Aachen - Gift-Mord aus Habgier: Mann hinterließ 100.000 Euro

Gift-Mord aus Habgier: Mann hinterließ 100.000 Euro

Von: dpa/wos
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Ärztin Prozess
Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Prozess um den Mord an ihrem 50 Jahre älteren Mann aus Habgier hat die Angeklagte das Opfer als nicht überaus vermögend bezeichnet. Der 85-jährige Lebensmittelkaufmann sei ein sparsamer Mensch gewesen.

Laut einer notariell beurkundeten Aufstellung, die im Saal verlesen wurde, beträgt der Nachlass des Mannes rund 100.000 Euro. Seiner 35-jährigen Ehefrau hatte er laut Anklage die Kontovollmacht entzogen, nachdem sie zu ihrem Liebhaber nach Ulm ziehen wollte. Laut Anklage soll die Frau ihren Mann mit einer Überdosis Morphin umgebracht haben, um sich das Erbe zu sichern. Vor Gericht schwieg die Angeklagte am Montag.

Der Kaufmann hatte seine junge Frau in den 90er Jahren bei einem Friseurbesuch kennengelernt. Sie hatte dort ein Praktikum gemacht, wie aus dem vorgelesenen Lebenslauf der Frau deutlich wurde. In dieser Zeit war sie in einem Methadon-Programm für Drogenabhängige, wie die Hausärztin des Paares aussagte.

Zuletzt sei der Mann schwer herzkrank gewesen, sagte die Ärztin. Sie beschrieb das Ehepaar als verschlossen. Der Umgang miteinander sei respektvoll gewesen. Sie habe sich aber gewundert, als die junge Witwe bald nach dem Tod des Mannes erzählte, sie wolle nach Ulm ziehen, um eine neue Stelle anzutreten. „Das kam mir für einen Trauerprozess sehr schnell vor”, meinte die Zeugin.

Der 85-jährige Aachener soll vor allem sparsam gewesen sein. Das sagte der Sohn des Opfers, Dieter H. (62), am Montag vor dem Aachener Schwurgericht über seinen Vater, den Lebensmittelkaufmann Hermann H. Wie es sich gehöre als kluger Geschäftsmann, habe der Vater für seine Einzelhandelsgeschäfte in Aachen grundsätzlich um den besten Preis für frische Ware gefeilscht.

Eine frühere Ehefrau berichtete, dass die Einnahmen aus dem Geschäft zwar zum Leben reichten, große Sprünge waren aber nicht drin. Und sie berichtete über den Hang ihres Ex-Mannes, von dem sie sich 1984 hatte scheiden lassen, zu jungen Frauen. Trotzdem hielt sie auch nach der Scheidung den Kontakt zu H., sogar dann noch, als etwa im Jahr 1996 die damals 20-jährige Lydia auftauchte.

Hin- und hergerissen sei er gewesen, berichtete die frühere Ehefrau. H. plagten Ängste, ob er die junge Frau überhaupt an sich binden könne. Später dann ermöglichte er ihr sowohl den Schulbesuch wie auch das Medizinstudium. Nach Auskunft einer Praxishelferin sowie der gemeinsamen Hausärztin des Paares gingen die beiden gut miteinander um. Mit der Gesundheit von H. sei es in den vergangenen Monaten allerdings steil bergab gegangen. Er erlitt einen zweiten Herzinfarkt und die Altersdiabetes machte ihm zusehends zu schaffen.

Kurz vor der mutmaßlichen Tat am 16. Februar dieses Jahres hatte die frischgebackene Ärztin, sich als Narkoseärztin in der Ulmer Uniklinik beworben. Sie habe unbedingt zu ihrem neuen Liebhaber im Süddeutschen gewollt, sagt die Staatsanwaltschaft. Der Ehemann sei da wohl im Weg gewesen.

In Ulm wurde sie genommen, weil sie glänzende Zeugnisse vorlegte. In der Praxis allerdings ließ sie nach, berichtete der Chefarzt der Klinik am Montag. Ihr Vertrag sollte mit der Probezeit enden. Bereits bei ihrer Vorstellung, also vor dem Tod des Mannes, habe sie angegeben, verwitwet zu sein und von dem geerbten Vermögen zu leben. Der Prozess geht Donnerstag weiter.
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