von Rösners Haftbedingungen hin. Nach Dietz‘ Meinung ist es an der Zeit, Rösner sogenannte Ausführungen aus dem Gefängnis zu gewähren.

In der Tat müssen Gefangene, deren Haft sich dem Ende zuneigt, laut Gesetz auf eine Entlassung vorbereitet werden. Dazu können auch Ausführungen gehören, bei denen Häftlinge sich in Begleitung zeitweise außerhalb des Gefängnisses frei bewegen können. Bei Rösner geriet die Vorbereitung auf die Haftentlassung allerdings ins Stocken, zwischenzeitlich wurde ihm ein hohes Rückfallrisiko attestiert.

Im Mai 2014 hatte die Strafvollstreckungskammer am Aachener Landgericht Rösner besagte Ausführungen eingeräumt, allerdings unter Auflagen. Doch gegen diese Auflagen wehrt sich Rösner über seinen Anwalt. Rainer Dietz findet, die Ausführungen würden unbotmäßig hinausgezögert oder womöglich ganz verhindert, er hat sogar den Verdacht, dass Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD), Dienstherr der Gefängnisse in NRW, Einfluss auf den Fall genommen hat.

Ein Sprecher des Justizministeriums bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Vorgang Rösner tatsächlich bei Minister Kutschaty liege. Es seien umfangreiche Prüfungen der Sicherheitslage bei Ausführungen Rösners nötig, die dann mit der JVA abgestimmt würden. „Wenn das alles erfüllt ist, wird sich der Minister nicht gegen den Vorgang sperren“, sagte Feige. Doch solange Rösner und sein Anwalt den gerichtlich festgelegten Auflagen nicht zustimmen, wird es keine Ausführungen geben.

Ein neues Gutachten

Der Essener Psychiater Norbert Leygraf, einer der renommiertesten forensischen Gutachter im deutschsprachigen Raum, ist im Moment dabei, ein Gutachten über Rösners Persönlichkeit zu erstellen. Darin soll geklärt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Rösner sich nach einer Haftentlassung ans Gesetz halten wird. Auf Grundlage dieses Gutachtens wird dann darüber entschieden, ob Rösner für eine Haftentlassung nächstes Jahr in Frage kommt.

Rösners damaliger Mittäter, der als Mörder verurteilte Dieter Degowski (60), ist allem Anschein nach schon etwas weiter. Er beschäftigt sich bereits mit seiner Zeit nach der Haft und denkt laut Süddeutscher Zeitung über die Vorteile einer Namensänderung für sein neues Leben nach.

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