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Gisela Läufer: Blumen sind ihr Leben

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Für Gisela Läufer der schönste Job der Welt: Als Blumenfrau berät sie jeden Samstag die Kunden auf dem Neumarkt in Aachens Frankenberger Viertel. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Bei ihr hat der Frühling längst Einzug gehalten: Mit geschicktem Griff angelt Gisela Läufer ein Bund gelbe Tulpen aus dem Wassertopf. Die Kundin zögert, und die freundliche Blumenfrau lässt ihr Zeit. „Zehn oder 20? Die kann man auch mit einer anderen Farben kombinieren“, berät sie geduldig und wickelt schließlich zu den zehn gelben noch zehn weiße Frühlingsboten.

Flink hat sie im Kopf den Preis ausgerechnet, und schon ist der Nächste aus der kleinen, geduldig anstehenden Menschenschlange an der Reihe.

Hier wird nicht gedrängelt, denn wartend hat man noch ein bisschen Zeit zum Schauen und Entscheiden. Samstags auf dem Aachener Neumarkt treffen sich all jene, die Freude an der vertrauten Atmosphäre dieses rundum von Häusern umstandenen kleinen Platzes im Frankenberger Viertel haben. Wo sonst die Kinder spielen und lärmen, gibt es am Wochenende regelmäßig Gemüse, Obst, Eier, Käse, Oliven, Fisch, Brot, Brötchen – und natürlich Blumen. Der Lastwagen-Anhänger wird zum Laden, die Wassertöpfe stehen auf dem Boden, links die etwas kleineren Blumen, zurzeit Rosen und Tulpen – rechts alles, was etwas längere Stiele hat.

Hinter bunten Blüten und frischem Grün lächelt Gisela Läufer jedem Kunden herzlich entgegen. Im Moment ist sie noch warm eingepackt in mehrere Schichten aus warmen Jacken und Pullovern. Blumenfrau – das ist gar nicht ihr Beruf, es ist eine samstägliche Leidenschaft, die sie seit 1997 lebt. Nach der Schule hat die Aachenerin eine Lehre als Textilkauffrau bei der Aachener Tuchfabrik Leo Führen absolviert. Beim nächsten Unternehmen sollte es um Auftragsabwicklung gehen. Interessant, dachte die stets wissbegierige junge Frau. „Und dann musste man nur dauernd Häkchen auf Listen machen.“ Nichts für Gisela Läufer.

Eine Bewerbung beim Weinhandel Nagel & Hoffbaur klappte sofort – Büroarbeit, Kunden, das machte Spaß. Und dann kam ein Mann, in den sie sich verliebte – Ernst Läufer, eloquent, charmant – nicht nur im Umgang mit den Wein- und Sektliebhabern. „Man sah das damals nicht so gern im Betrieb“, erinnert sie sich. „Aber wir haben es trotzdem gewagt. Die Stelle war allerdings verloren.“ Dann gab es eine weitere Facette: Laborbedarf und Neonwerbung. Jetzt kennt sie sich selbst damit aus – und arbeitet bis heute in diesem Unternehmen im Hochschulviertel. Mit ihrem Mann ist sie viel gereist. Er starb 1996, und ein Jahr später bot man ihr den Blumen-Job an.

Samstags wird also nicht ausgeschlafen. Der Tag beginnt um 6 Uhr früh, ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint. Dann zieht sie ein Schlüsselbund aus der Tasche, öffnet den weißen Anhänger, klappt die Seitenwand hoch und holt von der Ladefläche, was gerade saisonal an der Reihe ist – Frühling, Sommer, Herbst und Winter finden auf wenigen Quadratmetern statt, bis zu 40 Blumensorten, auch Exoten. „Das musste ich alles lernen, manchmal habe ich sogar Nachbarhändler gefragt“, lacht sie. Gegen 14 Uhr schließt sie alles ab, gießt das Wasser aus und packt zusammen. Später wird der Wagen vom Chef abgeholt. Daheim wartet die fast 90-jährige Mama mit einem leckeren Auflauf.

Gisela Läufer mag ihre Arbeit. „Blumen sind etwas Lebendiges, Schönes, das ist ganz anders, als eine Verbrauchsware zu verkaufen“, lächelt sie versonnen. „Ich möchte das niemals mehr missen.“ Viele, die sich bei ihr einen Strauß holen, kennt sie seit Jahren. Es wird gelacht, sie ist schlagfertig und hat stets einen witzigen Spruch auf Öcher Platt parat – kein Wunder, schließlich ist sie Tochter der alteingesessenen Aachener Bäcker-Familie Straeten, war zunächst mit einer Freundin als Tanzpaar und danach als flotte Marketenderin mit der Oecher Penn auf den Karnevalsbühnen unterwegs.

Sie kennt manches Schicksal, weiß von schönen und traurigen Ereignissen in den Leben der anderen, selbst von Eigenheiten: „Es gibt Leute, die wollen nur weiße Blumen.“ Gisela Schäfer hat treue Kunden – und ein paar von ihnen sind Vierbeiner. Olga etwa, eine kleine Foxterrierhündin, war samstags die treueste Besucherin. „Alle bekommen sie von mir ein Leckerchen,“ versichert Gisela Läufer. „Olga bestand zusätzlich darauf, aus einem der Wassertöpfe zu trinken.“

Inzwischen ist Olga nicht mehr da, aber ihre Blumenfrau wird sie nicht vergessen. „Wenn ich Leute lange nicht sehe, mache ich mir Sorgen, ich kann gar nicht anders“, sagt sie nachdenklich. Und vom Handel mit Blumen hatte sie zunächst überhaupt keine Ahnung. „Brot und Brötchen, da kannte ich mich aus“, lacht die 57-Jährige. „Also habe ich ab 1979 zunächst beim Stand der Eifelbäckerei gearbeitet, das war bereits auf dem Neumarkt.“ Beim Skilaufen stürzte sie und brach sich Schien- und Wadenbein. Als Gisela Läufer wieder mobil wurde, war der Job weg – aber ein neues Angebot tauchte auf. „Ich hätte nie gedacht, dass mich das so glücklich macht.“ Sie strahlt.

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