Köln - Gesine Danckwarts „Goldveedelsaga” in Köln uraufgeführt

Gesine Danckwarts „Goldveedelsaga” in Köln uraufgeführt

Von: Ulrich Fischer, dpa
Letzte Aktualisierung:

Köln. Ein ganz gewöhnlicher Platz in Köln, mit ganz gewöhnlichen Anwohnern: Hier, und nicht im Theater, spielt die „Goldveedelsaga”.

Das Stück von Gesine Danckwart wurde am Freitagabend vom Kölner Schauspiel uraufgeführt. Das Ensemble ging mit der Autorin, die gleichzeitig Regie führte, ins Freie zum Platz Krefelder Straße/Ecke Balthasarstraße. Die originelle Idee quittierte das Publikum der Uraufführung am Freitagabend mit einhelligem, lang anhaltendem Applaus.

Ein Lastwagen fährt auf den Platz und mit großem Trara und Zirkusflitter werden die Zuschauer mit einem Empfänger und Kopfhörern ausgestattet. Dann geht es wirklich los. In einer Nebenstraße wohnt im vierten Stock ein Student - er übernimmt das Mikrofon und erklärt, wie ruhelos er ist. Anstatt sich seinen Studien zu widmen, will er noch ein Bier trinken gehen - aber eigentlich sucht er Gesellschaft. Eine alte Nachbarin von ihm, die unterm Dach residiert, hat ein ähnliches Problem, auch sie leidet unter Einsamkeit.

Am interessantesten aber ist Mira. Marie Rosa Tietjen spielt die junge Frau, die in der Kneipe als Bedienung anfängt, als ambitionierte Kellnerin. Sie möchte mal so schnell sein wie ihre ältere Kollegin, einen richtig Job haben, fest, sechs Tage die Woche. Heimlich träumt sie gar davon, selbst mal als Wirtin hinter dem Tresen zu stehen. Ein bescheidener Ehrgeiz, ein kleiner Traum.

Das bizarrste Gebäude an dem kleinen Platz ist die Kirche. Sie musste in eine Baulücke passen und der Architekt wählte als Baustoff Beton. Der Organist führt uns durch sein kalt anmutendes Gotteshaus und erzählt von Aufstieg und Niedergang.

Der Grundgedanke, den Platz zu öffnen, Häuser und Menschen zum Sprechen zu bringen, sich die Zeit zu nehmen, hinzuschauen und zu -hören, woran man im Alltag blind und taub vorbeieilt, eine Stadtführung der intimeren Art, ist bezwingend. Aber Gesine Danckwart gelingt kein wirklich interessantes Porträt. Die Geschichten der Einzelnen sind meist allzu harm- und ziellos, bleiben anekdotisch, episodisch, verbinden sich nie zu einem Ganzen.

Es ist fast unmöglich, heute Kölner zu porträtieren, weil meisterhafte Schilderungen dieser ganz speziellen Rheinländer vorliegen. Heinrich Böll hat Figuren aus Köln beschrieben, die seit Jahrzehnten überdauern - und die er nicht nur porträtierte. Böll zeichnete mit ihnen ein kritisches Bild der Gesellschaft. Jeder Schriftsteller muss sich an ihm messen lassen. Auch wenn das Ensemble engagiert spielt, Gesine Danckwart bleibt hinter dem Nobelpreisträger, der eine Kölnerin wie Katharina Blum zu schaffen vermochte, allzu weit zurück.

# dpa-Notizblock

## Internet - [Schauspiel Köln](www.schauspielkoeln.de)

## Ort - [50670 Köln](Krefelder Straße/Ecke Balthasarstraße)

## Service - Aufführungen am 13., 14., 16., 18., 19., 20., 21, 25., 26., 27. und 30. Oktober

- Kartentelefon: +49 221 22128400

Die folgenden Informationen sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt

## Ansprechpartner - Petra Franke, Pressestelle, Offenbachplatz, 50667 Köln +49 (0) 221 221 28282, petra.franke@stadt-koeln.de

## dpa-Kontakte - Autor: Ulrich Fischer, +49 171 533 93 81 - Redaktion: Silke Katenkamp, +49 211 3803 123, dpa fiu hz yynwd
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