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Gesetzesänderung: Keine Jagd in meinem Wald

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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„Keine Jagd auf meinem Grundstück“: Seit Dezember 2013 dürfen Eigentümer von Privatwald in Deutschland die Jagd unter bestimmten Voraussetzungen in ihren Wäldern verbieten. Anlass für die Gesetzesänderung war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Foto: dpa

Aachen/Düsseldorf. 89 Menschen in Nordrhein-Westfalen haben bis Ende April beantragt, dass in ihren Wäldern nicht mehr gejagt werden darf. Das geht aus einer Antwort des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel (Grüne) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Von den 89 Waldeigentümern leben vier im Kreis Heinsberg, drei im Kreis Düren und einer in der Städteregion Aachen.

Nach einem entsprechenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg musste das Bundesjagdgesetz vergangenes Jahr geändert werden. Seit Dezember 2013 ist es daher nun in ganz Deutschland möglich, einen Antrag auf Befriedung des eigenen Waldes aus ethischen Gründen zu stellen. Diese Anträge werden von den Unteren Jagdbehörden bewilligt oder abgelehnt.

Dass nun Jagdreviere in größerem Umfang befriedet und so von der Jagd ausgenommen werden, fürchten weder Jagdverbände noch das Umweltministerium. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte das Ministerium am Donnerstag mit, dass die 89 beantragten Jagdverbote 360 Hektar Wald beträfen, also noch nicht einmal 0,04 Prozent der gesamten Waldfläche in NRW.

Sven Herzog, Leiter der Abteilung Wildökologie am Institut für Waldbau und Forstschutz der TU Dresden, erklärte am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung, die Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Jagd und auf die befriedeten Wälder seien im Moment noch nicht absehbar. Es sei wahrscheinlich, dass befriedete Waldgebiete auf Sicht zu einer Art Ruhezone für Wildtiere würden. Dadurch würde dort auch weniger Wild erlegt und die Wildschäden würden innerhalb der befriedeten Wälder lokal ansteigen. Ob das allerdings zu signifikant höheren Schäden in der Umgebung führt, sei derzeit noch nicht belegt.

Während die Jagdverbände sich bemühen, das Thema Waldbefriedung zu marginalisieren, hält ein Rechtsanwalt aus Rheinland-Pfalz dagegen. Dominik Storr, der besagtes Urteil des Europäischen Gerichtshofs 2012 erstritten hatte, sagt, es seien jetzt schon mehr Anträge gestellt worden, „als die Politik erwartet hatte“.

Das Argument der Jäger, sie übernähmen die Rolle der in Europa weitgehend ausgestorbenen Fressfeinde von Hirschen, Rehen oder Wildschweinen, um deren Population im Rahmen halten zu können, halten Jagdkritiker für überschätzt. In der Tat ist in manchen Landstrichen zum Beispiel die Wildschweinpopulation so groß wie nie zuvor: In Brandenburg stieg sie zwischen 1957 und 2013 trotz der Jagd von 10.000 auf 90.000 Stück. Kurt Eicher, Sprecher der Heilbronner Initiative zur Abschaffung der Jagd, sagt: „Es gibt keine Tiere, die darauf angelegt wären, gefressen zu werden.“

Überzeugende Gründe, bitte

Außerdem sind die Hürden, eine Genehmigung für ein Jagdverbot im eigenen Wald zu erreichen, relativ hoch. Sie kann nun von sogenannten natürlichen Personen, also einzelnen Menschen, beantragt werden, nicht von sogenannten juristischen Personen, also Verbänden oder Unternehmen. Zudem müssen die angegebenen ethischen Gründe überzeugend sein. Deswegen ist es keine Überraschung, dass laut NRW-Umweltministerium von den 89 Anträgen bereits 15 abgelehnt worden sind.

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