Geständnisse in Kunstfälscher-Prozess: „Alles war absurd einfach”

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Köln. Das Millionen-Geschäft mit falschen Kunstwerken war für das in Köln angeklagte Fälscher-Quartett besonders wegen der Gutgläubigkeit der Kunstexperten ein leichtes Spiel.

„Alles war absolut einfach”, sagte die Beschuldigte Helene B. am Donnerstag am Landgericht Köln. Nach ihrem Mann Wolfgang B. legte sie als zweite Angeklagte ein Geständnis in dem spektakulären Kunstfälscher-Prozess um die angeblichen Sammlungen Jägers und Knops ab.

Die Angeklagten sollen mindestens 47 gefälschte Gemälde in den Kunstmarkt geschleust und dafür rund 16 Millionen Euro kassiert haben. Das Gericht hat ihnen im Falle umfassender Geständnisse Haftstrafen bis höchstens sechs Jahren und die Einstellung der weiteren Ermittlungen in Aussicht gestellt.

Ihr Mann Wolfgang B. habe „den „Gedanken der Sammlung Jägers kreiert”, die vermeintlichen Werke von berühmten Künstlern der 20 Jahre gefälscht, die Preise vorgegeben und den Verkauf geplant, sagte Helene B. Sie selber habe den Kontakt zu Kunsthistorikern gehalten, um an Echtheitsexpertisen zu kommen, und in mehreren Fällen auch für die Einlieferung der Gemälde in Auktionshäusern gesorgt.

„Ich hätte es anfangs niemals für möglich gehalten, dass die renommiertesten Kunsthistoriker auf die Fälschungen meines Mannes reinfallen würden”, sagte Helene B. „Das Ganze erschien mir absurd einfach.” Man habe sich in der Szene wohl auch nicht gewundert, dass die angeblich verschollenen Gemälde plötzlich auftauchten und zum Verkauf angeboten wurden. Verwunderlich sei auch, dass keinem Experten die falschen Galerie-Aufkleber auf den Rückseiten der Gemälde aufgefallen seien. „All das erschien mir paradox.”

Drei Fälschungen habe sie mit Hilfe ihrer ebenfalls angeklagten Schwester Jeanette S. dem Kölner Kunsthaus Lempertz angeboten. Sie sei davon ausgegangen, dass Lempertz die Echtheitsnachweise besorgen würde. Bei Lempertz war unter anderem das angebliche Werk von Heinrich Campendonk, „Rotes Bild mit Pferden”, im Jahr 2006 für 2,9 Millionen Euro mit Aufschlag versteigert worden.

Als Zweifel an der Echtheit aufkamen, habe der Inhaber sie gefragt, ob sich ihre Mutter an das Bild aus der vermeintlichen Sammlung des Großvaters erinnern könne. Daraufhin habe sie ihre Mutter unter einem Vorwand gebeten, dies handschriftlich zu bestätigen. „Ich habe auch meine Mutter getäuscht”, sagte Helene B.

Im Fall einer bereits 2003 bei Lempertz versteigerten Fälschung eines angeblichen Werks von Max Pechstein habe sie dem Haus ein gefälschtes Foto geschickt, das angeblich ihre Großmutter im Jahr 1937 vor dem Bild zeigt. In Wirklichkeit habe sie selber für das Bild posiert, sagte Helene B. Die Kunstfachleute hätten es ihnen „so einfach gemacht”. „Die ganze Angelegenheit bekam immer mehr Eigendynamik.”

Die ebenfalls angeklagte Schwester Jeanette S. sagte, sie habe in nur drei Fällen Gemälde an Käufer übergeben und von der fingierten Herkunftslegende gewusst. Sie habe aber bis kurz vor ihrer Festnahme nicht geahnt, dass ihr Schwager Wolfgang B. die Bilder gefälscht habe. Sie habe mit der Übergabe der Bilder ihrer krebskranken Schwester einen Gefallen tun wollen. Für ihre Vermittlung habe sie insgesamt rund 100.000 Euro erhalten.
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