Gesetzliche Betreuer: Nicht entmündigen, sondern helfen

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Der gesetzliche Betreuer Mathi
Der gesetzliche Betreuer Mathias Wiesehöfer hilft Menschen bei Alltäglichem. Foto: N. Gottfroh

Aachen. Michael B. nimmt seinen Scheck entgegen und pustet auf die noch nicht ganz trockene Tinte. Ein Ritual wie in jeder Woche. Denn sein Geld bekommt Michael B. stets als Scheck aus den Händen von Mathias Wiesehöfer.

Wiesehöfer ist gesetzlicher Betreuer beim Katholischen Verein für soziale Dienste in Aachen (SKM) und betreut auch den 31-jährigen Michael B.

„Einfach zum Automaten gehen und Geld für den täglichen Bedarf abheben, das kann Michael nicht”, sagt Wiesehöfer und erklärt: „Mit Geld umzugehen fällt ihm schwer und die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld schon am Monatsanfang mit vollen Händen ausgegeben wird, ist hoch.”

Aufgrund einer Minderbegabung ist Michael B. nicht in der Lage, seinen Alltag in vollem Umfang selbst zu regeln. Vermögensangelegenheiten beispielsweise überfordern ihn, komplizierte Behördengänge erst recht.

Diese Aufgaben übernimmt sein gesetzlicher Betreuer Mathias Wiesehöfer nun für ihn. B. ist nicht die einzige Person, um die sich Wiesehöfer kümmert: Für 38 weitere Menschen aus Aachen ist er der gesetzliche Betreuer. Seine Kolleginnen Cordula Ant und Ulrike Heiligers unterstützen gemeinsam weitere 59 Aachener, die den Alltag nicht selbst meistern können.

Nicht alle von ihnen haben Handicaps wie Michael B. „Die Gründe, die eine gesetzliche Betreuung nötig machen, sind vielfältig”, sagt er.

In der Regel seien es körperliche, geistige oder auch psychische Einschränkungen, die dazu führten, dass eine Person das normale Leben nicht mehr meistern könne und ihr ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt würde, beispielsweise bei Demenz- oder Alkoholerkrankungen, oder bei anderen psychischen Krankheiten. „Doch mit Entmündigung - dieses Wort geistert noch immer in den Köpfen vieler Menschen herum - hat die gesetzliche Betreuung nichts mehr zu tun”, sagt Wiesehöfer.

Das war nicht immer so. Vor dem 1. Januar 1992 konnten Erwachsene, die ihre Angelegenheiten selbst nicht oder nur mangelhaft in den Griff bekamen, entmündigt werden, indem ihnen ein Vormund zugewiesen wurde. Menschen, die heute unter gesetzlicher Betreuung stehen, verlieren dank der Gesetzesänderung nicht mehr ihr Selbstbestimmungsrecht. Sie bleiben mündige Bürger - die Betreuung soll sie lediglich in wichtigen Lebenslagen unterstützen.

Zu den klassischen Aufgabenbereichen für gesetzliche Betreuer zählen deshalb die Vermögenssorge, die Gesundheitssorge, die Aufenthaltsbestimmung und Hilfe bei Behördenangelegenheiten. Letztlich sei der gesetzliche Betreuer für das Wohl des Betreuten zuständig, sagt Wiesehöfer.

„Der Wille, das Selbstbestimmungsrecht und die Wünsche des Betreuten müssen dabei geachtet werden - nur wenn sich die eigenen Wünsche nicht mit dem Wohl der Person decken, wird ein Wunsch des Betreuten unterbunden”, sagt er. Etwa, wenn eine demenzkranke, alte Dame, die nicht mehr alleine in ihrem Haushalt leben kann, sich weigert, in ein Altenheim zu gehen.

Einen derartigen Fall bearbeitet Ulrike Heiligers momentan. Sie ist von einem Gericht - nur ein Richter kann nach einem umfangreichen Prüfungsverfahren eine gesetzliche Betreuung veranlassen - zur Betreuerin der Frau bestellt worden.

Dass gesetzliche Betreuer einer Organisation wie Ulrike Heiligers aktiv werden müssen, das geschieht in den seltensten Fällen - meist sind es Angehörige oder den Betroffennen nahestehende Menschen , die zu gesetzlichen Betreuern bestellt werden.

Rund zwei Drittel aller Betreuer stammen aus dem familiären Umfeld des Betreuten. Wenn diese Vertrauenspersonen aus verschiedensten Gründen nicht zur Verfügung stehen, werden Vereinsbetreuer wie Wiesehöfer, Ant und Heiligers, oder eben selbstständige Berufsbetreuer bestellt.

Ulrike Heiligers wird im Fall der alten Dame nun in den nächsten Tagen prüfen, wie sie ihr helfen kann, schauen, ob es keine andere Möglichkeit als das Heim gibt. „Vielleicht kann man ihrem Wunsch zu Hause zu bleiben, doch entsprechen”, sagt sie.

Heiligers will überprüfen, ob man in ihrer Wohnung nicht Hilfssysteme installieren kann, die der Dame das Leben erleichtern und in Kombination mit Pflegedienst und anderen Hilfen ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. „Der Wunsch der Betreuten steht an oberster Stelle.”
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